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Test in Kassel: E-Scooter bekommen Benutzungs-Hürde für Betrunkene

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Von: Axel Schwarz

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Auch für solche Roller gilt die 0,5-Promille-Grenze: Ein E-Scooter des Anbieters Bolt am Unterneustädter Kirchplatz. Kommt es mit solchen Gefährten zu Unfällen, ist häufig Alkohol an der Lenkstange die Ursache.
Auch für solche Roller gilt die 0,5-Promille-Grenze: Ein E-Scooter des Anbieters Bolt am Unterneustädter Kirchplatz. Kommt es mit solchen Gefährten zu Unfällen, ist häufig Alkohol an der Lenkstange die Ursache. © Axel Schwarz

Zunehmend kommt es auch in Kassel zu Unfällen mit E-Scootern, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gelenkt werden. Der Anbieter Bolt testet Nutzer jetzt auf Fahrtauglichkeit.

Kassel – In Kassels Stadtbild haben sie sich rasant verbreitet: Elektroroller, die man per App-Freischaltung gegen eine kleine Gebühr ausleihen kann, stehen mittlerweile an fast jeder Ecke. Für die einen sind sie ein flottes Fortbewegungsmittel, für andere eher ein Spaßmobil, das im Verkehr aber auch Risiken birgt.

Vor allem spätabends werden die E-Scooter gern von Personen benutzt, die sich mit Blick auf ihren Alkoholpegel nicht mehr unbedingt ans Autosteuer setzen würden. Dabei gilt auch auf dem Roller-Trittbrett die 0,5-Promille-Grenze; für Fahranfänger liegt sie sogar strikt bei null. Auch in Kassel seien oft betrunkene oder drogenberauschte Fahrer auf Elektrorollern unterwegs, sagte ein Polizeisprecher der HNA.

Kassel: E-Scooter von Bolt bekommen Benutzungshürde für Betrunkene

Das macht sich in der Unfallstatistik bemerkbar. Fünf Tote und mehr als 2000 Verletzte gab es 2020 bundesweit im Zusammenhang mit E-Scootern, die Kasseler Polizei hat im Vorjahr zwei Schwerverletzte registriert. Laut dem ADAC ist Alkohol an der Roller-Lenkstange die häufigste Unfallursache gewesen.

Die Verleihfirma Bolt, einer von fünf E-Scooter-Anbietern in Kassel, will deshalb nun fahruntüchtigen Nutzern die Roller-Ausleihe mit einem technischen Kniff erschweren. Jeweils donnerstags bis sonntags von 22 bis 5 Uhr morgens – also zu Zeiten, wenn mutmaßlich mehr alkoholselig gefeiert wird – ist dem Entsperrvorgang in der Bolt-App nun ein kleines Reaktionsspiel vorgeschaltet. Dabei muss man per Fingertipp bestätigen, sobald bestimmte Elemente auf dem Bildschirm auftauchen.

Kassel: Bolt will Betrunkene mit App am E-Scooter-Fahren hindern

Liegt die Reaktionszeit über einem definierten Schwellenwert, wird den Nutzern „geraten, den E-Scooter nicht zu fahren“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Man sei sich der Problematik der Trunkenheitsfahrten bewusst und wolle mit der neuen App-Funktion „alkoholbedingte Unfälle mit E-Scootern reduzieren und die Sicherheit im Straßenverkehr insgesamt fördern“, sagte Balthasar Scheder, Deutschland-Manager des Mobilitätsanbieters mit Sitz in Estland.

Im Effekt bleibt es dabei allerdings beim freundlichen Appell. Denn auch nach mehreren Fehlversuchen schaltet die App den E-Roller schließlich frei und rechnet die Gebühren ab. „Es ist möglich, den Scooter zu benutzen, auch wenn man den Reaktionstest nicht bestanden hat“, bestätigte ein Mitarbeiter der Hamburger PR-Agentur von Bolt auf Nachfrage der HNA.

Kassel: Bolt-App sperrt E-Scooter-Nutzer nicht pauschal, wenn sie den Reaktionstest nicht bestehen

Der Test sei als Barriere gedacht, um das Bewusstsein der Nutzer für Trunkenheitsfahrten und mögliche strafrechtliche Folgen zu schärfen. Die Reaktionsfähigkeit könne aus vielen Gründen beeinträchtigt sein. „Daher können wir Nutzer nicht pauschal sperren, wenn sie den Test nicht bestehen.“

Seit Elektro-Roller Mitte 2019 für den Straßenverkehr zugelassen wurden, sind zahlreiche Verleiher auf den Markt gedrängt. In Kassel konkurrieren die Firmen Skooty, Bolt, Lime, Bird und Tier mit einer nicht ermittelbaren Gesamtzahl an Rollern, die oft sorglos abgestellt Gehwege blockieren oder dort umgestürzt herumliegen.

Wie viele andere Städte plant auch Kassel, den Roller-Wildwuchs stärker zu reglementieren. Künftig solle dies als Sondernutzung des öffentlichen Raums behandelt werden, mit Kosten, Regeln und Auflagen, so ein Rathaussprecher. Eine Beschlussvorlage für das Stadtparlament sei derzeit in Vorbereitung. (Axel Schwarz)

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