Sonderabgabe für Übernachtung soll dem Stadtmarketing zugutekommen – Kämmerer gegen Abgabe

Kassel Tourist ist für Bettensteuer

Was Weimar hat, hätte Kassel Tourist gern: Die Bettensteuer. Eine Kurtaxe gibt es in den Hotels in Bad Wilhelmshöhe. Unser Archivbild zeigt Valbone Shaka, Zimmermädchen im Hotel Gude in Niederzwehren. Archivfoto: Herzog

Kassel. Not macht erfinderisch. Wegen leerer Kassen wollen Städte wie etwa Köln und Stuttgart eine sogenannte Kulturförderabgabe für Hotels einführen. Vorbild ist die Stadt Weimar in Thüringen.

Dort gibt es die Bettensteuer - ein Zuschlag von ein bis zwei Euro pro Übernachtung - schon seit einigen Jahren. Auch in Kassel ist die Sonderabgabe inzwischen Thema - allerdings nicht im Rathaus.

Kassel-Tourist-Chef Knut Seidel plädiert dafür, über die Übernachtungssteuer nachzudenken. Die tue weder Hoteliers noch Gästen weh, entlaste aber die Kommunen. Die Mehreinnahmen sollten seiner Meinung nach ins Stadtmarketing fließen, um weitere Besucher und Gäste anzulocken. Also an Kassel Tourist. Seidel verweist auf Amerika. Dort funktioniere das bestens.

Im vergangenen Jahr wurden nach seinen Angaben in Kassel 729 000 Übernachtungen gezählt. Bei einer Abgabe von einem Euro könnte sich Kassel Tourist über 729 000 Euro freuen. „Damit kann man richtig was machen“, sagt Seidel. Für den städtischen Haushalt sei der Betrag nur ein Tropfen auf den heißen Stein, für die Stadtvermarkter dagegen gigantisch.

Seidel ist auch im Vorstand des europäischen Verbandes der Veranstaltungscentren aktiv. Der Verband will nach seinen Angaben mit diesem Vorschlag an die Öffentlichkeit gehen. Dass die Mehrkosten auf Dauer zu weniger Übernachtungen führen, sei unwahrscheinlich. „Die Sorgen haben wir in Kassel nicht“, sagt Seidel. Hier stimme das Preis-Leistungsverhältnis.

Stadt winkt ab

Im Rathaus will man von der Bettensteuer nichts wissen. „Ich halte nichts davon, die Bürger jetzt mit einer neuen Abgabe zu belegen“, erklärt Kämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD). Der hohe bürokratische Aufwand, der damit verbunden sei, spreche ebenfalls dagegen. Außerdem wäre die Sonderabgabe schädlich für den Kulturstandort Kassel, sagt Barthel. Man wolle den Aufschwung im Tourismus nicht wieder kaputt machen. „Wir sind nicht München oder Frankfurt“, sagt Barthel. Die Hotels in Bad Wilhelmshöhe seien zudem schon mit der Kurtaxe belastet.

Beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Kassel Stadt und Land stößt die Bettensteuer auf Empörung. Für dessen Vorsitzenden Karl-Ernst Seebach ist sie eine „Unverschämtheit“.

Gerade habe man mit der Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent einen Teilerfolg im Kampf um Gerechtigkeit in Europa erreicht, da wolle man die Hotels mit der Sonderabgabe wieder belasten. Er sehe die Not der Kommunen, sagt Seebach. Doch es sei nicht im Sinne des neuen Gesetzes, dass sie sich das Geld auf diesem Weg wieder hereinholten.

HINTERGRUND

Von Ellen Schwaab

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.