Kritik

Mann liegt wochenlang tot in Wohnung: Heftige Kritik an betreutem Wohnen im Seniorenhaus Kassel

In Kassel wird ein toter Mann in einem Seniorenhaus erst Wochen später entdeckt. Die Caritas weist Vorwürfe und Kritik zurück. (Symbolbild)
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In Kassel wird ein toter Mann in einem Seniorenhaus erst Wochen später entdeckt. Die Caritas weist Vorwürfe und Kritik zurück. (Symbolbild)

Ein Mann liegt in Kassel wochenlang tot in seiner Wohnung eines Seniorenhauses, bis er entdeckt wird. Der Fall sorgt für massive Kritik an der Einrichtung.

Kassel – In einem betreuten Wohnen des Seniorenhauses St. Bonifatius im Wesertor in Kassel hat ein Mann mehrere Wochen tot in seiner Wohnung gelegen, ohne dass dies auffiel. Erst als Nachbarn in der Wohnanlage an der Bürgistraße einen unangenehmen Geruch bemerkten und Hilfe riefen, wurde der Todesfall entdeckt.

Der Fall vom vergangenen Februar wurde jetzt bekannt, als sich mehrere Senioren aus dem betreuten Wohnen mit Kritik an unsere Zeitung wandten. Sie berichten, dass kaum Kontakt zum Seniorenhaus bestehe und ihre Bitten um Hilfe mitunter abgelehnt würden.

Mann liegt wochenlang tot in Wohnung - Kritik am Seniorenhaus in Kassel

Auf Anfrage der HNA bestätigte der Caritasverband für die Diözese Fulda als Träger der Einrichtung den Fall vom Februar und bedauerte diesen. Nach Angaben der Polizei war der 77-Jährige bei seinem Auffinden bereits zwei bis drei Wochen tot. Allerdings fielen die Umstände nicht in die Verantwortung des Seniorenhauses, teilte Caritas-Sprecher Christian Scharf mit. In der Seniorenwohnanlage lebten alle Mieter selbstständig. Es gebe keine Betreuungsbesuche und Kontrollgänge, wenn nicht vom Mieter selbst veranlasst.

In der Wohnanlage an der Bürgistraße gibt es 28 Wohnungen, die von einem Frankfurter Wohnungsunternehmen vermietet werden. 24 Parteien haben einen Betreuungsvertrag mit dem Seniorenhaus abgeschlossen, der im Grundservice rund 42 Euro pro Monat kostet, für Paare 57 Euro. Ein Hausnotruf ist im Grundservice des betreuten Wohnens nicht enthalten, kann aber auf Wunsch vermittelt werden.

Kassel: Leiche erst Wochen später in Seniorenhaus entdeckt - Caritas weist Vorwürfe zurück

Laut dem Vertrag, der der HNA vorliegt, gehören zu den Basisleistungen unter anderem „Beratungen in Fragen sozialer Dienste sowie des täglichen Lebens“ sowie „Hilfe und Beratung in Behördenangelegenheiten“. Laut Caritas erfolgten die Leistungen grundsätzlich auf Anfrage. Nach den Schilderungen der Bewohner sind konkrete Bitten um Unterstützung, etwa beim Ausfüllen von Formularen, aber mehrfach abgelehnt worden. „Die kümmern sich um gar nichts“, sagt Maria Bryla (82).

Dies wies die Caritas zurück. Es habe keine Anfragen gegeben, die nicht bedient worden seien. Allerdings räumte der Sprecher ein, dass das Angebot seit der Coronapandemie „für die Mieter eingeschränkt wirkt“. Man werde den Beschwerden nun nachgehen und das bestehende Leistungsangebot prüfen. Zudem bietet die Caritas allen Mietern an, den Servicevertrag fristlos zu kündigen. (Katja Rudolph)

Vor Kurzem galt ein Mann aus einem Wohnpflegeheim in Haina (Kreis Waldeck-Frankenberg) als vermisst. Nun entdeckte ein Jäger seine Leiche in einem Wald.

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