Lieferengpässe durch Rabattverträge

Tausende betroffen: Viele wichtige Medikamente sind nicht lieferbar

Kassel. In Apotheken in Stadt und Landkreis Kassel werden immer mehr Medikamente knapp. Betroffen sind auch gängige Arzneimittel, die täglich von Tausenden von Patienten benötigt werden. Lesen Sie hier die Gründe:

Probleme gibt es zum Beispiel bei Standardimpfstoffen für Babys gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie Impfstoffen gegen Tetanus. Auch bei Hormonpflastern, Kortisonspritzen, wichtigen Antibiotika, Diabetes-Medikamenten sowie Antibiotika für die Augen gebe es derzeit Engpässe, sagt Kornelia Hellmuth vom Vorstand des Hessischen Apothekerverbandes und Apothekerin in Schauenburg-Elgershausen.

Seit 24 Jahren betreibe sie ihre Apotheke, „aber so schlimm haben wir das noch nie vorher erlebt“ Zugespitzt habe sich die Situation seit einigen Monaten, nachdem Anfang 2013 etwa auch Masern-Impfstoff nicht geliefert werden konnte. Die Ursache sehen die Apotheker in den Auswirkungen der Rabattverträge der Krankenkassen mit den Pharmaherstellern.

Um bei dem Preiskrieg mithalten zu können, ließen heute viele Hersteller in Billiglohnländern produzieren, was immer wieder zu Lieferschwierigkeiten führe. Zurzeit verzeichnet Kornelia Hellmuth 26 Positionen, die nicht lieferbar seien: „Je größer die Apotheke ist, umso länger ist die Problemliste.“ Leidtragende seien die Patienten. „Das Ganze hat Ausmaße angenommen, bei denen der individuelle Mensch nichts mehr zählt“, sagt auch Alexander Schmidt-Hellwig von der Kasseler Einhorn-Apotheke.

Mit häufigen Medikamenten-Wechseln durch Lieferengpässe oder Vorschriften durch Rabattverträge kämen gerade ältere Leute häufig schlecht zurecht. So würden Medikamente häufig über- oder unterdosiert eingenommen, was mitunter zu vermeidbaren Krankenhauseinweisungen führe, sagt der Kasseler Allgemeinmediziner und Sprecher des Ärztenetzes Doxs, Dr. Stefan Pollmächer

Von Martina Heise-Thonicke

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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