31-Jähriger vor Gericht

Versicherungsmakler soll Provisionen erschwindelt haben

Kassel. Ein Hauch vom Mehmet Göker wehte durch den kleinen Saal E 121 des Amtsgerichtes, wo sich ein 31-jähriger Versicherungsmakler aus Kassel wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung verantworten muss.

Doch anders als beim in die Türkei geflohenen ehemaligen MEG-Chef geht es hier nicht um Millionen, sondern um deutlich kleinere Beträge: 70 000 Euro, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, soll sich der Angeklagte im Jahr 2008 durch insgesamt 18 fingierte Kranken- und Pflegeversicherungen erschwindelt haben.

Seriöses Auftreten

Vor Gericht bestritt der gepflegt und seriös auftretende Mann jedes kriminelle Handeln: „Ich weiß, dass ich es nicht war“, antwortete er auf die Vorwürfe der Staatsanwältin. Sie hatte ihm „wiederholte Betrügereien“ vorgeworfen, die ihm ein dauerhaftes Einkommen sichern sollten.

Die Aussagen der Zeugen - 22 sind zu der Verhandlung geladen - bezeichnete der Versicherungsmakler als falsch und als Lügen. Einige Personen habe er noch nie im Leben gesehen.

Der Vorwurf an ihn lautet, er habe die Versicherungsverträge mit den Personalien Dritter ausgefüllt und unterschrieben. Dabei hätte die vorgeblichen Versicherungsnehmer - häufig Mitarbeiter seines Unternehmens - nichts von dem Handeln des Angeklagten gewusst. Ähnlich wie bei Göker berichtete auch der Angeklagte von „Datensätzen“ mit Name und Anschrift möglicher Versicherungsnehmer. Für die Kundensuche sei jeder Vermittler selbst verantwortlich, er habe keinen Grund gehabt, an der Ehrlichkeit seiner Mitarbeiter zu zweifeln, deren Verträge er dann auch teilweise selbst unterschrieben hatte.

Ertragreiches Geschäft

Das Vermitteln von Versicherungen scheint nach wie vor ein extrem ertragreiches Geschäft zu sein: Die Versicherungsunternehmen bezahlten offenbar Provisionen von bis zu 7000 Euro für einen Vertrag. 20 Prozent davon, so der Angeklagte, würden als Stornoreserve einbehalten und erst dann an ihn ausgezahlt, wenn der Vertrag vom Kunden tatsächlich dauerhaft bediente werde. Zwischen 70 und 80 Prozent der Restsumme bekämen die Versicherungsvermittler, 20 bis 30 Prozent davon erhalte er selbst.

Bei hunderten von Versicherungen, die auf diese Weise abgeschlossen werden, sei eine bestimmte Storno-Quote ganz normal.

Über 20 Zeugen 

Die von Richterin Ferchland geführte Kammer des Amtsgerichtes will über 20 Zeugen hören. Die Verhandlung wird am Dienstag, 13. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt. An diesem Tag wird auch mit einem Urteil gerechnet.

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