Hirnentwicklung im Blick

Kita-Betreiber startet Forschungsprojekt: Wie können sich Kinder gesund entwickeln?

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Was brauchen Kinder in ihren ersten Lebensjahren? Das will der Kasseler Kita-Betreiber Impuls Soziales Management herausfinden. Das Symbolfoto zeigt eine Szene aus dem Kita-Alltag.

Kassel – Wenn es einen Satz gibt, den Alfons Scheitz nicht müde wird zu zitieren, dann diesen: „Jedes Kind wird geboren, um glücklich werden zu können.“ 

Davon ist der Impuls-Geschäftsführer überzeugt. Und er weiß, dass es dazu eines Fundaments bedarf.

Impuls Soziales Management ist ein Dienstleister mit Sitz an der Weserstraße, der bundesweit mit knapp 900 Mitarbeitern 25 betriebliche und 12 öffentliche Kindertagesstätten betreibt. Macht eine Verantwortung für 2500 Jungen und Mädchen, rechnet Scheitz vor – für Kinder in ihrer allerprägbarsten Zeit.

Diese Verantwortung will der Geschäftsführer auf den Prüfstand stellen, bevor er sich in den Ruhestand verabschiedet. Was brauchen Kinder, um sich gesund zu entwickeln? Unter dieser Frage startete Impuls ein Forschungsprojekt, genauer gesagt einen „Neuropädagogischen Diskurs“.

Warum der nötig ist? „Weil Bindungsprozesse permanent Störungen erfahren“, erläutert der 62-Jährige und nennt ein Beispiel: So ließen sich zunehmend Eltern beobachten, die ihr Kind mit dem Handy am Ohr im Kinderwagen schöben. Die ersten Lebensjahre seien die Wichtigsten im Leben. Würden hier Fehler gemacht, entstünden „schwarze Löcher“ im Gehirn. Alfons Scheitz schüttelt es bei dem Gedanken an eben jene Löcher, wo sonst Hirnmasse wäre. Somit fehle es Kindern am Vermögen, Glück oder Empathie zu empfinden. Anderen mangele es an Impulssteuerung.

Die Erkenntnisse der Neurowissenschaft, die er bei einem Vortrag des Neurobiologen und Autors Prof. Joachim Bauer erfuhr, beeindruckten Scheitz nachhaltig: „Wir können mit diesem Wissen doch nicht so weitermachen wie bisher“, sagt er. Was also tun? Genau das gelte es jetzt herauszufinden mit dem Ziel, Pädagogen in ihrem Alltag fitter zu machen und zu sensibilisieren. Denn: „Wegbegleiter von Kindern tragen die Verantwortung, dass diese Löcher nicht entstehen“, sagt Constanze Richter, die das unternehmensweite Lernprojekt leitet.

Rund 30 pädagogische Fachkräfte des Kita-Trägers arbeiten in dem Projekt mit, um herauszufinden, was und wie zur frühkindlichen Entwicklung von Gehirnen beigetragen werden kann. Erkenntnisse aus verschiedenen Wissenschaften (Neurobiologie, Familiensoziologie, Entwicklungspsychologie) sollen miteinfließen. 

Bis Ende 2017 dokumentierten die Teams der 37 Kitas knapp 100 Situationen aus dem Alltag der Einrichtungen. Sie überprüfen: Was nimmt Einfluss auf die Entwicklung der Kinder – der konzeptionelle Rahmen, das Ernährungsangebot, die Gesundheit der Mitarbeiter? Welche Rolle spielt die Gruppengröße, die Atmosphäre beim morgendlichen Ankommen? Wie begegnet man einem „gestressten“ Kind? Brauchen Kitas einen anderen Personalschlüssel und andere Öffnungszeiten? Man wolle die Pädagogik der Zukunft gestalten, erläutert Constanze Richter das Ziel der Forschungsreise mit offenem Ausgang. Um Grundsteine des Glücks soll es gehen. Oder, wie es Scheitz formuliert: „Kinder sollen die Chancen bekommen, sich so zu entwickeln, dass sie die Meister ihres Lebensglücks werden können.“ 

Informationen im Internet: e-impuls.de; neuro-impuls.de

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