Noch mehr Heime nötig

Suche nach Flüchtlingsunterkünften: Unterbringung in Wohnungen wird schwieriger

Flüchtlingsheime im Kasseler Stadtgebiet.

Kassel. 350 neue Plätze für Asylbewerber wird die Stadt Kassel in den kommenden Monaten schaffen. Wie berichtet sollen im Schwesternwohnheim des ehemaligen Kinderkrankenhauses Park Schönfeld an der Frankfurter Straße (150 Plätze) und in der Graf-Haeseler-Kaserne in Niederzwehren (190 Plätze) zusätzliche Flüchtlingsunterkünfte eingerichtet werden.

Insgesamt hält die Stadt dann rund 780 Plätze in acht Flüchtlingswohnheimen vor (siehe Hintergrund).

Doch auch das wird nicht reichen, um die steigende Zahl an Asylbewerbern unterzubringen, prognostiziert Ute Pähns, Leiterin des Kasseler Sozialamts: „Wir brauchen weitere Plätze.“

Für 2015 richtet sich die Stadt nach ersten Prognosen auf 675 neu aufzunehmende Asylbewerber ein. Pähns vermutet, dass bereits im Sommer nächsten Jahres die vorhandenen Unterkünfte belegt sein könnten. Daher sei man auf der Suche nach weiteren Gemeinschaftsunterkünften.

Lesen Sie auch:

Kosten für Flüchtlinge: Stadt Kassel muss 1,5 Mio. Euro selbst tragen

Das Problem: Die Fluktuation in den Heimen lässt mit den steigenen Flüchtlingszahlen nach. Denn auf dem freien Wohnungsmarkt wird es immer schwerer, noch Wohnungen für Flüchtlinge zu finden. Auch weil die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum durch die vielen Studenten in Kassel ohnehin schon hoch ist. Zuletzt waren 308 der 682 in Kassel lebenden Asylbewerber in Wohnungen untergebracht, der Rest im Gemeinschaftsunterkünften.

Zum Verständnis: Normalerweise dürfen Asylbewerber spätestens nach ihrer Anerkennung aus den Wohnheimen ausziehen. Doch schon jetzt dauere es in der Regel vier bis sechs Monate, bis die Betroffenen dann eine Wohnung finden, sagt Mario Neumann, beim städtischen Sozialamt für Flüchtlingsangelegenheiten zuständig.

Ute Pähns

Wenn die Asylbewerber also länger in den Heimen wohnen bleiben, werden weniger Plätze für Neuankömmlinge frei. Dadurch müssen mehr Gemeinschaftsunterkünfte geschaffen werden und die Kosten steigen. Ein Wohnheimplatz kostet die Stadt je nach Größe um die 400 Euro im Monat. An die Betreiber der Heime wird derzeit ein Tagessatz von 10 bis 16 Euro pro Person gezahlt. Zudem werde der Wechsel in den Heimen schleppender, weil die Bearbeitung der Asylanträge durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) länger dauere als früher, sagt Neumann. Auch dort komme man wegen der stark steigenden Zahl der Asylbewerber offenbar nicht mehr mit der Arbeit hinterher.

Auch der Landkreis geht davon aus, dass die derzeit 500 Plätze in den acht vorhandenen Gemeinschaftsunterkünften nicht mehr lange reichen werden. „Wir sind ständig auf der Suche“, sagt Sprecher Harald Kühlborn. Zwei weitere Heime sollen demnächst in Wolfhagen-Niederelsungen und Espenau entstehen. Zwei weitere mögliche Standorte seien aktuell in Verhandlung. Aber auch darüber hinaus werden laut Kühlborn weitere Unterkünfte nötig sein.

Von Katja Rudolph 

Hintergrund

Bisher gibt es in der Stadt Kassel folgende Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber: 

• Jägerkaserne am Auestadion (135 Plätze)

• Haus im Druseltal (130)

• Heinrich-Steul-Schule im Forstfeld (130)

• Villa Seeberg, Harleshausen (25)

• Villa Germandi, Jungfernkopf (12)

• Haus in Kurhausstraße, Bad Wilhelmshöhe (20).

Hinzukommen sollen: 

• ehemaliges Schwesternwohnheim, Kinderkrankenhaus Park Schönfeld (150 Plätze, ab 1. Januar 2015) 

• Graf-Haeseler-Kaserne in Niederzwehren (190 Plätze, ab April 2015)

Im Landkreis Kassel gibt es derzeit acht Gemeinschaftsunterkünfte (in Fuldtal, Helsa, Kaufungen, Nieste, Vellmar, Trendelburg, Wolfhagen und Calden) mit insgesamt 500 Plätzen. (rud)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.