Konzern will bis zu 60 Prozent mehr Miete

Weil das Hausdach fehlt: Vonovia-Mieter wohnen in Kassel in feuchten Räumen

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Ihre Wohnung gleicht einer Grotte: Juliane Mechsner leidet unter dem Regenwasser, das wegen des aktuell fehlenden Daches ihres Mietshauses eindringt. In ihrem Wohnzimmer hängen die Tapeten von der Decke.

Die etwa 50 Mieter der Vonovia-Häuser an der Silberbornstraße 19 bis 35 in Kassel-Niederzwehren wurden im wahrsten Sinne des Wortes im Regen sitzen gelassen. 

Im Februar wurden die Dächer ihrer Häuser für eine Aufstockung abgenommen. Seitdem ist jede Menge Regenwasser in die Wohnungen gelaufen. Gleichzeitig hat Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen nach Abschluss der Modernisierung Mieterhöhungen von bis zu 60 Prozent angekündigt.

Bislang wohnen die Mieter in der Wohnsiedlung relativ günstig. Für die kleinen Wohnungen mit häufig nur 50 Quadratmetern werden Kaltmieten von 300 bis 350 Euro fällig – inklusive Nebenkosten sind es 500 bis 600 Euro. „Dort leben vor allem Mieter, die nicht so rosig gebettet sind: Arbeiter, Rentner, Arbeitslose“, so Maximilian Malirsch, Geschäftsführer des Mieterbundes Nordhessen. Und diese Mieter sollen künftig 140 bis 170 Euro mehr zahlen – so hatte es ihnen Vonovia 2018 angekündigt.

Begründet wird die Mieterhöhung mit der Modernisierung, die auch den Mietern zu Gute komme. Dazu zählen eine Wärmedämmung, eine neue Gaszentralheizung, neue Fenster und der Anbau von Balkonen. Nach Auskunft von Malirsch darf der Vermieter einen Anteil der Mondernisierungskosten auf die Mieter umlegen. Seit 2019 gelten acht Prozent. Bis vergangenes Jahr, als die Bauarbeiten starteten, waren es aber noch elf Prozent. „Wir können erst nach Abschluss der Bauarbeiten prüfen, ob tatsächlich nur umlagefähige Kosten den Mieten zugeschlagen werden“, sagt Malirsch.

Wegen Dacharbeiten sind Wohnungen feucht geworden 

Für Mieterin Rodica Neagu, die mit Mann und Sohn in der Siedlung lebt, ist das Vorgehen ihres Vermieters ein Unding. Vor allem nachdem im Zuge der Dacharbeiten alle ihre Wohnräume feucht geworden sind. „Ich habe eine Mietminderung beantragt. Das wurde abgelehnt“, sagt die Mutter. Sie macht sich Sorgen um ihren Sohn Andreas. Der Siebenjährige leidet unter einer Schimmelallergie. „Eigentlich sollten die Dacharbeiten nur anderthalb Monaten dauern“, sagt Neagu. Nun hofft Vonovia, dass es Ende Juli so weit ist.

Sorge um ihren Sohn: Rodica Neagu mit Andreas (7), der eine Schimmelallergie hat, im Kinderzimmer.

Mit einem Aushang hatte der Konzern nach dem jüngsten Starkregen den Mietern angeboten, für zwei Tage in ein Hotel umzuziehen. Inzwischen waren aus den offenbar nur sehr provisorisch abgedichteten Dächern Pools geworden. Die Baufirma hat Trockengeräte aufgestellt, diese reichen aber nicht aus.

Schimmel bildet sich in den Ecken 

Dies ist auch bei Juliane Mechsner zu beobachten, deren Wohnung einer Grotte gleicht. Tapeten hängen von den Wänden, Schimmel bildet sich in den Ecken. Die Frau, die auf eine Betreuerin angewiesen hat, lässt sich das Verhalten ihres Vermieters nicht gefallen. „Bei mir war zeitweise wegen der Feuchtigkeit der Strom ausgefallen“, sagt Mechsner. Sie hat kurzerhand die Miete um 30 Prozent gekürzt.

Mieter Markus Raabe wartet seit Wochen auf Handwerker, die bei ihm die im Zuge der Arbeiten aufgerissenen Wände zuspachteln und tapezieren. Auch vor dem Hintergrund der Umstände für die Mieter hält er die angekündigte Mieterhöhung für nicht gerechtfertigt.

Werden aufgestockt und saniert: Die Mietshäuser an der Silberbornstraße in Niederzwehren.

Das sagt Vonovia

Vonovia teilt auf HNA-Anfrage mit, man habe inzwischen entschieden, die Mieterhöhung von drei Euro auf zwei Euro pro Quadratmetern zu begrenzen. Die Wasserschäden würden schnellstmöglich behoben. Mietern unbewohnbarer Wohnungen würden Ersatzwohnungen angeboten. Zudem werde es angemessene Mietminderungen geben. Die Zwischenabdichtungen des Daches hätten nicht ausgereicht.

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