Kasseler Uni-Fund

Welches Geheimnis verbirgt sich hinter den Skeletten? 

Kassel/Göttingen. Knochen verraten einiges darüber, wie ein Mensch gelebt hat. So auch die Skelette, die 2008 in Kassel gefunden wurden. Jetzt sind sich Wissenschaftler der Uni Göttingen ziemlich sicher, welches Geheimnis sich hinter den Skeletten verbirgt:

Herkunft: Bei den Skeletten soll es sich um die Überreste von Männern aus den Benelux-Ländern handeln. Das haben Dr. Birgit Großkopf und Doktorand Philipp von Grumbkow anhand von DNA-Analysen herausgefunden. Die beiden arbeiten im Institut für Zoologie und Anthropologie der Uni Göttingen, an dem die Skelette derzeit untersucht werden.

Bei der DNA-Analyse haben sie das Y-Chromosom untersucht, das von Vätern an Söhne vererbt wird. Auf diesen Chromosomen befinden sich verschiedene DNA-Abschnitte, die, stark vereinfacht gesagt, in ihrer Länge unterschiedlich sind. Anhand der Länge dieser Abschnitte und vor allem ihrer Kombination lässt sich erkennen, woher ein Mann kommt, da diese Kombinationen bestimmten Regionen zugeordnet werden können. So haben etwa Männer aus Schweden andere Kombinationen als Belgier.

Kasseler Fund: Dr. Birgit Großkopf vom Institut für Zoologie und Anthropologie der Uni Göttingen mit zwei von über 100 Schädeln, die bei Erdarbeiten an der Uni Kassel entdeckt wurden. Foto: Schlegel

Todesjahr: Die Männer, deren Skelette 2008 entdeckt wurden, starben vor 200 Jahren. Das haben Wissenschaftler der Uni Nürnberg-Erlangen mithilfe radioaktiver Strahlung herausgefunden. Wir sind umgeben von natürlicher Strahlung, sie wird im Körper aufgenommen. Wissenschaftler sprechen vom C14-Isotop, das der Körper aufnimmt. Wenn ein Mensch stirbt, stoppt dieser Aufnahmeprozess, und die Radioaktivität wird abgebaut - bei allen Lebewesen gleich schnell. Forscher können dann an den Knochen messen, wie viel Strahlung noch übrig ist - und so auf das Todesjahr zurückrechnen.

Philipp von Grumbkow

Die Männer sollen an Typhus gelitten haben: Um das herauszufinden, bedienten sich die Forscher wieder der DNA-Analyse. In den Knochen wurde gezielt nach DNA-Sequenzen von Bakterien gesucht, die für eine Typhus-Erkrankung verantwortlich gewesen sein könnten. In einigen Skeletten des Massengrabes entdeckte von Grumbkow die DNA eines Bakteriums, das bereits in einem Massengrab napoleonischer Truppen in der litauischen Hauptstadt Vilnius entdeckt wurde und Typhusepidemien ausgelöst haben soll. Da das Bakterium über Kleiderläuse übertragen wird, kann auf schlechte hygienische Bedingungen geschlossen werden, unter denen die Männer litten.

Mangelerscheinungen: Es ist davon auszugehen, dass die Männer in den letzten Wochen ihres Lebens hungerten. Denn bei Mangelerscheinungen verändert sich die Knochen-Oberfläche. Sie ist dann nicht mehr glatt, sondern rau.

Weitere Tests: Die Untersuchungen an den Kasseler Skeletten sind noch nicht beendet. Die Wissenschaftler wollen ihre Ergebnisse durch weitere Tests bestätigen und vertiefen. Und sie hoffen auf weitere Erkenntnisse. So wollen sie versuchen, die Herkunft der Männer noch genauer zu bestimmen und auf weitere Bakterien testen.

Von Andreas Berger

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