Juristen haben sich eingelebt

Neues Fachjustizzentrum in Kassel offiziell eröffnet - hier gibt es eine ganz besondere Toilette

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In dem 95 Quadratmeter großen historischen Saal trafen sich letztens alle hessischen Gerichtspräsidenten.

Das neue Fachgerichtszentrum in Kassel wurde jetzt offiziell eröffnet. Wir haben uns dort mal umgesehen und eine Besonderheit entdeckt.

Es riecht noch nach Bohnerwachs. Der Geruch passt aber irgendwie zu dem historischen Saal mit einer Grundfläche von 95 Quadratmeter. Das kostbare Parkett glänzt in dem prachtvollen Raum. 

Es handelt sich um das Herzstück des Fachgerichtszentrums Goethestraße, das Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann mit einer kleinen Feier für die 116 Bediensteten am Mittwochvormittag nun auch ganz offiziell eröffnet hat.

Treffen aller hessischen Gerichtspräsidenten in neuem Saal

Die Mitarbeiter des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH), des Verwaltungsgerichts Kassel (VG) und des Sozialgerichts (SG), die hier schon seit geraumer Zeit unter einem Dach arbeiten, nutzen den großen Saal im ersten Stock zum Beispiel für Personalversammlungen. Kürzlich haben sich hier auch alle Gerichtspräsidenten aus Hessen getroffen.

Tag der offenen Tür am 22. Oktober

Justizministerin Kühne-Hörmann will den historischen Saal aber auch für den Stadtteil öffnen. Hier könnten zum Beispiel auch mal Ortsbeiratssitzungen stattfinden. Für den 22. Oktober laden die drei Gerichte in das neue Fachjustizzentrum, das das Land für rund 20 Millionen Euro von 2016 bis 2019 saniert hat, zu einem Tag der offenen Tür ein.

Drei Mediationsräume und fünf Sitzungssäle

Dann können die Menschen zum Beispiel einen Blick in die fünf modernen Sitzungssäle, die im Erdgeschoss der einstigen Königlichen Oberzolldirektion (1911 bis 1914 erbaut) entstanden sind, und die drei Mediationsräume werfen. Eine Besonderheit: Zwei Gerichtssäle lassen sich für Verhandlungen mit großem Zuschauerinteresse zu einem großen Saal umwandeln.

Sanierung unter Denkmalschutz erfolgt

Offizielle Schlüsselübergabe mit (von links) Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien, Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, VGH-Präsident Dirk Schönstädt, VG-Vizepräsident Mathias Metzner und Vasco Knickrehm, Direktor des SG.

Die Sanierung des Gebäudes mit 10.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche sei unter besonderer Beachtung der Vorschriften des Denkmalschutzes erfolgt, so Kühne-Hörmann. Gleichzeitig sei es aber wichtig gewesen, neue Technik und die fachspezifischen Anforderungen der Justiz beim Umbau zu berücksichtigen.

VGH-Präsident Dirk Schönstädt, einer der drei Hausherren, sagte, dass der neue Arbeitsplatz bei den Mitarbeitern sehr gut ankomme. „Wir haben durchweg positive Resonanz.“ Einziger Wermutstropfen sei, dass nicht das komplette Verwaltungsgericht an die Goethestraße habe ziehen können – aus Platzmangel. Ein Teil der VG-Mitarbeiter befindet sich derzeit noch im alten VGH am Brüder-Grimm-Platz. Sie sollen Ende 2019/Anfang 2020 in neue Räumlichkeiten in die Heerstraße (neben dem Arbeitsgericht) ziehen.

Erste Unisex-Toilette in einem deutschen Gericht

Das sanierte Gericht bietet nicht nur schöne Räume und moderne Technik, sondern auch die erste Unisex-Toilette in einem deutschen Gericht, wie Kühne-Hörmann versichert. Diese Toilette, die für alle Menschen gedacht ist, befindet sich im dritten Stock, wo die Mitarbeiter des Sozialgerichts ihre Büros haben.

Man habe sich für die Unisex-Toilette entschieden, um ein Stück Toleranz und Öffnung gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen zu zeigen, so Vasco Knickrehm, Direktor des SG. Diese Toiletten, bei denen es ganz normale Klokabinen und Pissoirs in einem geschlossenen Raum mit Schwingtür gibt, bleiben der Öffentlichkeit aber vorenthalten. Sie befinden sich nämlich im nicht-öffentlichen Teil des Gerichts, wo nur Personal Zugang hat.

Besucher müssen Sicherheitsschleuse passieren

Der öffentliche Teil befindet sich im Erdgeschoss, Besucher müssen zuvor eine Sicherheitsschleuse durchqueren. Zwar gibt es hier keine Kantine, aber immerhin wird den Prozessbeteiligten ein Warteraum mit Erfrischungen und Sitzgelegenheiten geboten, so Mathias Metzner, Vizepräsident des VG. Wer das alte VG-Gebäude an der Tischbeinstraße kenne, sehe eine deutliche Verbesserung für die Beteiligten.

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