Alle Aufträge bis zum Herbst storniert

Kassel: Wegen Corona-Ausfällen - Gästeführer bangen um ihre Existenz

Haben seit Mitte März keine Aufträge mehr: Die Gästeführerinnen Margret Baller (von links), Claudia Panetta-Möller und Andrea Ortolano.
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Haben seit Mitte März keine Aufträge mehr: Die Gästeführerinnen Margret Baller (von links), Claudia Panetta-Möller und Andrea Ortolano.

In Corona-Zeiten ist alles anders: Da die Touristen fehlen, kämpfen Kassels Gästeführer gerade um das wirtschaftliche Überleben.

Kassel - Eigentlich hätten die Gästeführer in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Bei schönem Wetter tummeln sich im Frühjahr normalerweise viele Gäste in Kassel, die sich für Führungen durch die Parkanlagen, Museen und die Innenstadt interessieren. Doch es sind keine normalen Zeiten. Und so kämpfen die Gästeführer um das wirtschaftliche Überleben.

Claudia Panetta-Möller, Margret Baller und Andrea Ortolano sind drei von ungefähr 100 Gästeführern, die in Kassel vom Geschäft der touristischen Führungen leben. Für manche sei es ein Zubrot, andere lebten aber komplett davon, sagt Panetta-Möller, Vorsitzende des Vereins der Gäste- und Museumsführer in Kassel und Region. 

Corona in Kassel: Touristen fehlen - Gästeführer bangen um Existenz

Mitte März sei die Lebensgrundlage vieler Gästeführer wegen Corona von heute auf morgen weggebrochen. „Ich bekam Stornierungen im Wert von mehr als 10.000 Euro“, sagt Ortolano. Bei Panetta-Möller war die Summe ähnlich hoch. Die Busunternehmen hätten ihre Reisen bis in den September hinein alle storniert – Ausfallhonorare habe es nicht gegeben.

Corona in Kassel: Touristen fehlen - Kein einziger Auftrag für Gästeführer

Normalerweise gehe das Geschäft im April erst richtig los. 100 bis 160 Gruppen führe ein Gästeführer in dem Quartal. Nun gibt es nicht einen einzigen Auftrag. „Ich habe zwei erwachsene Kinder, die ich noch versorgen muss und null Einkommen“, sagt Ortolano. 

Eine beim Land beantragte Förderung sei abgelehnt worden, weil sie keine Betriebskosten habe. Stattdessen sei sie auf Hartz IV verwiesen worden. „Doch das bekomme ich auch nicht, weil ich eine Lebensversicherung als Altersvorsorge habe“, sagt Ortolano. Sie lebe aktuell von ihren Rücklagen und versuche ihre Dienste als Trauerrednerin anzubieten.

Corona in Kassel: Touristen fehlen - Fördergeld nicht für Gästeführer gedacht

Das Kulturamt der Stadt Kassel habe den Gästeführern einen Antrag beim städtischen Hilfsprogramm „Kopf hoch, Kassel!“ nahegelegt – auch wenn dies nicht originär für sie gedacht sei, so Panetta-Möller. Allerdings hätten viele Gästeführer ihren Wohnsitz nicht in der Stadt Kassel und würden somit ohnehin nicht von einer eventuellen Förderung berücksichtigt. Dies gilt etwa auch für Margret Baller.

Eine Aussicht auf Besserung sehen die Gästeführerinnen in der nächsten Zeit nicht. Zwar würden die Museen nun schrittweise wieder öffnen – an Führungen mit Gruppen sei aber noch längst nicht zu denken, schon gar nicht in geschlossenen Räumen. „Zumal unsere Stammkunden in der Regel zur Risikogruppe gehören, weil sie 60 Jahre und älter sind“, sagt Panetta-Möller.

Corona in Kassel: Touristen fehlen - Gästeführer hoffen auf Lockerungen

Die drei Frauen hoffen, dass es bald Lockerungen gibt, sodass zumindest Kleingruppen mit bis zu zehn Personen im Freien an Führungen teilnehmen dürfen. „Wir müssen auf Kunden hoffen, die die Exklusivität kleiner Gruppen zu schätzen wissen und auch bereit sind, dafür zu bezahlen“, sagt Baller. Die Preise würden allerdings in der Regel von Kassel Marketing, der Museumslandschaft Hessen-Kassel oder den städtischen Museen festgelegt.

Was die Gästeführer jetzt aber vor allem bräuchten, sei eine Lobby, die sich für sie in der Politik einsetze. „Sonst fallen wir bei allen Förderungen durchs Raster“, sagt Panetta-Möller.

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