Asta und Studierendenwerk fordern Nothilfen

Corona-Krise in Kassel: Vielen Studenten geht das Geld aus

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Das Geld wird knapp: Viele Studenten haben in der Corona-Krise ihre Jobs verloren und wissen nicht, wie es weitergeht. (Symbolbild)

Studenten in Kassel leiden unter der Corona-Krise. Viele verlieren ihre Nebenjob , andere leiden unter den psychologischen Folgen. Asta und Studierendenwerk fordern Nothilfen

  • Studenten in Kassel leiden unter Corona-Krise
  • Viele haben ihren Nebenjob verloren
  • Asta und Studierendenwerk fordern Nothilfen

Kassel - Ohne seine Wohngemeinschaft wäre Johannes Schröder (Name geändert) derzeit aufgeschmissen. Der Student aus Kassel hat durch Corona seinen Job in der Zentralmensa verloren.

Damit fällt auch seine Haupteinnahmequelle weg, aus der er sein Studium finanziert. Sein zweiter Verdienst für eine Tutorentätigkeit an der Uni reicht nicht einmal, um die Miete zu bestreiten.

Studenten in Kassel: Viele verlieren wegen Corona-Krise ihre Nebenjobs

Die Lebensmittel-Einkäufe übernehmen deshalb momentan Schröders Mitbewohner. „Ich lasse mich aushalten, das muss man leider so sagen“, schildert der 27-Jährige, der Brot inzwischen selbst backt, um zu sparen. Das wenige Geld, das noch übrig ist, reicht gerade für die nächste Miete. „Danach wird es dunkel“, sagt der Student der Philosophie und Soziologie. Wenn er nicht schnell einen neuen Job finde, müsse er wieder zu seinen Eltern außerhalb Kassels ziehen. Diese hätten keinen finanziellen Spielraum, um ihn anderweitig zu unterstützen. So bangt Schröder, ob seine Bewerbungen bei einem Lieferdienst und für einen weiteren Hilfskraft-Job an der Uni erfolgreich sind.

Studenten in der Corona-Krise: Finanzielle Sorgen in Kassel

Viele Studenten sind aufgrund der Coronakrise in finanzielle Not geraten. Etwa zwei Drittel – das entspricht 16 000 jungen Leuten – müssen nach Zahlen des Kasseler Studierendenwerks arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Viele davon seien in der Gastronomie tätig oder als Betreuungskräfte an den Schulen, weiß Mike Böse von der Sozialberatung des Studierendenwerks Kassel. Manche hätten deshalb durch die Pandemie ihre Jobs „doppelt und dreifach“ verloren.

Mike Böse  von der Sozialberatung des Studierendenwerks Kassel. Er berät Studenten die wegen der Corona-Krise in finanzielle Nöte geraten sind. 

Ihn und seine Kollegin Concetta Mugavero erreichen täglich verzweifelte Anrufe von Studenten, die nicht einmal mehr Geld haben, um Essen zu kaufen. Anspruch auf Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosenhilfe haben Vollzeitstudenten nicht.

Vor allem ausländische Studierende seien betroffen, sagt Böse. Sie könnten häufig nicht nur die Miete, sondern auch ihre Krankenversicherung nicht mehr bezahlen. Wenn es keine schnellen Hilfen gebe, drohe in vielen Fällen der Studienabbruch, befürchten die Sozialberater.

Notfonds: Etwa 300 Studenten in Kassel hat er in der Corona-Krise geholfen 

Der Notfonds des Landes Hessen, über den 200 Euro Soforthilfe beantragt werden konnten, sei innerhalb von zwei Stunden erschöpft gewesen, berichtet Böse. Etwa 300 Kasseler Studierenden habe man zumindest ein wenig helfen können, mehr als 200 gingen leer aus. Auch für ihn und seine Kollegin sei das eine schwierige Situation. „Wir können nur vertrösten“, bedauert er.

Auch der Asta der Uni Kassel, fordert schnelle, unbürokratische Hilfen. Zinslose KfW-Kredite, die die Bundesregierung in Aussicht gestellt habe, hätten eine Verschuldung von Studierenden zu Folge, sagt Asta-Vorsitzende Sophie Eltzner. „Davor schrecken viele zurück.“ Der Asta fordert neben Zuschüssen in Höhe von 3000 Euro für notleidende Studenten auch eine Reform des BAföG, dahingehend, die Studienförderung unabhängig vom Einkommen der Eltern zu gewähren.

Psychische Probleme von Studenten in Kassel in der Corona-Krise 

Neben finanziellen Sorgen schlagen auch andere Probleme vielen Studenten aufs Gemüt. Ausländische Studierende seien vielfach in Sorge um die Familie in Heimatländern, die von der Pandemie besonders betroffen sind, berichtet Gerrit Klotz von der psychologischen Beratungsstelle des Studierendenwerks. Aber auch Studienprobleme würden durch die Corona-Krise mitunter verschärft, so der Psychologe.

Gerrit Klotz Gerrit Klotz von der psychologischen Beratungsstelle des Studierendenwerks der Universität Kassel. Er berät Studenten die wegen der Corona-Krise über psychologische Probleme klagen 

Weil Vorlesungen und Seminare derzeit ins Internet verlegt sind, fehlten der Tagesrhythmus und die Kontakte zu Kommilitonen. Das sei gerade für jene schwierig, denen die Studienorganisation ohnehin schwerfalle. Klotz empfiehlt, sich bewusst auch zuhause eine Tagesstruktur mit festen Aufsteh- und Essenszeiten sowie Phasen des Lernens und Entspannens zu geben. Auch Kontakt könne man online pflegen: per (Video-)Telefonie oder in Chats.

Von Katja Rudolph

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