Anneliese Hartleb ist im Alter von 93 Jahren gestorben

Anneliese Hartleb ist tot - Kassel trauert um "Frau Goethe"

So kennen sie viele: Anneliese Hartleb neben der Büste ihres geliebten Dichters Johann Wolfgang Goethe. Das Bild entstand zu ihrem 90. Geburtstag. Archivfoto: Schwarz

Eine außerordentliche Persönlichkeit mit Esprit, Charme und Herzensbildung ist aus dieser Welt gegangen. Eine gewichtige Stimme in Kassels kulturellem, gesellschaftlichem und universitärem Leben ist für immer verstummt.

Am Samstagabend ist Anneliese Hartleb im Alter von 93 Jahren im Beisein ihrer beiden Söhne im Altenheim in Ahnatal gestorben. Das bestätigte gestern ihr Sohn Jochen. „Der Kopf war noch voll aktiv, aber der Körper wollte nicht mehr“, sagte er.

Anneliese Hartleb war über Jahrzehnte ein Fixstern des Kulturlebens, war auf ungezählten Terminen präsent, von der Opernpremiere bis zum studentischen Konzert, vom wissenschaftlichen Kongress bis zum Serviceclub. Das Netzwerk ihrer Kontakte spannte sich zwischen so vielen Bereichen und so vielen Personenkreisen, wie es sicher in der Region kein zweites Mal vorkommt.

Auch ihre elegante Aufmachung mit schleierbesetzten Hüten, Blusen und Blazern, an deren Revers stets das Gingko-Blatt der Goethe-Freunde prangte, war das Markenzeichen der zierlichen Person. Sie war eine Grande Dame.

Hartleb prägte die Geschicke der Kasseler Goethe-Gesellschaft, deren Geschäftsführerin sie 28 Jahre lang war. In dieser Zeit erhöhte sich die Mitgliederzahl auf Rekordniveau. In Kassel wurde sie deshalb liebevoll „Frau Goethe“ genannt.

Ihr Markenzeichen: Anneliese Hartleb zeigte sich stets mit Hut - und verfügte über eine große Auswahl.

Als Mitbegründerin der Universität („meiner ganz großen Liebe“) warb sie unermüdlich für die Anliegen der Wissenschaft. Sie verstand sich als Vermittlerin, gab Anstöße, war eine Ratgeberin, auf die man hörte. Über einen Fonds unterstützte sie junge Germanisten. Auch beim Internationalen Frauenclub, im Museumsverein, im Vorstand der Komödie, bei der Volksbühne und dem Literaturbüro Nordhessen hatte sie gewirkt. Für ihr Engagement erhielt sie viele Auszeichnungen.

Dabei half sie – getrieben von einer tiefen Menschlichkeit, wo sie konnte. Sie spendete Geld, Aufmerksamkeit, Tatkraft, ein offenes Ohr und verknüpfte ihre Bildung mit viel Bodenständigkeit, die sie gern auch mit einem humorvollen Spruch im nordhessischen Platt pflegte.

Mehr als 90 Jahre lebte die am 6. August 1921 geborene Anneliese Hartleb im Stadtteil Kirchditmold, der einst für ihren Vater, einen Lokomotivführer, verkehrsgünstig gelegen war. Sie erinnerte sich gern an eine glückliche Kindheit dort. Sie absolvierte eine kaufmännische Ausbildung, später wurde sie Journalistin. Sie überstand Krieg und Evakuierung, musste den Verlust ihres Ehemanns und später auch ihres Lebensgefährten Arthur Fandrey verkraften.

Hartleb hinterlässt zwei Söhne, vier Enkel und drei Urenkel. „Es fiel ihr schwer zu gehen“, sagte ihr Sohn Jochen.

Die Trauerfeier ist am Mittwoch, 8. April, 14 Uhr, in der ev. Kirche Kirchditmold.

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