Grüne schimpft auf Schönwetterradler im Rathaus

Nach dem Schnee-Chaos in Kassel: Wieso sind die Radwege immer noch nicht frei?

Radfahrer müssen weiter warten: Der Radstreifen auf der Friedrich-Ebert-Straße war auch gestern Mittag nicht zu befahren. Wegen des nicht geräumten Schnees mussten Radfahrer immer wieder auf die gefährlichen Straßenbahnschienen ausweichen
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Für Rad-Fahrer ist das Schnee-Chaos in Kassel noch nicht vorbei: Der Radstreifen auf der Friedrich-Ebert-Straße war auch gestern Mittag nicht zu befahren. Wegen des nicht geräumten Schnees mussten Rad-Fahrer immer wieder auf die gefährlichen Straßenbahnschienen ausweichen.

Während der Autoverkehr eineinhalb Wochen nach dem Schnee-Chaos in Kassel längst wieder rollt, geht auf vielen Radwegen immer noch nichts. Nimmt die Stadt die Verkehrswende nicht ernst?

Kassel – So einfach steigt Thomas Hofmann nicht vom Rad. Normalerweise ist der 29-Jährige das ganze Jahr mit dem Rad in Kassel unterwegs. Wegen des vielen Schnees hat er es vorige Woche dann doch einige Tage stehen lassen.

Dass ein Großteil der Kasseler Radwege aber auch eineinhalb Wochen nach Beginn des Schnee-Chaos immer noch nicht befahrbar ist, während der Autoverkehr längst wieder rollt, ist ein „großes Problem“, das nicht nur Hofmann verärgert.

Immer noch Schnee-Chaos in Kassel: An der Friedrich-Ebert-Straße kein Durchkommen mit Rad

Auch am Donnerstag war etwa der Radstreifen auf der Friedrich-Ebert-Straße „nicht nutzbar“, wie der Sprecher des Kasseler Radentscheids feststellt. Wie andere Radfahrer musste auch er immer wieder auf die gefährlichen Straßenbahnschienen ausweichen.

Noch schlimmer war es auf Steigungsstrecken wie der Pestalozzistraße im Vorderen Westen. Und auf einer der wichtigsten Radrouten der Stadt, der Kreuzung an der Fünffensterstraße, mussten Radler ihr Gefährt über Schneeberge hieven. Auch auf Facebook und Twitter beschwerten sich viele Radler über die Bedingungen in Kassel.

Tau-Wetter in Kassel: Auf Radwegen teils immer noch Schnee-Chaos

Hofmann hat vollstes Verständnis dafür, dass die vorige Woche eine Ausnahmesituation war und Hauptstraßen für den Autoverkehr zuerst geräumt werden. Nach mehreren Tagen Tauwetter fragt er sich jedoch, ob der immer noch nicht geräumte Schnee auf den Radwegen ein Indikator dafür ist, wie ernst es die Stadt Kassel mit der Verkehrswende meint.

Bereits im Radverkehrskonzept aus dem Jahr 2019 steht, dass Radwege kein Ablageort für Schnee sein sollen. Zudem sollte bis zum vorigen Jahr ein Räumplan für den Radverkehr erarbeitet werden. Nun schiebt Hofmann sein Rad immer noch über Schneeberge und klagt, dass dies „ein fatales Zeichen für den Klimaschutz ist. Kasseler, die bislang überlegt haben, künftig das Auto abzuschaffen, werden sich das noch einmal überlegen.“

Radwege in Kassel voller Schnee: Herren in der Veraltung „schön Wetter Fahrer“?

Ähnlich bewertet Eva Koch die Situation. Bei Facebook machte die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen ihrem Ärger Luft und schrieb: „Wenn die verantwortlichen Herren in der Verwaltung nur bei schönem Wetter Rad fahren (wenn überhaupt), wird das nicht als Problem wahrgenommen.“

Einer der verantwortlichen Herren in der Verwaltung ist Verkehrsdezernent Dirk Stochla. Der SPD-Politiker fährt sehr gern Rad, wie er immer wieder beteuert, und bat gestern auf Anfrage unserer Zeitung um Verständnis für die Situation auf den Radwegen in Kassel. Es sei klar, „dass eine extreme Wettersituation wie in den letzten Wochen auch immer Einschränkungen mit sich bringt“.

Schnee-Chaos in Kassel: Stadt hat drei Dringlichkeitsstufen für den Räumdienst

Ein Sprecher der Stadt Kassel teilte mit, dass der Winterdienst in drei Dringlichkeitsstufen eingeteilt ist. Wegen der enormen Schneemengen mit bis zu 40 statt wie üblich mit maximal 7 Zentimetern habe zunächst nur die erste Stufe bearbeitet werden können, in die auch fünf Radrouten fallen (etwa die von Harleshausen über den Vorderen Westen bis zur Innenstadt). Aber selbst dort sei es wegen des vielen Neuschnees zu Problemen gekommen.

Laut Stochla werden die Rückmeldungen zum Schnee nun ausgewertet. Radentscheid-Sprecher Hofmann hofft, dass es nächsten Winter besser läuft. Wenn nicht, müssen Radfahrer es wie in Stuttgart machen. Auch in der Hauptstadt der Kehrwoche wurden die Radrouten zu Eis- und Buckelpisten. Die schwäbischen Organisatoren des Radentscheids räumten die Wege darum selbst. Auf Twitter feierten sie ihre Aktion mit dem Hashtag #WeKehr. (Matthias Lohr)

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