Prozess vor dem Amtsgericht

Trotz Bewährung droht Haft: Kasseler Versicherungsmakler räumten Betrug ein 

Wegen gemeinschaftlichen und gewerblichen Betruges wurden ein 27-Jähriger und ein 35-Jähriger vom Amtsgericht Kassel verurteilt.
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Wegen gemeinschaftlichen und gewerblichen Betruges wurden ein 27-Jähriger und ein 35-Jähriger vom Amtsgericht Kassel verurteilt.

Wegen gemeinschaftlichen und gewerblichen Betruges hat das Amtsgericht zwei 27 und 35 Jahre alte Kasseler zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Der Jüngere erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr zur Bewährung. Er erkannte das Urteil an, es ist damit rechtskräftig.

Anders sieht die Sache für den 35-Jährigen aus, der in der vergangenen Woche in einem anderen Verfahren wegen 34 Betrugsfällen zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden war. Diesmal sprach Amtsrichterin Hahn eine Strafe von einem Jahr und vier Monaten aus, ebenfalls zur Bewährung.

Der Haken daran: Die Strafen aus beiden Urteilen werden jetzt zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst, die höher als die bewährungsfähigen zwei Jahre ausfallen dürfte. Im Klartext: Der Mann muss nun vermutlich doch ins Gefängnis.

Die beiden Männer hatten im Jahr 2016 insgesamt fünf Verträge für private Krankenversicherungen abgeschlossen, von denen vier gleich wieder gekündigt wurden. Vorher hatten sie freilich die Maklerprovision von rund 12 000 Euro kassiert. “Das war eine blöde Idee um den schnellen Dollar zu machen”, beschrieb Richterin Hahn in ihrer Urteilsbegründung das etwas einfältige Geschäftsmodell der beiden sich jetzt reuevoll gebenden Angeklagten. Dem 27-Jährigen, der bis heute als selbstständiger Versicherungsmakler in der Branche tätig ist, gab sie den Rat mit auf den Weg, künftig auf “Mauscheleien” zu verzichten.

Mann aus Kassel muss trotz Bewährung eventuell  wegen Betruges ins Gefängnis

Wohin der Weg des 35-Jährigen führt, ist offen. Er wurde in der vergangenen Woche zu zwei Jahren verurteilt, weil er eine andere Betrugsmasche angewendet hatte. Er hatte sich selbst Versicherungspolicen für Krankenhaustagegeld vermittelt, sich dann nach Konsultationen verschiedener Ärzte krank gemeldet und insgesamt über 121.000 Euro Provisionen und Tagegelder kassiert. Davon wurden 60 000 Euro schon zurückgezahlt.

Strafschärfend kam hinzu, dass er bereits 2009 wegen ähnlicher Delikte zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden war. Im Verfahren in der vergangenen Woche hatte Staatsanwältin Schwarz da schon zweieinhalb Jahre Gefängnis gefordert.

Gestern batVerteidiger Christopher Posch um ein mildes Urteil für seinen Mandanten, der seit drei Jahren nicht mehr straffällig geworden sei. Posch: “Er will die Geister der Vergangenheit hinter sich lassen und sein Leben neu ordnen.” Er habe geheiratet, das zweite Kind sei unterwegs, eine feste Anstellung im Betrieb seiner Schwiegereltern gebe ihm Halt. Die gute Entwicklung könnte durch eine Haftstrafe gebremst werden, fürchtete Posch, der sich gleichwohl keinen Illusionen darüber hingab, was seinem Mandanten bevorsteht.

Der 27-jährige Angeklagte bekam von Richterin Hahn noch eine Geldauflage von 3500 Euro aufgebrummt. Das Geld soll ans Kinderhospiz fließen und an die “Roten Nasen”, die in Krankenhäusern die kleinen Patienten aufheitern.

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