Mehr als zehn Waldbrände in Hessen 

Wieder viel zu warm und trocken: Brandgefahr wegen fehlender Niederschläge

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Schon jetzt muss zum Gartenschlauch gegriffen werden: Wegen der Trockenheit wässert auch Martina Milani regelmäßig die Pflanzen in ihrem Garten in Bad Wilhelmshöhe, immer dabei ist Labradoodle Lulu. 

Kalendarisch beginnt der Sommer 2019 erst in knapp zwei Monaten, nämlich am 21. Juni. Doch schon jetzt beginnt die nahezu sommerliche Witterung in und um Kassel Probleme zu bereiten.

Mehrere Tage ohne Niederschläge und mit Temperaturen von mehr als 20 Grad – und der Regen lässt wieder auf sich warten. Von der Trockenheit in diesem Frühjahr sind die heimischen Gärten genauso betroffen wie die landwirtschaftlichen Äcker und die Wälder in der Region. Selbst vor zunehmender Waldbrandgefahr wird in diesem April bereits gewarnt.

Das Hauptproblem: Die Natur hat sich noch gar nicht von den Folgen des Jahrhundertsommers 2018 erholen können, da ist es nun schon wieder viel zu warm und viel zu trocken für die Jahreszeit. Besonders deutlich sind die Probleme nach Einschätzung von Experten im Wald erkennbar. Nach dem Sturm Friederike im Januar setzten im vergangenen Endlos-Sommer Dürre und Hitze den Bäumen zu. Damit einher ging die Massenvermehrung des Borkenkäfers, der enorme Schäden verursacht hat, die noch immer aufgearbeitet werden müssen. 

Nach Angaben von Hessen-Forst (Kassel) mussten 2018 allein im Landeswald über zwei Millionen Kubikmeter Fichtenholz geerntet werden, fast dreimal so viel wie in normalen Jahren. Auch für 2019 wird mit einem erheblichen Schadholzanfall gerechnet.

Waldbrände in Hessen 

Mehr als zehn Waldbrände sind dieses Jahr bereits in Hessen gezählt worden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt einen Waldbrandgefahrenindex (WBI) mit fünf Gefahrenstufen heraus – von 1 (sehr geringe Gefahr) bis 5 (sehr hohe Gefahr). Die der Stadt Kassel nächstgelegene DWD-Station ist die in Schauenburg-Elgershausen. Für unsere Region galt demnach bis Mittwoch die mittlere Gefahrenstufe 3. Ab dem heutigen Donnerstag soll auf die Stufe 2 für Kassel und Umgebung zurückgegangen werden, kündigt der DWD an.

Das zu trockene und warme Wetter macht sich auch im Garten bemerkbar. Wer etwa Rasen säen oder düngen will, der muss noch auf die richtige Gelegenheit warten. Derzeit ist der Boden knochenhart. Neuanpflanzungen sind nur durch reichlich Wassereinsatz durchzubringen.

Stadt Kassel: Keine Probleme wegen Trockenheit 

Noch keine Probleme wegen der Trockenheit vermeldet die Stadt Kassel. Wasser werde noch nicht knapp. Und auch die Mitarbeiter des Umwelt- und Gartenamtes, die man beim Wässern am Straßenrand oder in Grünanlagen beobachten könne, seien nur im gewohnten Einsatz unterwegs, berichtet Stadtsprecher Michael Schwab auf Anfrage. „Es werden routinemäßig frisch gepflanzte Bäume und angelegte Blumenbeete gegossen.“ Mit den warmen Tagen über Ostern habe das nichts zu tun gehabt.

Für jene, die auf eine Wetteränderung hoffen, ist ab Freitag Besserung in Sicht. Nach Donnerstag, an dem es wieder bis zu 25 Grad warm werden und trocken bleiben soll, sind zum Wochenende hin vereinzelte Schauer und niedrigere Temperaturen angesagt. Dann sollte es mit dem Regen klappen. 

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Ministerium bittet um erhöhte Vorsicht

Hessens Umweltministerium bittet Besucher im Wald um erhöhte Vorsicht. Außerhalb ausgewiesener Grillstellen darf kein Feuer entfacht werden. Auf Grillplätzen sollte darauf geachtet werden, dass kein Funkenflug entsteht und das Feuer richtig gelöscht wird. Im Wald ist das Rauchen grundsätzlich verboten. Brandgefahr geht auch von Flaschen, Glasscherben und Zigarettenkippen aus. Wer einen Brand bemerkt, sollte sofort die Feuerwehr (Notruf 112) informieren.

Warten auf den großen Regen

Probleme bereitet die Trockenheit vor allem den Forstleuten und Landwirten in der Region. Beide sehnen den Regen herbei, wie unsere Anfragen in den Forstämtern und beim Kreisbauernverband belegen:

Landwirtschaft 

Brennen kann auf den Feldern momentan nicht viel. Trotzdem warnt Erich Schaumburg, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, davor, seine Zigarettenkippe unbedacht beim Spaziergang in Richtung Feld zu schnippen. „Schließlich lagern an manchen Wegrändern noch Stroh und Heu, beziehungsweise ihre Reste.“ Die Trockenheit macht den Landwirten stark zu schaffen: „Wir warten sehnsüchtig auf den Regen.“ Der sei dringend notwendig, denn nach dem letzten – extrem trockenen – Jahr seien die Wasserreserven im Boden stark erschöpft. Und nur mit dem Wasser könnten die Nährstoffe aus dem Boden in die Pflanze gelangen, erklärt Schaumburg. Dass das momentan nicht funktioniert, sehe man auch an der Farbe der Pflanzen: „Statt dem satten Dunkelgrün, was wir uns wünschen würden, sieht es sehr hellgrün aus.“ 

Habichtswald 

„Wir müssen achtsam sein im Wald.“ Für Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen, ist die Lage im Habichtswald und in den Wäldern des Wolfhager Landes ernst. Das trockene Reisig, das nach der Aufarbeitung von Sturm- und Käferholz die Böden in den Revieren bedecke, stelle eine Gefahrenquelle dar. Entspannung bringe die aufgehende Bodenvegetation, die für eine Beschattung der Flächen sorge, meint der auch für Kassel zuständige Forstmann. Die Pflanzen sorgten tagsüber über die Fotosynthese für Feuchtigkeit. Die allerdings könne bestenfalls kompensieren, das Niederschlagsdefizit der vergangenen Wochen könnten sie nicht ausgleichen. Zindel: „Wir brauchen ganz dringend Regen, und zwar so viel, dass er in den Boden eindringt.“

Reinhardswald 

Erst zwölf Liter Regen seien im April pro Quadratmeter im Reinhardswald gefallen, sagt Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen. Normal seien 30 bis 40 Liter. Auch mit dem für die nächsten Tage angekündigten Niederschlag werde die Situation nicht entschärft. „Ein richtiger Landregen über eine ganze Woche wäre toll, der würde die Bodenspeicher richtig sättigen.“ Besondere Gefahr sieht Kahle im „extrem trockenen Laub“, das im vergangenen Jahr von den Bäumen gefallen, aber noch nicht verrottet ist. 

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