Rentnerin zog für das Ehrenamt von Stuttgart nach Kassel

Theresa Rütten arbeitet ehrenamtlich im Mehrgenerationenhospiz des Heilhauses Kassel

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„Bereichernd“: Theresa Rütten ist Ehrenamtliche im Mehrgenerationenhospiz im Heilhaus. 

Die Rentnerin Theresa Rütten ist von Stuttgart nach Kassel gezogen, um ehrenamtlich im Mehrgenerationenhospiz des Heilhauses Kassel zu arbeiten.

Mal ist sie da, um eine Hand zu halten, mal um zu reden, meistens, um gemeinsam zu schweigen und einfach nur als menschliches Wesen anwesend zu sein.

Die Art und Weise, wie sich für die Ehrenamtliche die Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen im Mehrgenerationenhospiz gestaltet, ist so individuell, wie es die Menschen selber sind. Theresa Rütten hat sich darauf eingestellt, zuerst – leise und unaufdringlich – die Bedürfnisse und Wünsche der Gäste im Haus zu eruieren.

Theresa Rütten ist einfach da für die Menschen

 „Ich habe auch schon einmal mit einem der Gäste das ganze Liederbuch durchgesungen und mit einem anderen Sudokus gelöst“, sagt sie. Die meisten seien aber „nicht mehr in der Sprache“. „Die Menschen sind so verschieden und meine Grundhaltung besteht darin, einfach da zu sein.“ Viele Gäste und Angehörige schätzten das sehr.

Für das Ehrenamt ist Theresa Rütten eigens von Stuttgart nach Kassel gezogen

Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Heilhaus ist Theresa Rütten (70) vor zwei Jahren von Stuttgart nach Kassel gezogen. In Stuttgart hatte die Sozialarbeiterin zuletzt die Leitung der kommunalen Altenberatungsstelle inne.

Theresa Rütten wollte im Ruhestand aktiv bleiben

In ihrem Ruhestand wollte sie aktiv bleiben und außerdem am gemeinschaftlichen Leben des Heilhauses, dem sie nach eigenem Bekunden seit 30 Jahren verbunden ist, teilnehmen. Weil die genossenschaftliche Heilhaus-Siedlung zurzeit mit Bewohnern gefüllt ist, sei sie mit ihrer Frau in eine nahegelegene Wohnung in Rothenditmold gezogen.

Theresa Rütten: „Mich fasziniert, wie hier mit Menschen umgegangen wird"

So könne sie fußläufig an allen Heilhaus-Aktivitäten teilnehmen und sich bequem als Ehrenamtliche einbringen. „Mich fasziniert, wie hier mit Menschen umgegangen wird, und das ist mir auch in der Hospizarbeit wichtig“, sagt Theresa Rütten, die Qi Gong praktiziert und eine passionierte Kino-Gängerin ist. Dass alle Generationen – vom Kind bis zum Hochbetagten – im Heilhaus-Hospiz zusammenleben, war für sie neu und überzeugend.

Oft weiß Theresa Rütten nicht, was am Tag auf sie zukommt. „Ich trage mich ins Büchle ein, und lasse mich dann in Absprache mit den Hauptamtlichen darauf ein, wo ich gerade gebraucht werde“, erklärt sie das Procedere.

Die Arbeit im Hospiz empfindet die Rentnerin nicht als bedrückend

Dabei sei die Arbeit im Hospiz für sie nicht bedrückend. Im Gegenteil. Theresa Rütten bezeichnet sie als „sehr bereichernd. Ich empfinde sie als Vorbereitung auf mein eigenes Lebensende.“ Durch die Öffnung für das Geistliche verliere es jede Dunkelheit. 

„Ich erlebe hier, dass wir aus Liebe gekommen sind und wieder in die Liebe gehen.“ Das Leben sei ihr im Hospiz als ein Geschenk bewusst geworden. Und: „Sterben ist Heilwerden.“ Dazu gehörten – sofern vom Sterbenden und den Angehörigen gewünscht – nach dem Tod eine „Feier der Erinnerung“, bei der im stillen Gedenken das Leben des Verstorbenen gewürdigt wird.

„Das, was er durchlebt hat, ist auch nach seinem Tod noch da. Ich kann es Revue passieren lassen, auch wenn ich den Menschen nicht gekannt habe“, sagt Theresa Rütten. Diese Verabschiedungen beeindruckten sie sehr. Daran könne man wachsen.

Vorausgegangen waren für Theresa Rütten ebenso wie für ein Dutzend weitere Ehrenamtliche diverse Aus- und Fortbildungen im Umgang mit den Menschen.

Hintergrund: Das Mehrgenerationenhospiz der Heilhaus-Stiftung

Im Mehrgenerationenhospiz der Heilhaus-Stiftung an der Brandaustraße werden schwer kranke und sterbende Menschen jedes Alters begleitet – von Säuglingen über Jugendliche und Erwachsene bis zu hochbetagten Menschen. 200 waren es seit Eröffnung 2016. 

Das Hospiz bietet Raum für acht Hospizgäste. Ehrenamtliche Helfer sind dort wie auch in anderen Hospizen wichtig, sagt Leiterin Viviane Claus. „Sie unterstützen die Arbeit der hauptamtlichen Fachkräfte, indem sie den Sterbenden Zeit schenken.“ Die notwendigen Qualifikationen können sie im Rahmen einer Ausbildung erwerben, die das Heilhaus ebenso wie andere Einrichtungen anbietet. 

Schwerpunkte im Heilhaus sind die „Reflexion eigener Erfahrungen mit Sterben und Tod, Abschiednehmen, Selbstfürsorge, Umgang mit Sterbenden und ihren Angehörigen, Tätig sein im Hospiz“.

Die Ausbildung qualifiziert für die Begleitung Sterbender zuhause und im Hospiz. Sie beinhaltet die Qualitätsanforderungen zur Vorbereitung Ehrenamtlicher in der Hospizarbeit, die der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband e.V. herausgegeben hat. 

Sie umfasst 100 Stunden und schließt mit einem Zertifikat ab. Kosten: 200 Euro. Die nächste Ausbildung, die das Heilhaus anbietet, beginnt am 1. Februar. Infos: heilhaus.org, Tel.: 0561 / 98 32 68 25. 

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