Neues Martini-Quartier

Leben wie auf einer Insel: Neues Wohnprojekt auf altem Brauerei-Gelände

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Baupläne: MartiniQ heißt das genossenschaftliche Wohnprojekt auf dem Martini-Quartier. In Anspielung an den karibisch anmutenden Namen könnte auf dem Dach später eine Palme wachsen.

Kassel. Im neu entstehenden Martini-Quartier auf dem Gelände der alten Brauerei sollen 33 Wohnungen zwischen 35 und 125 Quadratmeter entstehen, zwei Gemeinschaftsräume, drei Gewerbeeinheiten und ein Gästeapartment.

„Es ist vollbracht, wir haben gekauft“, sagt Sabine Conti, Architektin und federführende Planerin beim genossenschaftlichen Wohnprojekt MartiniQ. Die Genossenschaft ist eine von insgesamt neun künftigen Bauherren auf dem Areal der ehemaligen Martini-Brauerei an der Kölnischen Straße, dem neuen Martini-Quartier. Darunter sind private Investoren, Stiftungen, Wohnungsbaugesellschaften und andere.

„Das Besondere an unserem Projekt ist, dass wir gemeinsam planen, wie das Haus aussehen soll“, sagt Planerin Sabine Conti. „Wichtig ist die Mischung der Bewohner“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der Genossenschaft, Joachim Frieser. 

Es sollen 33 Einheiten in Größen zwischen 35 und 125 Quadratmeter entstehen. Außerdem zwei Gemeinschaftsräume, drei Gewerbeeinheiten, ein Gästeapartment und zwei sogenannte Joker-Zimmer für eine variable Nutzung. Eine der reizvollen Besonderheiten von MartiniQ: Ein großer Teil der historischen Gewölbekeller der ehemaligen Brauerei gehört der Genossenschaft und kann von ihr genutzt werden. Garagen gibt es in einem Erdgeschossbau, darüber wird einer der Gärten angelegt. Die Hälfte der Wohnungen ist bereits reserviert, so Conti.

Ziel des 8,6-Million-Euro-Projekts sei eine „verlässliche Nachbarschaft“, sagt Frieser. Baustart ist im Sommer, Ende 2019 sollen die ersten Nachbarn einziehen. „Kein Mensch ist eine Insel, aber wir können uns gut vorstellen, auf einer selbstorganisierten Insel zu leben“, formuliert Conti das Motto. Zurzeit gibt es 15 Mitglieder im Alter zwischen 30 und 78 Jahre. Die Startgruppe, „Bewohner mit Kapital“, stehe fest, so Frieser; weitere Genossen seien willkommen.

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Um einkommensschwächeren Interessenten, vor allem jungen Familien, den Einstieg zu erleichtern, hat die Genossenschaft, die Eigenkapital benötigt, einen freiwilligen Solidaritätsfonds eingerichtet. Denn: 25 Prozent des Wohnwerts muss als Mitgliedsanteil angelegt werden. Dieser Pflichtanteil liegt zwischen 40 000 und 100 000 Euro. Conti: „Bei Auszug gibt es das Geld zurück.“ Wer in den Genuss des Solidaritätsfonds kommt, darüber werde individuell entschieden, so Frieser. „Das ist der Unterschied zur Eigentümergemeinschaft: Wir unterstützen den Einstieg.“ Er stellt in Aussicht: „Wenn das 1. Darlehen abgezahlt ist, sinken die Mieten radikal.“ Elementar sei auch, dass der Nutzungsvertrag vererbbar ist.

Hintergrund

Seit Sommer sind auf dem 15 000 Quadratmeter (zwei Fußballfelder) großen Gelände der Martini-Brauerei an der Kölnischen Straße im Stadtteil Vorderer Westen die Bagger dabei, die alten Gebäude abzureißen. Übrig bleiben am Ende nur das 1896 gebaute Sudhaus sowie das Verwaltungsgebäude aus den 1960er-Jahren. Im Frühjahr 2018 werden die ersten Neubauten mit Wohnungen, Gewerbe- und Büroflächen entstehen.

Insgesamt werden 50 Millionen Euro investiert. Bis Ende des Jahres soll der Abriss beendet sein, sagt Architekt Matthias Foitzik von der MQ Projektentwicklungsgesellschaft. Sie hat die Planung und Organisation der Umwidmung des Areals übernommen. Eigentümer ist die Einbecker Brauerei, zu der Martini gehört, die die Grundstücke nach und nach an die Bauherren verkauft. „Das Projekt basiert auf Vielfalt – auch was die Nutzungen angeht“, sagt Foitzik. Geplant sind insgesamt 180 Eigentums- und Mietwohnungen. Darunter Wohnprojekte für Menschen mit Behinderung sowie für Studenten. Auch Büros, Läden und Arztpraxen wird es geben. 

www.martiniq-kassel.de

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