Für Sonntag geplante Veranstaltung wegen Corona abgesagt

„Tag der Erde“: Fest in Kassel trotzt allen Kritikern

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Zieht die Massen an: Der Tag der Erde in Kassel. Unser Foto entstand 2009 beim Umweltfest auf der Wolfhager Straße im Stadtteil Harleshausen. 

30 Jahre „Tag der Erde“ in Kassel sollte am Sonntag (26.04.2020) gefeiert werden, fällt aber wegen Corona aus. Wir erinnern an die Entwicklung des bundesweit größten Umweltfestes.

Ganz am Anfang beteiligt sich nicht einmal die Stadt. Den ersten Tag der Erde in Kassel (1990) organisieren ein paar Umweltaktivisten im Alleingang und gegen Widerstände in der Stadtgesellschaft. Über die Jahre hinweg mausert sich das Kasseler Umwelt- und Kulturfest dann zur bundesweit beachteten Erfolgsgeschichte mit Zehntausenden Besuchern. Das lässt das Interesse daran wachsen. Das führt aber auch dazu, dass nun fast jeder meint, er hätte ein Wörtchen mitzureden. Und dabei gern ausgeblendet wird, dass ein Verein und nicht die Stadt der Veranstalter ist.

Die Absage

Der Tag der Erde wird in Kassel von Ehrenamtlichen des Vereins Umwelthaus mithilfe der Stadt und seit 2019 der Keller & Gruber GbR organisiert. Das Coronavirus hat den Veranstaltern diesmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mitten in den Vorbereitungen muss im März das für 26. April auf der Wolfhager Straße geplante Umweltfest abgesagt werden. Besonders bedauerlich sei das, so betont Vereinsvorsitzender Hubert Grundler, weil es 2020 zwei „Jubiläen“ zu feiern gibt: 30 Jahre Umweltfest in Kassel und der 50. Internationalen „Earth-Day“, der eigentliche Anlass dafür.

Die Entwicklung

Trotz Absage wollen die Veranstalter auch in diesem Jahr auf den Tag der Erde aufmerksam machen, blicken auf die drei Jahrzehnte zurück. „Was 1990 von einer kleinen Gruppe engagierter Menschen gegen Widerstände aus der Stadt organisiert wurde und mit 28 Ständen auf der Frankfurter Straße begann, hat sich zu einem großen, fest etablierten und überregional bekannten Umwelt- und Kulturfest entwickelt“, sagt Grundler. Der Tag der Erde in Kassel gilt mit über 200 Ständen/Beiträgen und bis zu 30 000 Besuchern als größte Veranstaltung zum Earth-Day in der Republik. Darauf ist man stolz.

Die Kontroversen

Der Erfolg stellt sich trotz einiger Widerstände und mancher Kontroversen ein. Wie kaum ein anderes Fest in Kassel gibt der Tag der Erde immer wieder Anlass für Diskussionen. Dazu genügt allein die Idee, das Umweltfest an einem Sonntag auf einer dafür gesperrten Hauptverkehrsstraße zu feiern. Schon bei der Premiere 1990 gibt es deshalb Ärger mit Autofahrern und Anwohnern. Immer wieder geht es um Geld und Kosten, stets auch um die organisatorische, personelle und finanzielle Unterstützung der Stadt. Mal wird moniert, beim Umweltfest falle zu viel (Plastik-)Müll an, mal wird zu viel Kommerz beklagt. Kritik wird geübt, weil es etwa in Wolfsanger weniger Platz als Stand-Interessenten gibt. Oder weil zwar kein Eintritt verlangt, aber 2019 um Spenden gebeten wird. Die Geschichte des Umweltfestes ist reich an Kontroversen und Kuriositäten. Der Tag der Erde macht sogar bundesweite und internationale Schlagzeilen: 2017 beim ersten fleischlosen Fest, dem „Bratwurst-Krieg in Kassel“.

Die Themen

Beim Tag der Erde ist es Tradition, auch politisch Position zu beziehen. Die Themen sind von Anfang an vielfältig: Gefordert wird etwa Frieden (auch mit der Natur), kritisiert werden Waldsterben, Atomkraft, Kohleabbau oder das Abschlachten der Wale. Viele Themen sind heute noch aktuell. Andere, etwa die industrielle Fleischproduktion, sind hinzugekommen. „Die Mischung macht’s“, titelt die HNA Berichte über das Umweltfest. Der Tag der Erde will Information, Markt, Begegnung und Kultur rund ums Thema Umwelt bieten. Das funktioniert in Kassel seit 30 Jahren.

Von Andreas Hermann

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