Verein kümmert sich seit 40 Jahren um den Betrieb der Museumseisenbahn zwischen Kassel und Naumburg

Volldampf für den Hessencourrier

Wie vor 100 Jahren: Werner Wollnick (links) und Lothar Siebert begleiten den Hessencourrier als Schaffner. Archivfoto:  Müller

Kassel. Sie haben keine Spielzeugeisenbahn im Keller, ihr Hobby ist sehr viel größer. Seit vier Jahrzehnten betreiben Jens Karasek und seine Mitstreiter den Museumszug Hessencourrier. Es ist enorm, was der Verein mit seinen 40 aktiven und 50 fördernden Mitgliedern bisher auf die Beine gestellt hat.

Typisch dabei ist, dass das Vereinsheim erst im Rohbau steht. Wichtiger waren die 120 Meter lange Überdachung für den Bahnhof auf dem Gelände des Technologieparks Marbachshöhe sowie die Werkstatthalle, in der der Fahrzeugpark gewartet wird. „Eines unserer besten Stücke ist die Originallok der Kassel-Naumburger Eisenbahn von 1941“, sagt Klaus Schulte, der zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört. 48 Waggons und Lokomotiven gehören zum Fahrzeugpark. Der älteste Wagen stammt aus dem Jahr 1894, der jüngste Waggon von 1955.

Hessencourrier wird auf Vordermann gebracht

„Ich finde es toll, wenn aus einem Haufen Schrott wieder etwas Schönes wird.“

Da steckt viel Arbeit drin: Den Lokschuppen auf dem Gelände des Technologieparks Marbachshöhe haben die Vereinsmitglieder mit viel Eigenleistung gebaut. Archivfoto:  Koch

„Unsere Sammlung konzentriert sich auf original hessisch-preußische Kleinbahnwagen“, sagt Philipp Donth, der für die Öffentlichkeitsarbeit im Verein zuständig ist. Der ist stolz darauf, dass man auf großen Teilen der Strecke zwischen Kassel und Naumburg heute noch genauso unterwegs ist wie vor 100 Jahren. Den Streckenabschnitt zwischen Großenritte und Naumburg gäbe es ohne den Hessencourrier gar nicht mehr. Hier verkehrt ausschließlich die Museumseisenbahn. Zwischen Kassel und Großenritte fahren Güterzüge und die Straßenbahn. „Wir machen alles selbst“, sagt der Schlosser und Maschinenbauingenieur Jens Karasek. Ansonsten wäre der Betrieb des Hessencourriers unbezahlbar. Vom Bahnhof Marbachshöhe über den Lokschuppen bis zu den Wartungsarbeiten an Fahrzeugen und Gleisen packen die Vereinsmitglieder in fast jeder freien Minute mit an.

Die historischen Fahrzeuge, die auf die Strecke gehen, sehen alle tipptopp aus. Mit sehr viel Liebe und Sachverstand werden sie auf Vordermann gebracht. „Ich finde es toll, wenn aus einem Haufen Schrott wieder etwas Schönes wird“, sagt Jens Karesek.

Klaus Schulte

Er kann sich noch an die bescheidenen Anfänge des Vereins erinnern. Als der sein Quartier in einem Bretterschuppen für den Neubau der Hessischen Landesbahn räumen musste, stand vieles auf der Kippe. Der Hauptbahnhof als möglicher neuer Standort wurde schnell wieder verworfen.

Nach dem Abzug der Bundeswehr wurden auf dem heutigen Gelände der Marbachshöhe viele Flächen vermarktet. „Für uns war es gut, dass niemand etwas mit den ehemaligen Verladerampen für die Panzer anfangen konnte“, sagt Klaus Schulte. Ein eigener Bahnhof mit direktem Anschluss an die historische Strecke Kassel-Naumburg sei optimal.

Von Thomas Siemon

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