Aufgaben stammen aus Probeklausur, die 10 Jahre alt ist 

Kasseler Studenten beschweren sich: Uni-Klausur stand vorher im Internet 

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Sind die Prüfungen leichter, wenn die Aufgaben vorher bekannt sind? In einem Fall an der Uni Kassel standen Aufgaben samt Lösungen in Form einer Probeklausur vorher auf einer Seite im Internet.

Die Aufgaben einer Klausur für Wirtschaftsrecht, die vorige Woche an der Uni Kassel geschrieben wurde, waren vorab im Umlauf. Darüber beschweren sich nun Studenten, die die Klausur nicht kannten. 

In der Klausur für Wirtschaftsrecht rieben sich offenbar einige Studierende die Hände: Die Aufgaben samt Lösungen waren vorher auf einer Internetplattform verfügbar. Darüber beschwerten sich nun andere Studenten bei der HNA, die die Klausuraufgaben vorher nicht kannten. Sie fordern, dass die Klausur nicht gewertet und wiederholt wird.

Nach Angaben der Studenten hatte der Dozent, der am Institut für Wirtschaftsrecht lehrt, die Aufgaben in der Vergangenheit bereits als Probeklausur in Umlauf gebracht. Sie ist auf der Plattform „Studydrive“ zu finden, auf der Vorlesungsunterlagen und Lernmaterialen von Studenten eingestellt werden können. Die Probeklausur, die zehn Jahre alt ist, liegt der HNA vor.

In dem Aufgabentext, einem Fallbeispiel aus dem Handelsrecht, sei für die aktuelle Prüfung lediglich der Name des Käufers von „M“ in „K“ geändert worden, berichten die Studierenden. An einer Stelle im Text habe versehentlich noch M statt K gestanden, worauf der Dozent in der Klausur hingewiesen habe. Zudem habe auf dem Klausurbogen noch „Probeklausur“ gestanden und der Dozent den Hinweis gegeben, „Probe“ sei zu streichen.

Prof. Dr. Gerrit Hornung

Auf Anfrage der HNA wollte sich der Wissenschaftler, der seit vielen Jahren an der Uni Kassel lehrt, nicht selbst äußern. Prof. Dr. Gerrit Hornung, Direktor des Instituts für Wirtschaftrecht, teilte gegenüber der HNA mit, dass die Klausur nicht komplett identisch gewesen sei, allerdings zu einem erheblichen Teil mit der alten Klausur übereinstimmte.

Zudem sei vorher nicht bekannt gewesen, dass die im Netz stehenden Aufgaben in der aktuellen Klausur verwendet würden. „Wer sich durch die Fülle der auf der Plattform hochgeladenen Lernunterlagen durchgearbeitet hat, war ohnehin gut vorbereitet.“ Es sei zwar unglücklich, dass die Klausur zu großen Teilen vorher verfügbar war, sagt Hornung. Er halte es aber nicht für verwerflich, wenn ein Dozent nach so vielen Jahren alte Klausuraufgaben neu auflege.

"Inhalt der Klausuren ist Sache der Prüfer" 

Grundsätzlich macht die Hochschule den Dozenten keine Vorgaben zur Ausgestaltung von Klausuren im Allgemeinen, auch nicht zur Wiederverwendung alter Aufgaben. „Der Inhalt von Klausuren ist aufgrund der Lehrfreiheit ausschließlich Sache der Prüfer“, sagte ein Uni-Sprecher auf Anfrage.

Sollten Studierende das Gefühl haben, dass in einer Prüfung etwas unfair oder falsch abgelaufen ist, dann hätten sie die Möglichkeit, sich an den Prüfungsausschuss des jeweiligen Fachbereichs zu wenden. 

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