Stadt sieht angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt

Kassel will Explosion der Mieten verhindern

Kassel. Vermieter in der Stadt sollen die Mietpreise nur noch in begrenztem Umfang anheben dürfen. Wegen gestiegener Mieten und weil viele Menschen eine Wohnung suchen, sieht die Stadt den Wohnungsmarkt angespannt.

Hintergrund: Bisher ist Grenze bei 20 Prozent

Schon jetzt dürfen Vermieter Mietpreise nicht ungezügelt anheben. Das Bürgerliche Gesetzbuch sieht in Paragraf 558 eine Kappungsgrenze von 20 Prozent von drei Jahren vor. Danach sind die Landesregierungen weiter ermächtigt den Prozentsatz auf 15 zu senken, „wenn die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Mietwohnungen zu angemessenen Bedingungen in einer Gemeinde (...) besonders gefährdet ist“.

Unabhängig von den Bewertungen der jeweiligen Kommunen hat die Landesregierung auch eine Bewertung beim Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt in Auftrag gegeben. Ergebnisse dieser Studie sind bisher unter Verschluss. (clm)

Deswegen befürworte man, dass Vermieter die Mieten innerhalb von drei Jahren nicht um mehr als 15 Prozent anheben dürfen, sagt Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne).

So steht es in einer Stellungnahme der Stadt an die Landesregierung. Die hatte 23 Ballungszentren zur Rückmeldung aufgefordert. Die Landesregierung will die neue Kappungsgrenze, die wie eine Preisbremse für bestehende Mietverhältnisse wirkt, voraussichtlich im Herbst 2014 einführen. Diese Regelung gilt dann für fünf Jahre.

Über etwa 15 Jahre hätten die Mieten in Kassel bei einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 5,30 Euro verharrt, sagt Nolda. Seit etwa drei Jahren sei „der Markt in Bewegung geraten“. Je nach Wohnlage und Ausstattung lägen die Preise jetzt im Schnitt zwischen 5,30 und sechs Euro. Zudem stelle die Stadt eine verstärkte Bautätigkeit fest, „über die wir uns sehr freuen“. Diese Neubauten entlasteten den Markt, gleichzeitig würden für neue Wohnungen aber auch höhere Mieten verlangt, was das Niveau anhebe.

Der Mieterbund befürwortet die geplante Regelung als „Schritt in die richtige Richtung“, sagte Geschäftsführerin Esther Tiedtke. Es sei zu befürchten, dass sich gerade Familien gute Wohnungen bald nicht mehr leisten könnten. Die Folge wäre eine regelrechte „Flucht raus aus der Stadt aufs Land“.

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Wolfram Kieselbach, Vorsitzender der örtlichen Hausbesitzer-Vereinigung Haus & Grund, kann das nicht nachvollziehen und verweist auf Wohnungsmarktdaten der Stadt. Danach gab es 2013 etwa 2100 Wohnungen mehr als Haushalte in Kassel. Gleichwohl fordert er ein Konzept von der Stadt, wie mehr Wohnraum geschaffen werden soll. (clm)

Rubriklistenbild: © dpa

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