Kuriose Debatte im Umweltausschuss

Der Waschbär soll weg: Kasseler AfD fordert Schutz vor invasiven Arten

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Ungebetene Migranten: Der Waschbär kommt ursprünglich aus Nordamerika.

Ist Kassels Umwelt bedroht? Was eine invasive Art ist, war auf Anfrage von AfD-Repräsentant Sven René Dreyer Thema im Umweltausschuss. Umweltdezernent Christof Nolda klärt auf. 

  • Der Magistrat behandelte ein ungewöhnliches Thema im Kasseler Umweltausschuss.
  • Sven René Dreyer (AfD) wollte wissen, wie sich die Stadt Kassel gegen invasive Tier- und Pflanzenarten wappnet.
  • Auch Äpfel und Birnen seien keine heimischen Pflanzen.

Kassel – Manchem politischen Beobachter hat sich bisher ein gewisser Eindruck aufgedrängt: Alles, was von außen kommt, wird von AfD-Repräsentanten zumindest mal misstrauisch beäugt. Das war nun auch im Kasseler Umweltausschuss zu erleben.

Was ist eine invasive Art? Dreyer (AfD) sorgt sich um die Umwelt in Kassel

Thema diesmal aber: Immigranten ganz anderer Art. Sven René Dreyer, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Kasseler AfD, wollte vom Magistrat wissen, wie sich die Stadt gegen neue und invasive Tier- und Pflanzenarten wappnet. Die Frage muss daher erlaubt sein: Was war denn da los?

Asiatische Hornisse, marmorierte Baumwanze und Eichenprozessionsspinner heißen einige der tierischen Zeitgenossen, auf die es Dreyer und seine Parteigenossen abgesehen haben. Aber auch der possierliche Waschbär und die elegante Nilgans sind ins Visier geraten

Allesamt eine Art – so ließe es sich ausdrücken – Wohlstandsflüchtlinge, die sich hierzulande inzwischen pudelwohl fühlen, dabei aber auch für Ärger und Probleme unter den Einheimischen sorgen. Dabei wurden etliche von ihnen schon eingeschleppt, als der Begriff Schlepperbande noch lange nicht erfunden war.

Kassel: Umwelt-Dezernent Christof Nolda erklärt, was eine invasive Art ist

Während Dreyers Anliegen durchaus ernst gemeint war, konnte es sich Umweltdezernent Christof Nolda (Grüne) im Umweltausschuss nicht verkneifen, dessen Fragen mit einer gewissen Süffisanz zu beantworten. So schlüpfte er dank eines vorbereiteten Papiers aus dem Umweltamt in die Rolle des Biolehrers, der über die Herkunft von Tieren und Pflanzen referierte. 

Dabei holte er weit aus: Er begann bei den sogenannten Archäobiota – kurz gesagt: den Alteingebürgerten. Diese wurden schon vor der Entdeckung Amerikas 1492 in das heutige Deutschland durch menschliches Zutun eingeschleppt. Dazu zählen nicht nur Hausmäuse, Fasane und Klatschmohn, auf die vermutlich mancher verzichten könnte. 

Auch die Äpfel und Birnen seien hier nicht heimisch, sagte Nolda. Sie seien vor 1492 nach Europa eingewandert. Und wer hatte Schuld? Die alten Römer! Ursprünglich kommt des Deutschen liebstes Obst aus dem asiatischen Raum.

Auch die Kartoffel ist eine invasive Art: Umwelt-Ausschuss von Kassel falscher Ansprechpartner

Damit war Noldas Biostunde aber noch nicht beendet: Alles, was nach 1492 rüberschwappte, nenne man Neobiota. Diese neuen Spezies bereichern unsere Speisekarte (Kartoffeln), aber plündern auch unsere Mülleimer (Waschbären).

„In einer globalisierten Welt gibt es eine globalisierte Biologie“, gab Nolda dem Stadtverordneten Dreyer mit auf dem Weg und legte ihm das Buch „Kolumbus’ Erbe“ ans Herz. Zudem empfahl er den Perspektivwechsel: Denn im Übrigen seien im Zuge des Kolonialismus viel mehr Arten aus Europa exportiert als importiert worden. Seitdem sonnen sich auch Ziege und Schwein in der Südsee.

Noldas Impulsreferat hatte Dreyer nicht mehr viel entgegenzusetzen. Sein eigentliches Anliegen, mehr über invasive Arten zu erfahren, die der heimischen Tier- und Pflanzenwelt schaden, war im Umweltausschuss aber ohnehin falsch aufgehoben. Dafür ist das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zuständig.

Von Bastian Ludwig

Auch die Hornissen aus Asien sind bereits in Deutschland aufgetaucht. Die Tieren werden bis zu 3 Zentimeter groß und verhalten sich aggressiv gegenüber der Honigbiene. 

Video: Wie asiatische Hornissen Bienen jagen

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