Seit Wochen ohne Anschluss

Frau aus Kassel hat Stress mit der Telekom: „Ich bin 80, aber nicht blöd“

Hilflos und sauer: Marion Hahn kann seit dem 26. August nicht mehr telefonieren, weil ein Bagger ihre Leitung beschädigt hatte.
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Hilflos und sauer: Marion Hahn kann seit dem 26. August nicht mehr telefonieren, weil ein Bagger ihre Leitung beschädigt hatte.

Seit über 50 Jahren ist die Rentnerin Kundin bei der Telekom. Sowas hat sie in den ganzen letzten Jahren noch nicht erlebt. Seit August ist das Telefon tot.

Kassel – Marion Hahn ist seit über 50 Jahren Kundin bei der Telekom, damals noch Deutsche Post. Doch so etwas hat sie noch nicht erlebt. Seit 26. August ist sie ohne Telefon, weil ein Bagger die Leitung vor dem Haus durchtrennte. Viel schlimmer sei aber das gewesen, was dann geschah, so die Rentnerin aus dem Stadtteil Jungfernkopf.

Nach beschädigtem Telefonkabel: Mann informiert Telekom

Angefangen hat die Geschichte, als eine Baufirma im August im Preserweg neue Stromleitungen verlegte. Ein Baggerführer beschädigte dabei das Telefonkabel, das in Hahns Haus führt. Es war in den Plänen falsch eingezeichnet. „Dem Mann hat das total leidgetan. Er hat sofort die Störungsstelle der Telekom informiert“, erzählt die aufgeweckte 80-Jährige.

Eine Woche später kam dann ein Servicetechniker der Telekom. „Der hat sich das Problem angesehen und ist gleich wieder gefahren. Für Tiefbau sei er nicht zuständig“, sagt Nachbar Ralph Pigorsch, der gemeinsam mit seiner Frau der älteren Dame mit Rat und Tat zur Seite steht. Eine weitere Woche ging ins Land, ein weiterer Techniker kam. Der habe das Kabel geflickt, so Pigorsch. Leider habe das Telefon dennoch nicht funktioniert.

Langsam drängte die Zeit. Denn die Baufirma, die die neuen Stromleitungen verlegt hatte, wollte die Grube schließen und den Bürgersteig neu asphaltieren. „Ich habe mehrfach bei der Telekom angerufen und denen gesagt, dass sie zügig kommen müssen“, sagt Pigorsch. Als fünf Wochen nach dem Baggerunfall immer noch keine Reparatur der Telefonleitung stattgefunden hatte, wurde die Baugrube geschlossen und der Weg asphaltiert.

Telekom riss Weg wieder auf

Doch Hahn und Pigorsch konnten ihren frisch asphaltierten Gehweg nicht lange genießen. Nur vier Tage nach der Asphaltierung kam die Telekom und riss den Weg wieder auf, um das Kabel zu reparieren. Abermals ohne Erfolg. „Der Techniker schaute um 16 Uhr auf die Uhr und machte Feierabend. Ich habe selbst als Servicetechniker gearbeitet. Bei mir war Feierabend, wenn das Problem gelöst war“, so Pigorsch.

Telekom - Rentnerin aus Kassel „Ich bin 80, aber nicht blöd“

Insgesamt fünf Techniker waren seit August im Preserweg – der letzte am vergangenen Dienstag. Niemand konnte der 80-Jährigen helfen. In der Not war diese mehrfach im Telekom-Shop in Kassel. „Die haben mich weggeschickt und gesagt, dass sie nur verkaufen. Die haben mir ein Smartphone angeboten. Ich will aber kein Smartphone. Ich zahle jetzt schon fast 40 Euro monatlich. Ich bin 80, aber nicht blöd“, stellt die Dame klar.

Frischer asphaltiert Gehweg wieder aufgerissen: Nachbar Ralph Pigorsch an der Stelle, wo erneut gebuddelt wurde. Vermutlich muss der Weg weiter aufgerissen werden.

Die 80-Jährige hat zwar ein Prepaid-Handy, das sie mehrfach aufladen musste, um überhaupt erreichbar zu sein. „Doch kaum jemand ruft mich noch an. Das ist allen zu teuer. Dabei würde man sich doch gerade in Corona-Zeiten über Kontakt freuen“, sagt Hahn. Eine kostenlose Rufumleitung vom Festnetz auf ihr Handy habe ihr die Telekom nie angeboten.

Frau aus Kassel habe die längsten Telefonate mit der Telekom-Störungsstelle geführt

Die längsten Telefonate hat sie zuletzt mit der Störungsstelle der Telekom geführt. „Da hängt man ewig in der Warteschleife und hört Musik, Musik, Musik. Wenn man dann jemand dran hat, wird man abgespeist“, erzürnt sich die Rentnerin.

Als sie im September beschloss, ihre Telekom-Rechnungen nicht mehr vom Konto abbuchen zu lassen, bekam sie umgehend eine Mahnung samt vier Euro Mahngebühr. „Dafür haben die komischerweise nur wenige Tage gebraucht“, wundert sich die Dame.

Auf HNA-Anfrage teilt die Telekom mit, dass ihre Servicetechniker umgehend versucht hätten, die Störung zu beheben, als die Baugrube noch offen war. „Zwischenzeitlich wurde dabei der Anschluss als funktionsfähig gemessen. Erst später haben sich die Werte wieder verschlechtert, sodass die Kollegen aktuell wieder mit dem genauen Einmessen, also dem präzisen Lokalisieren der Fehlerquelle, beschäftigt sind. Daher kann ich Ihnen noch nicht genau sagen, wann der Anschluss wieder entstört ist“, so ein Sprecher. Entstandene Unannehmlichkeiten bitte er zu entschuldigen. (Bastian Ludwig)

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