Vermieter wird von anderen Hauseigentümern kritisiert

Ärger wegen Hartz-IV-Mietern

Er will auch weiterhin an Hartz-IV-Empfänger vermieten: Hubertus Preis hat 85 Wohnungen in Kassel, die er trotz Ärger mit anderen Hauseigentümern Arbeitslosen zur Verfügung stellt. Foto: Ludwig

Kassel. Arbeitslose sehen sich häufig Vorbehalten ausgesetzt – auch bei der Wohnungssuche. Auf dem angespannten Kasseler Wohnungsmarkt ist es für Hartz-IV-Bezieher besonders schwer, kleine Wohnungen zu finden.

Dies bestätigt auch Jan Rümenap, stellvertretender Leiter des Kasseler Jobcenters. Dessen Mitarbeiter sind froh über Vermieter wie Hubertus Preis, der seine 85 Kasseler Wohnungen auch an Arbeitslose vermietet. Doch Preis steht deshalb oft in der Kritik.

Erst jüngst hatten ihn die Miteigentümer eines großen Mietshauses an der Mombachstraße aufgefordert, nicht mehr an „Problem-Mieter“ zu vermieten. Preis räumt ein, dass es mit dem ein oder anderen Hartz-IV-Empfänger mal Probleme gab: So habe er mal an eine Frau vermietet, die Drogen in ihrer Wohnung verkaufte und nebenbei der Prostitution nachging. Aber zum Großteil seien es „ordentliche und vernünftige Menschen, die Unterstützung benötigen, um wieder in die Gesellschaft zurück zu finden.“

Ein paar Euro mehr Miete

Preis erhält für die Vermietung seiner Appartements an Hartz-IV-Empfänger etwas mehr Geld vom Jobcenter, als wenn er sie beispielsweise an Studenten vermieten würde. Doch nur wegen des Geldes sei dies für Vermieter nicht attraktiv. „Unter dem Strich bleibt von den zusätzlichen etwa 40 Euro pro Monat kaum etwas über“, sagt Preis. Er habe einen größeren Aufwand, sei häufig mit Mietern beim Jobcenter um Details zu klären und sitze manchen Tag Stunden am Telefon.

Aus Sicht von Jan Rümenap vom Jobcenter ist es für Vermieter kein größeres Risiko, an Hartz-IV-Empfänger zu vermieten. Es bestehe die Möglichkeit, dass das Jobcenter die Miete direkt an den Vermieter zahle. Vorbehalte gegenüber Arbeitslosen gebe es, aber sie träfen in den allermeisten Fällen nicht zu. „Es ist nicht anders, als wenn sie an Berufstätige vermieten: Der eine verhält sich ruhig, der andere macht Tag und Nacht Party.“

In den Kopf seiner Mieter könne er nicht schauen, sagt Vermieter Preis. Auch wenn sein Vertrauen manchmal missbraucht werde, wolle er seine Wohnungen weiter für Arbeitslose bereitstellen.

Mieter rastet aus

Derzeit hat Hubertus Preis allerdings Ärger mit einem seiner Mieter, der seit vier Monaten keine Miete gezahlt hat. Weil ihm der Mann nicht die Tür öffnen wollte, hat er ihm die Kündigung in dem Mietshaus an der Mombachstraße eingeworfen. Um sich juristisch abzusichern, filmte er den Einwurf mit einer Kamera.

Noch während die HNA im Gespräch mit Preis war, stürmte der Mieter – ein muskulöser Kerl – aus dem Haus heraus und ging seinen Vermieter an. „Ich mach dich weg. Ich weiß, wo du wohnst“, sagte er zu Preis und machte eine Geste, die bedeuten sollte, dass er ihm den Hals abschneiden werde. Als der Vermieter ihm mitteilte, dass er ihm gerade die Kündigung eingeworfen habe, wurde er noch aggressiver. Preis zeigte aber keine Angst und so zog der Mieter wieder ab.

Trotz solcher Vorfälle will Hubertus Preis an seiner Vermietungspraxis nichts ändern. „Warum auch?“, fragt er. Denn der Mann, der ihn bedroht hatte, ist gar kein Hartz-IV-Empfänger. Er passt nicht ins Klischee, denn er geht seit einigen Monaten einer Arbeit nach: als Türsteher.

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