Kritik vom Verbraucherschutz 

Uni Kassel: Aufschlag für Barzahler in Mensen und Cafeterien

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So soll künftig in den meisten Fällen bezahlt werden: Das Studierendenwerk Kassel will durch einen Aufschlag für Barzahler erreichen, dass mehr Mensabesucher mit der Campuscard oder Gästekarte zahlen.

Wer bar zahlt, muss in den Mensen und Cafeterien der Universität Kassel künftig etwas tiefer in die Tasche greifen. Pro Zahlvorgang verlangt das Studierendenwerk Kassel ab dem 6. April einen Barzahlungsaufschlag von zehn Cent.

  • In den Mensen und Cafeterien der Uni Kassel zahlen Barzahler bald mehr
  • Das Studierendenwerk argumentiert mit hohen Kosten für die Bargeldverwaltung
  • Von der Verbraucherzentrale Kassel hagelt es Kritik

Kassel - Nur wer die Campuscard oder eine Gästekarte benutzt, die zuvor an Automaten mit Geldscheinen aufgeladen werden müssen, zahlt den Normalpreis. Während das Studierendenwerk mit den hohen Kosten für die Bargeldverwaltung argumentiert, kommt von der Verbraucherzentrale Kritik.

Mit der Abwicklung des Bargeldverkehrs seien für das Studierendenwerk ein hoher personeller Aufwand und Kosten verbunden. „Allein 2019 wurden von unseren Mitarbeitern fünf Tonnen Münzen bewegt“, rechnet eine Sprecherin vor. Das Geld in den 30 Mensa- und Cafeteriakassen müsse täglich gezählt und von Sicherheitsfirmen zu den Banken transportiert werden. Hinzu komme der Aufwand für das Vorhalten des Wechselgeldes.

Universität Kasse: Barzahler zahlen in Mensa und Cafeteria bald mehr - Studierendenwerk rechtfertigt sich

Das Studierendenwerk verbuchte in seinen gastronomischen Einrichtungen 2019 einen Umsatz von 6,3 Millionen Euro. 75 Prozent davon entfielen auf Barzahlungen.

Der eine oder andere Mensabesucher werde sich über den Aufschlag sicherlich beschweren, glaubt Christina Walz, Geschäftsführerin des Studierendenwerks. Vor dem Hintergrund des hohen Aufwands für das Zählen der Kassenbestände und die jährlich fünfstelligen Kosten für die Geldtransporte gebe es keine Alternative. Ziel sei es, den Anteil der Zahler mit der Campus- und Gästekarte zu erhöhen. Dies sorge auch für kürzere Kassenschlangen.

Uni Kassel: Aufschlag bei Barzahlung in Mensa und Cafeteria - Verbraucherzentrale äußert Kritik

Das Kasseler Studierendenwerk ist mit seiner Entscheidung kein Einzelfall. Auch an anderen Universitäten – etwa in Darmstadt – gibt es vergleichbare Aufschläge.

Die Verbraucherzentrale Kassel kritisiert die Entscheidung des Studierendenwerks. „Wo soll das hinführen, wenn das Bezahlen mit Bargeld gebührenpflichtig wird“, sagt Eva Raabe von der Verbraucherzentrale Hessen. Sie hält dies für eine „rechtliche Grauzone“. Nach Auskunft des Einzelhandelsverbandes Hessen-Nord gibt es für den Handel keine derartigen Pläne. 

Die 25 000 Studenten und mehr als 3000 Beschäftigen haben bereits die Campuskarte, die sie etwa auch für die Bibliothek und als Fahrkarte nutzen. Mensa-Gäste können sich eine Gästekarte an einem der 14 Automaten in den Mensen kaufen. Sie kostet fünf Euro, zwei Euro davon sind Guthaben. 1,2 Millionen Essen wurden im vergangenen Jahr in den Kasseler Mensen ausgegeben. Hinzu kommen Hundertausende weitere Zahlvorgänge in den Cafeterien.

Kassel: Aufschlag für Barzahler in Uni-Mensa - "Dürfen Bargeld nicht verteufeln"

Christina Walz weiß, auf was sie sich eingelassen hat: „Die Deutschen hängen an ihrem Bargeld“, sagt die Geschäftsführerin des Studierendenwerks Kassel. Insofern rechnet sie damit, dass es wegen des geplanten Barzahlungsaufschlags in den Mensen und Cafeterien der Universität Kassel auch zu einigen Beschwerden kommen wird – auch wenn es jeweils nur um zehn Cent geht.

Doch die ab 6. April fällige Gebühr sei vermutlich nicht der einzige Anlass für Unmut. Es gebe Menschen, denen sei die Bezahlung mit Karten aus Datenschutzgründen per se suspekt. „Es wird befürchtet, dass wir die Daten auf den Karten in irgendeiner Weise auswerten. Dies tun wir nicht. Wir können nicht einmal sehen, welche Identitäten hinter den Bezahlvorgängen stehen“, versichert Walz.

Uni Kassel: Aufschlag bei Barzahlung in Mensa und Cafeteria - Bonusaktion

Um die Kosten für die Abwicklung des Bargeldverkehrs zu reduzieren, hatte das Studierendenwerk zunächst versucht, den Anteil der Kartenzahler durch eine Bonusaktion zu erhöhen. Wer 30 Mal mit der zuvor aufgeladenen Campuscard oder Gästekarte bezahlt, erhält eine Gutschrift von fünf Euro. Durch derartige Aktionen war der Anteil der Kartenzahler an einigen Kasseler Mensa-Standorten auf über 30 Prozent gestiegen.

Weil die Karten ebenfalls zuvor mit Bargeld aufgeladen werden müssen, fällt der Bargeldverkehr für das Studierendenwerk nicht völlig weg. Weil die Automaten allerdings nur Scheine akzeptierten, sei der Aufwand deutlich geringer, so das Studierendenwerk. Auch müsse nicht mehr so viel Wechselgeld vorgehalten werden. 2019 seien dies allein 25 000 Münzrollen gewesen, so eine Sprecherin.

Uni Kassel: Bargeldzahlung in Mensa und Cafeteria - „Man muss mit Bargeld kostenfrei zahlen können“

Eva Raabe von der Verbraucherzentrale Hessen sieht durchaus, dass mit der Bargeldzahlung Kosten verbunden sind. Allerdings sei dies kein Grund, dafür eine Gebühr zu erheben.

„Man muss mit Bargeld kostenfrei zahlen können“, so Raabe. Die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale verweist auf einen Fall aus dem Handel aus 2017. Damals hatte ein Stuttgarter Elektrohändler eine Barzahlungsgebühr von 25 Euro verlangt. Er wurde von der Verbraucherzentrale abgemahnt. Als man schließe Klage gegen den Händler erhob, unterschrieb dieser eine Unterlassungserklärung.

Patrick Peckmann vom Einzelhandelsverband Hessen-Nord kennt ähnliche Fälle aus der Region nicht. „Kein Händler würde auf die Idee kommen, EC-Karten-Kunden zu bevorzugen. Die Deutschen lieben ihr Bargeld. Wir dürfen das Bargeld nicht verteufeln“, sagt der Anwalt. Eine juristische Überprüfung eines Barzahlungszuschlags fände er interessant.

Von Bastian Ludwig

Eine andere Nachricht erfreut dagegen an der Uni Kassel: Die deutsche Erfolgsregisseurin Doris Dörrie übernimmt die Grimm-Poetikprofessur 2020 der Universität Kassel.

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