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Katholische Kirche vor großen Fusionen: Kassel wird XXL-Pfarrei

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Von: Katja Rudolph

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Die Katholische Kirche in der Region steht vor großen Einschnitten. Das Bistum Fulda strukturiert vor dem Hintergrund des Pfarrermangels seine Pfarreien neu.

Das Bild zeigt den „Supermond“ hinter dem Kirchturm von St. Elisabeth im Januar 2019.
Wie sieht die Zukunft der Katholischen Kirche aus? Im Bistum Fulda stehen massive Einschnitte bevor. © Hedler, Christian

Kassel – Aus 22 mach 4: Die katholische Kirche reduziert die Zahl ihrer Pfarreien in der Region drastisch. Nach den Plänen des Bistums Fulda wird es in der Stadt Kassel künftig eine Großpfarrei geben. Unter ihrem Dach sollen acht bislang eigenständige Gemeinden zusammengefasst werden. Die Kirchorte im Kasseler Osten werden einer der drei Großgemeinden im Landkreis zugeschlagen.

Das geht aus den neuen Pfarreigrenzen hervor, die der HNA vorliegen. Auf Anfrage bei der bischöflichen Pressestelle heißt es, die Zuschnitte der Pfarreien sollten für das gesamte Bistum „im frühen Herbst“ kommuniziert werden. Bis in die 2030er-Jahre hinein, so das Bistum, sollten die künftigen Pfarreien „mit je auf die örtliche Situation zugeschnittenen Schritten neu gegründet werden.“

Die Kasseler Großpfarrei würde dann rund 20 000 Mitglieder zählen. Ingesamt gibt es im Dekanat Kassel-Hofgeismar rund 57 000 Mitglieder, davon knapp die Hälfte in der Stadt Kassel. Im Landkreis Kassel wird es eine Großgemeinde im Norden geben, der auch Vellmar und Ihringshausen zugeschlagen werden. Zu der Pfarrei im Osten mit den Kirchorten in Kaufungen und Lohfelden soll neben dem Ostzipfel Kassels auch die Baunataler Pfarrgemeinde gehören. Die Pfarrei im Westen umfasst die Gemeinden im Wolfhager Land.

Hintergrund der drastischen Einschnitte ist – neben zurückgehenden Mitgliederzahlen und einem Spardiktat im Bistum – vor allem der sich zuspitzende Priestermangel. Im Jahr 2039 wird es nach Prognosen aus Fulda nur noch 31 Priester unter 60 Jahren im Bistum geben. Da eine Pfarrei dem Kirchenrecht zufolge von einem Pfarrer geleitet werden muss, wird das Bistum daher in 28 Pfarreien aufgeteilt (aktuell: 193).

Hört man sich in der Pfarrerschaft und unter den Ehrenamtlichen um, trifft man auf Sorgen und Enttäuschung. „Der Unmut ist immens“, sagt ein Kasseler Seelsorger. Viele Pfarrer sehen sich überfordert damit, so große Einheiten zusammenzuführen. Hauptkritikpunkt ist jedoch, dass die Zuständigkeiten und Befugnisse in den künftigen Großpfarreien noch nicht geregelt sind.

„Wir haben ein neues Kleid geschneidert, aber die Binnenverhältnisse sind unklar“, sagt auch Pfarrer Harald Fischer (St. Familia). Er ruft alle Katholiken in der Region auf, „nicht in Depression zu verfallen, sondern ihre Eigenverantwortung wahrzunehmen für eine lebendige Gemeindearbeit vor Ort.“

Unterdessen wird für das Dekanat Kassel-Hofgeismar ein neuer Dechant gesucht: Derzeit läuft die Wahl. Gewählt werden können grundsätzlich 14 Pfarrer aus dem Dekanat. Ihre Stimme abgeben können noch bis 1. September sämtliche 70 pastoralen Mitarbeiter im Dekanat. In der Regel wird vom Bischof dann derjenige mit den meisten Wahlstimmen gefragt, ob er bereit ist, das Amt zu übernehmen. Nach Informationen der HNA sieht sich keiner der 14 Pfarrer dazu willens und in der Lage. (Katja Rudolph)

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