Trockenheit und fallender Luftdruck lassen derzeit üble Gerüche aufsteigen

In Kassel stinkt's: Der Mief kommt aus den Kanälen

Iiiih, hier stinkt’s: Ein übler Geruch kam gestern aus Kanalisation. Grund ist das trockene Wetter. Unser Bild zeigt Charlotte (7) und Julius (5) an der Theodor-Fliedner-Straße in Wehlheiden. Foto: Fischer

Kassel. In Kassel stinkt’s. In der Stadt machte sich am Donnerstag ein übler Geruch breit. Es roch wie auf dem Lande, wenn der Güllewagen unterwegs war. Unter anderem im Vorderen Westen und der Südstadt und auch auf dem Königsplatz herrschte dicke Luft. Die HNA macht sich dem Mief auf die Spur und fand heraus:

Er kommt aus der Kanalisation. Grund ist das anhaltend schöne und trockene Wetter. „Uns fehlt derzeit der Regen“, sagt Karsten Köhler, Sprecher von des städtischen Eigenbetriebs Kassel Wasser. Denn 60 Prozent der Kanäle in Kassel sind Mischwasserkanäle, das heißt: In ihnen mischen sich Regenwasser und Abwasser.

Normalerweise wird das Abwasser, in dem sich auch die Fäkalien aus den Toiletten der Kasseler Haushalte befinden, durch das Regenwasser zusätzlich verdünnt. Außerdem erhöht sich dadurch auch die Fließgeschwindigkeit in den Kanälen. Sprich: Der stinkende Schmodder ist schneller im Klärwerk angekommen.

Weil es seit fast zwei Wochen nicht geregnet hat, stinkt es in den Kanälen also derzeit besonders stark. Hinzukommt, dass nach der anhaltenden Hochdruckwetterlage jetzt der Luftdruck fällt. Dadurch entsteht im Kanal ein Überdruck, und die übelriechende Luft drückt aus den Kanaldeckeln nach oben. „Es fließt nun mal leider kein Parfüm durch die Kanalisation“, sagt Köhler. Die natürliche Belüftung über die Kanaldeckel sei unverzichtbar, erläutert der Kassel-Wasser-Sprecher. Sie diene der Sicherheit der Mitarbeiter, die hin und wieder in die Kanäle absteigen müssen. Denn durch die Frischluft wird die Konzentration von Gasen wie Schwefelwasserstoff verdünnt. In zu hoher Konzentration können sie gefährlich werden.

Der derzeit wahrnehmbare Geruch in der Stadt sei aber völlig ungefährlich, versichert Köhler. „Es ist nur unangenehm, sonst nichts.“ Im Klärwerk werde das Abwasser ständig mit Sensoren auf schädliche Stoffe überprüft. Es gebe derzeit keinerlei Auffälligkeiten.

Samstag gibt es Regen

Ändern kann Kassel Wasser an dem Mief vorerst nichts. Zwar könne man kurze Strecken in Kanälen spülen, für sämtliche 830 Kilometer des Kasseler Kanalnetzes sei das aber nicht zu leisten. Dennoch ist Entwarnung ist Sicht: Am Samstag soll es regnen.

Das ist auch dringend nötig: Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes gab es in Kassel seit 1. März keinen Niederschlag mehr. Da fiel gerademal ein Millimeter pro Quadratmeter. Für alle Sonnenanbeter wird es am Wochenende vielleicht ein kleiner Trost sein, dass der Regen immerhin den Mief wegspült.

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