Tourismus-Profis besuchten Kassel: "Die Stadt ist unterbewertet“

Werben für Kassels Image in der Reisebranche: Klaus Spohr (2. von rechts) vom Reisebüro Wimke hatte Berufskollegen aus vielen Städten Deutschlands eingeladen, sich ein Bild von der Stadt zu machen. Zum Besuchsprogramm am Samstag gehörte auch eine Schiffsfahrt auf der Fulda mit dem Fahrgastschiff „Hessen“. Foto:  Schwarz

Kassel. Trotz der documenta ist Kassel im Bewusstsein mancher Deutscher noch ein weißer Fleck, viele Attraktionen sind nicht bekannt. Ein Kasseler Reisebüro wollte daran jetzt etwas ändern: Es lud Reiseverkehrskaufleute ein, sich ein eigenes Bild zu machen. Natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken.

„Von außen betrachtet, ist Kassel einfach unterbewertet“, sagt Stephanie Beyer nach einer mehrstündigen Stadtrundfahrt samt Abstecher in den Bergpark. Auch Matthias Bredau, zum ersten Mal hier, ist „positiv überrascht, was diese Stadt alles zu bieten hat“. Ähnlich sehen es die anderen Mitglieder einer 13-köpfigen Gruppe, die am Samstag das documenta-belebte Kassel erkundete – nicht direkt in beruflicher Mission, doch stets mit dem fachlichen Blick.

Alle sind Reiseverkehrskaufleute aus vielen Städten Deutschlands und somit Profis, was die Reize einer Stadt angeht. Klaus Spohr, Chef des Reisebüros Wimke, hatte die Kollegen im Februar bei einer beruflichen Veranstaltung kennengelernt und dabei „in vielen Gesprächen festgestellt, wie wenig Kassel allgemein im Bewusstsein ist“. Daraufhin lud er alle ein, sich selbst ein Bild von der Nordhessenmetropole zu machen – wozu am Samstag auch eine Schifffahrt auf der Fulda und natürlich documenta-Impressionen gehörten. „Die sitzen alle selbst am Verkaufsschalter“, beschreibt Spohr seinen Hintergedanken: Wer persönlich erlebt habe, was es in Kassel alles zu entdecken gibt, werde sich daran erinnern, wenn Kunden nach einem lohnenden Städtereiseziel fragen.

Die Teilnehmer bestätigten die Einschätzung, dass Kassel im Bewusstsein vieler Reiseprofis noch ein weißer Fleck ist. Sylvia Deckert aus Gießen erinnert sich, allenfalls vereinzelt eine Gruppentour zum Kasseler Märchen-Weihnachtsmarkt verkauft zu haben. Und auch mal Hotel-Arrangements in Verbindung mit dem Bergpark – in beiden Fällen aber „weil Kunden ausdrücklich danach gefragt haben“.

Eine Frage der Vermarktung

Matthias Bredau arbeitet in Hannover und erzählt, von dort würden Städtetouren überwiegend in den norddeutschen Bereich gebucht. „Dabei ist Kassel ja ganz schnell mit dem ICE zu erreichen.“ Bredau findet es verwunderlich, dass von fast 50 Hotels in Kassel „allenfalls fünf“ in den Angeboten großer Veranstalter wie Neckermann oder Ameropa gelistet seien. „Das ist sicher auch eine Frage, wie sich Kassel dort vermarktet“, meint er.

Seine Kollegin Stephanie Beyer findet es „beeindruckend“, was sie zuvor von Stadtführerin Irmgard Heusener über Kassels wechselvolle Geschichte erfahren hat. Zugleich äußert sie denselben Eindruck, den auch die meisten anderen in der Besucherrunde haben: „Ich glaube, man hat Kassel als Städtereiseziel nicht unbedingt auf dem Schirm.“ Einige erzählen, bisher noch nicht mit touristischen Werbeaussagen über die Fuldastadt in Berührung gekommen zu sein.

Abhilfe sei gar nicht so einfach zu schaffen, meint Melanie Renne: „Kassel ist von der Größe her schwierig. Bei unter 200 000 Einwohnern muss man eigentlich eine historische Innenstadt bieten.“

Von Axel Schwarz

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