Kasseler Wasser im Hessenvergleich teuer

2020 wird Wasser in Kassel und Vellmar teurer: Mit diesen Mehrkosten muss man rechnen

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Der Kubikmeter wird sogar günstiger: Während die Verbrauchsgebühr für Trinkwasser sogar sinkt, steigen die Grundgebühren für die Wasserversorgung deutlich. 

Kasselwasser stellt das Gebührensystem um: Trinkwasser wird zum 1. Januar 2020 für alle Haushalte in Kassel und Vellmar teurer.

Mit dem neuen Gebührensystem, das Kasselwasser einführt, steigen die Grundgebühren, die unabhängig vom Verbrauch sind. Bewohner von Ein- und Zweifamilienhäusern werden besonders belastet. Eine vierköpfige Familie im Einfamilienhaus muss mit jährlichen Mehrkosten von 70 bis 90 Euro rechnen. 

Zum Januar 2019 war bereits die Abwassergebühr um 18 Prozent auf 2,86 Euro pro Kubikmeter angehoben worden. Nun sollen in einem zweiten Schritt die Gebühren für Trinkwasser steigen. Die Stadt will durch die Erhöhungen jährlich zusätzlich 11,5 Millionen Euro einnehmen.

Neue Trinkwassergebühr besteht aus drei Komponenten: Verbrauch, Zähler und Bereitstellung

Begründet wird dies mit den hohen Unterhaltungskosten für das Wassernetz und den steigenden Ausgaben für die Aufbereitung des Abwassers. Die neue Trinkwassergebühr besteht nicht mehr nur aus zwei, sondern aus drei Komponenten: Die Verbrauchsgebühr von aktuell 2,14 Euro pro Kubikmeter (inklusive ermäßigtem Steuersatz von sieben Prozent) sinkt sogar auf 1,98 Euro. 

Dafür gibt es künftig eine Zählergebühr von knapp 30 Euro im Jahr (bisher gut 20 Euro) und eine neue jährliche Bereitstellungsgebühr, die je nach Anzahl der Wohnungen in einem Haus zwischen 58 Euro und 96 Euro pro Wohneinheit liegt. 

Einfamilienhäuser werden am höchsten durch die neue Gebührenstruktur belastet

Wobei für Einfamilienhäuser mit 96 Euro die höchste Bereitstellungsgebühr fällig wird. So ergeben sich für eine vierköpfige Familie im Einfamilienhaus mit einem Durchschnittsverbrauch von 160 Kubikmetern Wasser Mehrkosten von fast 80 Euro im Jahr. Auch Bewohner von Zwei- und Mehrfamilienhäusern zahlen mehr, wenn auch nicht in dem Maße. 

Neue Gebührenbescheide werden ab Januar 2020 verschickt

Die neuen Gebührenbescheide werden nach Auskunft der Stadt erst Anfang 2020 versandt. Nach wie vor hat die Stadt in die Gebühren ihres Eigenbetriebes die umstrittene Konzessionsabgabe von 15 Prozent eingerechnet. Dies hatte der Verwaltungsgerichtshof (VGH) vor einem Jahr als rechtswidrig erachtet und eine Revision nicht zugelassen. 

Dagegen hatte die Stadt Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingelegt. Eine Entscheidung darüber steht noch aus. Sollte dieses eine Revision ablehnen, können die Haushalte eine rückwirkende Erstattung erwarten. Allerdings erst ab Juni 2017. Denn erst seit der erstinstanzlichen Entscheidung des Verwaltungsgerichts werden die Gebührenbescheide unter Vorbehalt erlassen.

Kasseler Wasser ist im Hessenvergleich teuer

Mit 2,14 Euro und künftig 1,98 Euro pro Kubikmeter ist das Kasseler Wasser im Landesvergleich relativ teuer. Darmstadt verlangt 1,64 Euro pro Kubikmeter, Frankfurt 1,92 Euro, Offenbach 1,96 Euro, Marburg 1,93 Euro. Nur in Wiesbaden ist es mit 2,62 Euro teurer. Für einen ehrlichen Vergleich müssen auch die Grundgebühren eingerechnet werden: Darmstadt 72 Euro, Frankfurt 40 Euro, Offenbach 47 Euro, Marburg 53 Euro, Wiesbaden 26 Euro, Kassel 88 bis 126 Euro.

70.000 Kunden betroffen: So teuer wird das Wasser in Kassel und Vellmar

Nachdem im Januar bereits die Abwassergebühr gestiegen war, erhöht Kasselwasser zum kommenden Jahreswechsel die Trinkwassergebühren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Mit welcher Mehrbelastung müssen die Bürger rechnen?

Betroffen sind die 70.000 Kunden von Kasselwasser in Kassel und Vellmar. Wie stark die Trinkwassergebühr für den Einzelnen steigt, hängt von seinen Wohnverhältnissen ab.

So richtet sich die verbrauchsunabhängige Bereitstellungsgebühr, die neu eingeführt wird, nach der Anzahl der Wohnungen in einem Haus: Für ein Einfamilienhaus beträgt sie 96 Euro, für Zweifamilienhäuser 75 Euro pro Wohnung, für Dreifamilienhäuser 68 Euro. Bei zehn Wohnungen und mehr sind es pro Einheit etwa 58 Euro.

Welche Kosten kommen noch hinzu?

Zudem gibt es weiterhin eine Zählergebühr. Sie richtet sich nach der Querschnittsgröße des Hausanschlusses und liegt nach Auskunft der Stadt in 95 Prozent aller Fälle bei etwa 30 Euro im Jahr. Bislang lag der Preis bei 20 Euro. Außerdem ist natürlich die Verbrauchsgebühr pro Kubikmeter (1000 Liter) Wasser zu entrichten. Diese wird von 2,14 Euro auf 1,98 Euro gesenkt. Ein Vier-Personen-Haushalt mit 160 Kubikmeter Wasserverbrauch im Jahr zahlte hierfür bislang 340 Euro, künftig sind es 317 Euro. Durch die deutlich höheren Grundgebühren liegt die Gesamtsumme insgesamt aber deutlich höher – bei über 400 Euro in diesem Beispiel.

Warum erhöht Kasselwasser die Gebühren?

Die Stadt Kassel begründet dies mit mehreren Umständen. Zum einen sei das Versorgungsnetz sehr groß und die Topografie anspruchsvoll. Auch Trümmerschutt und Blindgänger erschwerten Bauarbeiten im Netz.

Warum führt die Stadt die neuen Grundgebühren überhaupt ein?

Damit will die Stadt dem Umstand Rechnung tragen, dass allein schon die Unterhaltung des Wassernetzes – unabhängig vom Verbrauch – einen Großteil der Kosten verursacht. Insofern sei es gerecht, dass Bewohner von Mehrfamilienhäusern eine geringere Bereitstellungsgebühr zahlen als Einfamilienhausbesitzer. Denn der Aufwand für die Unterhaltung der Leitungen bis zur Grundstücksgrenze sei ähnlich: Egal ob dort ein großes Mietshaus stehe oder nur ein Einfamilienhaus. Zudem sei die Gebührenstaffelung sozial.

Wie weit ist der Rechtsstreit um die strittige Konzessionsabgabe, die in die Trinkwassergebühr eingerechnet ist?

Nachdem der Verwaltungsgerichtshof in Kassel (VGH) in höchster Instanz im Dezember 2018 entschieden hatte, dass die Einberechnung der 15-prozentigen Konzessionsabgabe rechtswidrig ist, hatte die Stadt das Urteil nicht akzeptieren wollen. Sie legte Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein, weil der VGH eine Revision nicht zugelassen hatte. 

Solange es vom Bundesverwaltungsgericht keine Entscheidung gibt, sollen die 15-prozentigen Konzessionsabgaben weiter Bestandteil der Gebühren bleiben, so die Stadt. Bei einer juristischen Niederlage müssten sie herausgerechnet werden, was die Gebühr reduzieren würde.

Ist in dem Fall mit einer Erstattung der zu viel gezahlten Konzessionsabgabe zu rechnen?

Sollte die Stadt juristisch unterliegen, können die Haushalte mit einer Erstattung rechnen. Allerdings erst ab dem Zeitpunkt Juni 2017. Damals hatte das Verwaltungsgericht Kassel in erster Instanz entschieden, dass die Konzessionsabgabe nicht in die Gebühren eingerechnet werden darf.

In der Folge hatte die Stadt ihre Gebührenbescheide unter Vorbehalt erstellt. Alles was in der Zeit davor in Rechnung gestellt und bezahlt wurde, gilt als vom Gebührenzahler akzeptiert und ist rechtlich nicht mehr angreifbar. Bei der Erstattung geht es um 30 bis 40 Euro pro Haushalt und Jahr. Für die Stadt summiert sich das in Millionenhöhe. Sie hat dafür Rücklagen gebildet.

Wann wäre denn mit einer Erstattung zu rechnen?

Wann das Geld ausgezahlt würde, ist unklar. Denn Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) hatte nach dem VGH-Urteil angekündigt, bei einer Bestätigung des Urteils durch das Bundesverwaltungsgericht notfalls Verfassungsbeschwerde einlegen zu wollen. Wasserversorgung müsse auskömmlich bewirtschaftet werden können.

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Kommentare

BolleAntwort
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Ich weise Sie und Mastermind stets auf ihre Lügen MIR GEGENÜBER hin!

Somit schon wieder eine Lüge ihrerseits. Tut mir leid, aber Sie sind offenbar ein Lügner. Bei der Fülle kann man nicht mehr von Versehen ausgehen. Ich würde mich tot schämen...

Und wo sind mir Lügen denn völlig gleich? Jetzt bin ich aber gespannt...

Inuxina
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Mir kommen die Tränen. (Ironie) GOTT sei Dank werde ich es nicht mehr erleben, daß mit einem Liter Wasser erst die Wäsche gewaschen wird und dann, damit, die Kinder. Am Ende noch die Treppe gewischt. Das Geschirr, aus hygienischen Gründen als WC Spühlung genutzt. (Das hatten wir schon Mal. Ich habe das Alter und es erlebt). Dank der Politiker und Vorstandsvorsitzenden der Werke, welche große Tränen weinen; weil es dem Volk so schlecht geht: bei Kaviar und Urlaub auf Sylt. Das Leben wird immer teurer. Auch für Politiker & Co. Aber man hat ja treue - oder teure - Wähler. (und ich bin nicht AfD)

Joshua CalvertAntwort
(1)(0)

Wie konnte man in den letzten Jahrzehnten ohne documenta-Institut eine documenta veranstalten?

Kommentare

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