25 Millionen Euro

Tapetenmuseum in Kassel wird erst 2025 fertig: Land Hessen trennt sich von Preisträger-Architekt

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Preisgekrönter Entwurf soll trotzdem gebaut werden: Für das geplante Tapetenmuseum am Brüder-Grimm-Platz sucht das Land Hessen einen neuen Architekten, der das Konzept des Schweizers Harry Gugger umsetzt.

Ursprünglich sollte das 25 Millionen teure Tapetenmuseum 2023 fertig werden. Nun wurde der Termin auf 2025 verschoben. Das Land Hessen hat sich vom Preisträger-Architekt getrennt. 

Am Brüder-Grimm-Platz soll dennoch der preisgekrönte Entwurf für das 25-Millionen-Projekt gebaut werden. Dafür sucht das Land Hessen nun europaweit nach einem neuen Planer. Auf die Pläne zur Umgestaltung der Platz-Umgebung hat die Verzögerung beim Museumsbau keine Auswirkungen.

Viel Beifall und Anerkennung aus der Fachwelt hatte es gegeben, als vor knapp zwei Jahren die Pläne für den Neubau des Tapetenmuseums am Brüder-Grimm-Platz veröffentlicht wurden: Das renommierte Schweizer Büro Harry Gugger Studio aus Basel hatte den Architektenwettbewerb gewonnen und den Zuschlag für den Bau des 25-Millionen-Euro-Projekts erhalten. Nun wurde bekannt, dass sich das Land Hessen und Architekt Gugger getrennt haben.

Trotz Trennung Bau des Entwurfs

Gebaut werden soll sein preisgekrönter Entwurf dennoch, aber das Museum dürfte mehr als ein Jahr später fertig werden als bisher vorgesehen. Inzwischen ist von 2025 die Rede. Ursprünglich angepeilt war eine Eröffnung zum Ausklang des Jahres 2023, in dem der Verein Deutsches Tapetenmuseum sein 100-jähriges Bestehen feiert.

Gewissermaßen als Nebensätze ließen diese Informationen aufhorchen, als es im Ortsbeirat Mitte um den Bebauungsplan-Entwurf für das Museumsprojekt ging. Eingeladen waren dazu auch Vertreter des Kasseler Büros Architektur und Städtebau sowie des Landesbetriebs Immobilien Hessen (LBIH).

Wie zu erfahren war, haben das Land Hessen und Planer Gugger im Sommer ihre Zusammenarbeit „einvernehmlich“ beendet. Nun werde per europaweiter Ausschreibung ein anderer Architekt gesucht, der Guggers Planungskonzept im Detail weiterbetreut und verwirklicht. Man rechne damit, dass diese Suche bis Januar dauert.

Neuer Architekt europaweit gesucht

Auf offizielle Nachfrage beim LBIH bestätigte Pressesprecher Andreas Hoffmann die Situation im Grundsatz, machte aber keine Angaben zu den Gründen der Trennung von Gugger. Eine Veröffentlichung von Details könnte die Geschäftsinteressen weiterer beteiligter Vertragsparteien verletzen, sagte er zur Begründung.

Zur weiteren Zeitschiene sagte der Landesimmobilien-Sprecher lediglich, dass sich die Fertigstellung des Tapetenmuseums „voraussichtlich verzögern“ werde. Genauere Aussagen seien derzeit „noch nicht möglich“.

Wird bis Ende 2023 neu gestaltet: Der Brüder-Grimm-Platz. In dem zentralen weißen Geb äude, das für den Neubau des Tapetenmuseums weichen soll, war bis zum vergangenen Jahr der Hessische Verwaltungsgerichtshof untergebracht.

Nun muss erst mal das Verfahren der Bebauungsplanung auf den Weg gebracht werden, was längere Zeit in Anspruch nehmen wird. In der Ortsbeiratssitzung hatte es geheißen, die reine Bauzeit werde zweieinhalb Jahre dauern und man rechne mit einer Museumseröffnung im Jahr 2025.

In diesem Zusammenhang plant die Stadt Kassel auch eine umfassende Neugestaltung und Aufwertung des Brüder-Grimm-Platzes. Dafür wurden der Stadt 6,5 Millionen Euro aus dem Städtebau-Förderprogramm des Bundes zugesagt – das entspricht rund der Hälfte des Kostenaufwandes.

Eine Verzögerung beim Museumsbau hätte auf dieses Vorhaben keine Auswirkung, stellte Rathaussprecher Michael Schwab auf Nachfrage klar: Der Brüder-Grimm-Platz müsse bis Ende 2023 fertiggestellt werden, um die Förderrichtlinien einzuhalten. Vom Bauablauf her hingen beide Projekte nicht zusammen.

Für den 15. Oktober erwarte die Stadt den Förderbescheid. Danach würden konkrete Pläne für den Ablauf der Platzgestaltung gemacht.

Im letzten Jahr gab es bereits Kritik am Neubau vom Bund der Steuerzahler. Das Team des Schweizer Architekten hatte sich ursprünglich in einem Wettbewerb gegen 27 Mitbewerber durchgesetzt, wie hna.de berichtete.

Von Axel Schwarz

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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