Ärger um die Umbaupläne

Streit um die Markthalle Kassel: Standbetreiber setzen sich gegen neues Konzept zur Wehr

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Umstrittene Pläne: In der Kasseler Markthalle fürchten die Marktbeschicker um die Zukunft des Hauses.

Kaum wurde das neue Konzept für die Markthalle Kassel vorgestellt - folgt der Ärger. Die Marktbeschicker setzen sich dagegen zur Wehr.

Update am 26.11.2019 um 9.33 Uhr - Auf die großen Pläne folgt der große Knatsch: Verärgert reagieren die Marktbeschicker um Geschäftsführer Andreas Mannsbarth auf das von der Stadt und den Investoren vorgestellte Konzept für die Kasseler Markthalle. Es sei unwahr, dass man über die Pläne informiert worden sei.

Man habe erst aus der Zeitung davon erfahren, kritisiert Mannsbarth. Man frage sich, warum die Stadt das Konzept der Marktbeschicker abgelehnt und einem Investor den Zuschlag erteilt habe, dessen Finanzierung offenbar noch nicht stehe.

Wie berichtet, hatten die siegreich aus dem Bieterverfahren hervorgegangenen Investoren Antonio Merz (Gut Kragenhof) sowie Michael Majcen und Matthias Tunnemann vom Architekturbüro Sprengwerk bei der Konzeptvorstellung erklärt, man wolle jetzt noch keine Angaben zu den Kosten machen.

Marktbeschicker hatten eigenes Konzept vorgelegt - und wollen dafür kämpfen

Hinter dem eigenen Konzept, so Mannsbarth, stehe ein Großteil der Marktbeschicker. Es sei komplett fertig und weise eine solide Finanzplanung auf. Zum Konzept von Merz und Co. kündigt Mannsbarth an: „Die Markthalle wird sich mit allen Mitteln gegen die so vorgestellten Pläne des Investors zur Wehr setzen.“ Kunden hätten bereits am Samstag gefordert, Unterschriftenlisten gegen die Pläne auszulegen.

Kritik der Marktbeschicker an den Plänen zur Veranstaltungsfläche für das Erdgeschoss

Kritisch sehen die Marktbeschicker auch das Vorhaben, dass im Erdgeschoss ein großer Veranstaltungs- und Konzertsaal entstehen soll. Wenn keine Veranstaltung stattfinde, was an den meisten Tagen der Fall sein werde, stehe diese Fläche leer, so Mannsbarth. Die über 60 Marktstände sollten sich künftig auf einer Etage zusammendrängen. „Wahrscheinlicher ist: Die meisten Marktbeschicker werden keinen Platz mehr in der neuen Markthalle finden.“ Das haben die neuen Investoren zurückgewiesen.

Sorge: Marktbetrieb wird künftig wesentlich geringere Rolle spielen

Generell befürchtet Mannsbart, das neue Konzept werde den Charakter der Kasseler Markthalle verändern. Die Events, die im Erdgeschoss stattfinden sollen, würden dazu führen, dass die Markthalle hauptsächlich von Event- und Veranstaltungsgästen besucht werde. „Der eigentliche Marktbetrieb wird künftig eine wesentlich geringere Rolle spielen.“

IHK begrüßt das von den Investoren vorgestellte Konzept: "Nur so rechnet sich das"

An dem neuen Konzept für die Kasseler Markthalle scheiden sich die Geister. Während Geschäftsführer Andreas Mannsbarth im Namen der Marktbeschicker seinen Widerstand dagegen ankündigt, begrüßt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg die Pläne zur Umgestaltung der Markthalle und zum Umbau des Marstalls.

Gläsern und komplett überdacht: So soll die Freifläche zwischen Markthallen-Eingang und dem geplanten Neubau einmal aussehen. 

„Das Konzept der Wettbewerbssieger überzeugt nicht nur ästhetisch, sondern auch dadurch, dass die verschiedenen Nutzungen zusammengebunden werden – Markt mit Gastronomie und Handel, Event-Location sowie Büro und Gewerbe“, betont Carsten Heustock, der bei der Industrie- und Handelskammer als Teamleiter Standortpolitik und Unternehmensförderung tätig ist.

Die Flächen der Markthalle sollen nach seinen Angaben durch die Glaskonstruktion vergrößert und das räumliche Gesamtpotenzial des Gebäudes nun ausgenutzt werden. „Nur so lässt sich die Investition betriebswirtschaftlich rechnen und die Markthalle langfristig erhalten“, meint Heustock.

IHK ist überzeugt: Der Marstall wird so noch mehr zum Anziehungspunkt

Anders als die Marktbeschicker um Andreas Mannsbart schätzt die Industrie- und Handelskammer auch die neuen Investoren um Antonio Merz und die Sprengwerk-Architekten ein. „Sympathisch ist das Engagement Kasseler Unternehmer für dieses Projekt und die Möglichkeit für Bürger, sich an der den Umbau finanzierenden und ausführenden KG als Kommanditist zu beteiligen. Wir sind sicher, dass der Marstall mit der Markthalle zukünftig noch mehr als heute ein Anziehungspunkt in Kassels Mitte bleiben wird“, betont der Vertreter der IHK.

Kasseler Markthalle mit neuem Konzept: Alles wird neu – Viel Platz für Konzerte

Erstmeldung am 23.11.2019 um 9.43 Uhr - Der Marstall soll künftig das Markttreiben sowie Kultur- und Konzerterlebnisse unter einem Dach vereinen.  Was aus der Markthalle und dem historischen Marstall werden soll, das haben am Freitag die Stadt und die Investoren Antonio Merz (Gut Kragenhof) sowie Michael Majcen und Matthias Tunnemann vom Architekturbüro Sprengwerk in Grundzügen vorgestellt. 

In dem Bieterverfahren habe das Nutzungskonzept von Sprengwerk überzeugt. Es erfülle alle von der Stadt festgelegten Kriterien, betonten Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Auf die Pläne und die handelnden Personen ist in Kassel sehnsüchtig gewartet worden

Marktbeschicker sollen im Obergeschoss konzentriert werden

Das Markttreiben auf zwei Ebenen: Damit soll nach dem Umbau Schluss sein. Das neue Konzept sieht die Konzentration des Marktes im Obergeschoss vor, im Erdgeschoss soll Platz für Kultur und Veranstaltungen sein. 

Das Konzept, über das die Stadtverordneten am 9. Dezember beschließen sollen, sieht die Konzentration des Marktes im jetzigen Obergeschoss (Ebene der Straße „Graben“) sowie die Kultur- und Veranstaltungsräume im jetzigen Untergeschoss (Ebene Marställer Platz/Tränkepforte) vor. Der Markt soll künftig an fünf Tagen in der Woche öffnen (Dienstag bis Samstag). Dies werde den Marktbeschickern zur Bedingung gemacht. 

2020 soll die Marstall GmbH und Co. KG als Investorengesellschaft gegründet werden, kündigte Merz an. Weitere Investoren werden gesucht. Nach der Bauphase von 2021 bis 2023 soll Ende 2024 die Umgestaltung fertig sein. Zu den Kosten wollen Stadt und Investoren noch keine Angaben machen. Die 70 bisherigen Marktbeschicker sollen auch künftig in der Markthalle ihren Platz finden. 

Umbau der Markthalle Kassel: Neubeu und überdachter Innenhof

Geplant ist ein Neubau am Graben, der die vorhandene Baulücke schließen soll. Zwischen dem Neubau und dem Markthallen-Eingang soll die Freifläche mit einem „Glas Hof“ vollständig überdacht werden. Witterungsunabhängig könnten dort Veranstaltungen und besondere Märkte stattfinden. 

Oberbürgermeister Geselle freute sich, für das Projekt heimische Investoren gefunden zu haben. Stadtbaurat Nolda sprach von einem städtebaulich wichtigen Impuls. Man sei zuversichtlich, dass der Investor nun die Gespräche mit Marktbeschickern und Nutzern erfolgreich führen werde.

Umbau der Markthalle Kassel: Kultur soll in den Marstall einziehen

„Der Marstall soll ein Ort der Begegnung, der Kultur und des Einkaufens werden“: So haben am Freitag die Investoren Antonio Merz (Gut Kragenhof) sowie Michael Majcen und Matthias Tunnemann (Architekturbüro Sprengwerk) ihr Konzept für das historische Bauwerk in der Altstadt umschrieben.

Klar ist: Mit der Vorstellung der Pläne fängt die Arbeit nun erst richtig an. Die Marktbeschicker sind darüber informiert worden, die Verhandlungen mit ihnen stehen noch an. Gegründet werden müssen sowohl die geplante Investorengesellschaft (Markthallen GmbH und Co. KG) sowie eine Betreibergesellschaft, die das Markttreiben und die geplanten kulturellen Veranstaltungen organisieren soll.

Markttreiben im Obergeschoss darunter gibt es Kultur

Nur noch oben das Markttreiben, darunter Platz für Kultur und Kreative: So lautet das Prinzip des neuen Konzepts für die Markthalle. Im jetzigen Untergeschoss soll dabei auch ein Veranstaltungs- und Konzertsaal für bis zu 600 Gäste und dazugehörigen Nebenräumen entstehen. Damit werde der Marstall eine Lücke schließen, da es in der Kasseler Kulturszene großen Bedarf für einen Veranstaltungsort mittlerer Größe gebe, sind sich die Investoren mit der Stadt einig.

Umgestaltung der Markthalle soll Ende 2024 abgeschlossen sein

Rund fünf Jahre bleibt ihnen Zeit. Geplant ist, mit dem neuen Konzept Ende 2024 nach Abschluss der Umgestaltung zu starten. Während der Bauphase soll der Markthallenbetrieb fortgesetzt werden, kündigte Antonio Merz an, der Gut Kragenhof und den Stand in der Markthalle bereits seinen Kindern übergeben hat. „Ich bin auch ein Teil der Marktbeschicker. Deshalb wünsche ich mir, dass es in ihrem Sinne gut laufen wird“, betonte Merz.

Markthalle wird auch innen saniert - Mehr Nutzfläche soll entstehen

Wie die Sprengwerk-Architekten erklärten, werden alle Ebenen des Marstalls von innen saniert. Das Gebäude wird künftig deutlich mehr Nutzfläche bieten. Bislang würden von rund 7000 Quadratmetern lediglich 2000 genutzt. Mit dem geplanten Neubau und dem überdachten Glas Hof könne man künftig rund 9000 Quadratmeter Nutzfläche bespielen. Die Leerstände sollen möglichst verschwinden.

Stadtverordneten stimmen am 9. Dezember 2019 über das Konzept ab

Das von der Firma Sprengwerk vorgelegte Nutzungskonzept für Markthalle und Marstall soll am 9. Dezember in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden. Oberbürgermeister Geselle erwartet eine breite Mehrheit dafür. 

Wie berichtet, hatten die Stadtverordneten im März für die Bestellung eines Erbbaurechts an einen Investor auf Grundlage eines Konzeptverfahrens gestimmt. Das Bieterverfahren habe nun mit einem klaren Votum für Sprengwerk geendet.

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Kommentare

So nicht!
(0)(0)

Guten Morgen…
Na bitte, wusste ich es doch.
Heute auf der Titelseite der HNA:
Streit um die Markthalle!
Standbetreiber setzen sich gegen neues Konzept zur Wehr!
Schönes Statement von Herrn Mannsbarth!
Es wird spannend!

Stabilertyp
(1)(0)

Sprengwerk hat doch damals auch das Konzept für die Weinkirche erarbeitet und umgesetzt, welche jetzt leer steht. Da gibt es also schon einen Veranstaltungsraum für 600 Leute, der nicht genutzt wird!? Wozu dann einen neuen bauen?

JogiAntwort
(0)(0)

das was sie da schreiben, ist doch totaler Quatsch.

Kommentare

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