Kasseler Sozialamt stellt sich für Januar auf finanzielle Notfälle ein

Kassel: Vielen Schuldnern droht leer geräumtes Konto

Kassel. Vielen verschuldeten Haushalten im Raum Kassel droht für Anfang Januar eine böse Überraschung: Wer mit Pfändungen rechnen muss, könnte dann mit einem leer geräumten Bankkonto dastehen.

Denn zum Jahreswechsel entfällt der besondere Pfändungsschutz, den Sozialleistungen wie Hartz IV, gesetzliche Rente, Wohn- oder Arbeitslosengeld bislang genießen.

Von Sozialtransfers, die ihr Existenzminimum sichern, leben im Stadtgebiet etwa 30.000 und im Landkreis Kassel 15.000 Menschen. Bisher waren solche Leistungen von Gesetzes wegen 14 Tage lang vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt – woran sich viele Schuldner gewöhnt haben und ihr Geld vom Amt eben zeitnah vom Konto abheben.

Ein unpfändbares Guthaben bleibt ab 2012 aber nur noch jenen, die sich rechtzeitig an ihr Geldinstitut wenden und die Umstellung ihrer Bankverbindung auf ein sogenanntes Pfändungsschutzkonto (P-Konto) beauftragen. Doch längst nicht alle Betroffenen haben sich bisher gekümmert, warnen Verbraucherschützer. Da die Kontoumstellung mehrere Bankarbeitstage dauern kann, wird die Zeit allmählich knapp.

Nach Angaben der Kasseler Sparkasse ist dort noch jedes fünfte pfändungsbedrohte Konto ohne Schutz. Kassels Sozialamtsleiter Detlev Ruchhöft rechnet damit, dass „ein nicht unerheblicher Teil“ seiner Kunden im Januar vor unerwarteten Geldproblemen stehen wird. Ruchhöft macht auf eine Tücke der Neuregelung aufmerksam: Viele Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften würden sich eine Bankverbindung für die Leistungen vom Amt teilen, ein P-Konto könne pro Schuldner aber nur jeweils individuell eingerichtet werden. Werde dies versäumt, könnten Gläubiger das gemeinsame Konto leer räumen, und dann sei auch das Existenzminimum für weitere Haushaltsmitglieder weg, warnt Ruchhöft.

Im Bereich des Amtsgerichts Kassel wurden im Jahr 2010 zwischen 5000 und 6000 Kontopfändungen veranlasst.

Von Axel Schwarz

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