Analyse: Die Kasseler Union hat viele Probleme

Kassel. Die Kasseler CDU hat den Nachwuchs verloren, und ihr läuft auch die „Generation 40 plus“ weg. Das Tischtuch zwischen Junger Union und Mutterpartei ist lange zerschnitten, und der Exodus der ambitionierten Frauen und Männer in der Rathausfraktion hält an.

War Fraktionsvize: Dr. Maik Behschad

Der vorerst letzte in der Reihe ist Fraktionsvize Dr. Maik Behschad. Er wollte Bundestagskandidat werden, war vor dem Kreisvorstand aber dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Norbert Wett mit sieben zu elf Stimmen unterlegen. 2011 hatte auch Michael Bathon, Partei- und Fraktionsvize, das Handtuch geworfen.

Austritt: Nicola Mütterthies

Martin Engels, ebenfalls mal Parteivize, sitzt seit der verlorenen Kommunalwahl 2011 im Magistrat und spielt politisch keine wahrnehmbare Rolle mehr. Donald Strube und Lutz Schmidt haben die Partei verlassen, die Rücktritte von Nicola Mütterthies und Corina Flashar liegen länger zurück.

Der Fraktionsvorsitzende: Dr. Norbert Wett

Es ist aber noch nicht lange her, da hatte die CDU zwei Dezernenten im Rathaus: Norbert Witte (Stadtbaurat) und Thomas-Erik Junge (Bürgermeister). Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) hatte der Union angeboten, zumindest einen Posten zu behalten, um sie einzubinden. CDU-Chefin Eva Kühne-Hörmann hat das abgelehnt, die Union sollte frei von Fesseln sein - jetzt ist sie frei von wichtigen Informationen aus dem Rathaus.

War Fraktionsvize: Michael Bathon

Die CDU ist aber nicht in der Lage, Kapital aus der Oppositionsrolle zu schlagen. Sie agiert zwar mit Anträgen in Sitzungen, bleibt in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch ideenlos. Das Thema Erhalt der Freibäder beispielsweise hätte die Union in den bürgerlichen Stadtteilen Bad Wilhelmshöhe und Harleshausen gut spielen können. Wie man so etwas politisch-populistisch macht, zeigt die Linke. Auf deren Unterschriftenlisten tragen sich CDU-Mitglieder ein. „Wir sind viel zu vernünftig, um Opposition zu machen“, sagt ein Fraktionsmitglied.

War Parteivize, sitzt nun im Magistrat: Martin Engels

Die CDU war 2011 auch nicht in der Lage, Wahlkampf zu machen - sie ist nur noch drittstärkste Kraft im Rathaus. Trägt allein Eva Kühne-Hörmann die Schuld daran? Einige der Zurückgetretenen haben die Ministerin und deren Führungsstil kritisiert. Aber gegen die von Kühne-Hörmann forcierte Kandidatur des unbekannten Ernst Wegener für das OB-Amt beispielsweise hat sich niemand gewehrt - die Folge war eine desaströse Wahlniederlage. Und wer kritisiert, dass der CDU Köpfe fehlen, hätte die Chance gehabt, sich in den politischen Diskussionen hervorzutun - die Union hat dafür inhaltlich viel Platz gelassen.

Austritt: Donald Strube

Zur Wahrheit gehört, dass die Vorsitzende viel Macht bei sich konzentriert, aber auch, dass intelligenten und engagierten Fraktionsmitgliedern der politische Instinkt oder die Kraft fehlte, Themen zu setzen. Die Erfahrung zeigt, dass Rücktritte an der Ausrichtung der CDU nichts geändert haben. Wer etwas bewirken will, muss sich durchsetzen. Aber wer hat das Zeug dazu?

Austritt: Lutz Schmidt

Bei einem Parteitag im November entscheidet sich, ob Norbert Wett 2013 für den Bundestag kandidieren darf: Die Landkreis-CDU hat Birgit Kaiser-Wirz als seine Gegenkandidatin aufgestellt.

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