Waschbärenjagd: Fang der Wildtiere mit Fallen nur nach Lehrgang erlaubt

Sehen so süß und possierlich aus, sind aber mittlerweile zur Plage geworden: Waschbären.

Kassel. Im Ordnungsamt der Gemeinde Nieste klingelte das Telefon in den vergangenen Tagen mehr als üblich. „Wir haben weit über 20 Anrufe von Menschen bekommen, die wissen wollten, ob wir ihnen helfen können, ihre Waschbären loszuwerden“, sagt Helmut Lippert vom Ordnungsamt der Gemeinde.

Viele Anfragen seien auch von Menschen aus der Stadt Kassel gekommen. Die HNA hatte kürzlich darüber berichtet, wie man in der Landkreis-Gemeinde mit der Waschbärplage umgeht. In einer Woche waren fünf Waschbären in Fallen gefangen und vom Jagdpächter abgeholt worden. Der hat die Tiere anschließend im Wald erschossen, wie es das Jagdrecht vorschreibt. Natürlich sei die Gemeinde Nieste nicht für die Waschbären in anderen Orten zuständig, stellt Lippert klar.

Frank Becker, staatlich geprüfter Jagdaufseher und Waschbär-Experte aus Kassel, macht deutlich, dass nur jene Personen Fallen aufstellen dürfen, die einen Fanglehrgang absolviert haben. Das bestätigt Hartmut Bierwirth vom Kasseler Ordnungsamt. Wer eine Falle ohne Lehrgang aufstelle, verstoße gegen das Jagdrecht. „Das hat auch etwas mit Tierschutz zu tun“, sagt Bierwirth. Wenn ein Tier schon getötet werden müsse, dann solle es zumindest wenig leiden.

Bei Waschbären kommen für Frank Becker deshalb auch nur Lebendfallen infrage. Bei Totschlagfallen bestehe die Gefahr, dass ein Waschbär, der alle Köder zuerst mit den Händen prüfe, unnötig gequält werde. Aber auch wenn ein Waschbär in einer Lebendfalle gefangen werde, könne er nicht einfach getötet werden. Nur ein Jagdausübungsberechtigter dürfe das Tier in seinem Revier oder auf einem Gelände, für das er eine Jagderlaubnis hat, erschießen, sagt Becker. „Das Aussetzen oder Umsiedeln von Waschbären ist nicht erlaubt.“

Wenn die gefangenen Bären nicht von einem Tierpark aufgenommen werden, dann ist die „traurige Konsequenz, dass sie getötet werden müssen“, sagt Theo Arend. Der stellvertretende Leiter des Forstamtes Wolfhagen setzt auf Prävention. „Auch mit der Jagd bekommen wir das Problem nicht in den Griff.“

Tiere fernhalten

Die Menschen müssten stattdessen Strategien entwickeln, um sich die Waschbären vom Grundstück zu halten (siehe Hintergrund). Arend weiß, dass die Menschen oft selbst Schuld haben, wenn die Bären plötzlich zur Plage werden. Kürzlich habe eine ältere Frau zu ihm gesagt, dass sie ihre kleine Rente mit vier Waschbären teile und plötzlich lebten acht auf ihrem Grundstück. Was solle sie jetzt nur tun?

Der Waschbär vertreibe als Neozoon (Tierart, die absichtlich oder unabsichtlich durch den Menschen in andere Gebiete kam) die heimischen Tiere. Besonders die Singvögel an Kassels Stadtrand gehörten zu den Opfern. „Die Waschbären nehmen deren Gelege aus.“

Hintergrund: Mülltonne sichern

Das Ordnungsamt der Stadt Kassel gibt Tipps, wie man sich Waschbären fernhält:

• Müll- und Biotonnen mit Schwerkraftschlössern sichern, gelbe Säcke erst morgens herausstellen oder in verriegelbaren Boxen aufbewahren.

• Keine hochwertigen Speisereste (Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Brot, Obst etc.) auf den Komposthaufen werfen. Unproblematisch sind Garten- und Gemüsereste, Kartoffelschalen. Keine Nahrungsmittelreste in offen zugänglichen Abfallkörben in Parks hinterlassen.

• Reifes Obst und Beeren ernten und Fallobst aufsammeln. Haustiere nicht draußen füttern oder die Reste abends ins Haus räumen.

• Das Haus sichern: Den Aufstieg auf das Dach durch Blechmanschetten über den Fallrohren der Regenrinnen verhindern. Bäume und Sträucher, die an oder über das Dach reichen, großzügig einkürzen. Einstiege konsequent und mit soliden Baumaterialien schließen. Ein starkes Metallgitter auf dem Schornstein anbringen. Ein schwer zu sicherndes Haus mit einer Elektrozaunanlage ausstatten. Weitere Tipps unter www.serviceportal-kassel.de

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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