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Wohnquartier in Kassel soll aussehen wie in den 1920er-Jahren - Mieten steigen

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Von: Claudia Feser

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Uwe Gabriel, Geschäftsführer der GWG Kassel, steht am Zaun des Wohnquartiers Heubnerstraße /Ecke Hansteinstraße in Wehlheiden
Uwe Gabriel, Geschäftsführer der GWG Kassel, steht am Wohnquartier Heubnerstraße /Ecke Hansteinstraße in Wehlheiden. Das wurde in den 1920er-Jahren gebaut und wird noch bis 2025 saniert. Dann soll es von außen wieder aussehen wie zur Zeit der Entstehung. Der Zaun ist ebenfalls noch aus den 20ern. © Claudia Feser

Ein großes Wohnquartier in Kassel soll sich verändern. Von außen soll es künftig wieder an die 1920er-Jahre erinnern.

Kassel – Es ist Halbzeit bei einem der derzeit größten Bauprojekte in Wehlheiden: Das Wohnquartier an der Heubnerstraße wird saniert und von außen wieder in den Originalzustand der 1920er-Jahre versetzt. Mindestens sieben Millionen Euro investiert die GWG in die Sanierung der Anlage; in drei Jahren sollen die Arbeiten beendet sein.

Mindestens sieben Millionen Euro investiert die GWG in die Sanierung der Anlage in Kassel; in drei Jahren sollen die Arbeiten beendet sein. Der mächtige Wohnkomplex wurde 1927 als „Hindenburgheim“ gebaut, so steht es in den Unterlagen der GWG, die im Archiv der Wohnungsbaugesellschaft lagern, berichtet Geschäftsführer Uwe Gabriel. Es gab damals 114 kleine Wohnungen, die insbesondere für Rentner gebaut wurden. „Das Quartier wurde als früher Ansatz von gemeinschaftlichem Wohnkonzept gebaut“, sagt Gabriel.

Kassel: „Charme der Zwanziger Jahre“ in Wohnquartier

Es gab im Mittelbau einen großen Speisesaal, außerdem einen Wasch- und einen Trocknungsraum. Der Speisesaal wird heute noch von einem Karnevalsverein als Unterstellmöglichkeit für Utensilien genutzt. Vor der Pandemie fanden dort zuweilen gemeinschaftliche Veranstaltungen wie Kaffeenachmittage statt.

Der Waschraum wird ebenfalls noch gemeinschaftlich genutzt. Dort stehen moderne Waschmaschinen neben dem noch gut erhaltenen Waschbecken, in dem jahrzehntelang Wäsche von Hand geschrubbt wurde. Das gemauerte Waschbecken ist noch original, weiß Geschäftsführer Gabriel, der gelernter Maurer ist. Original sind auch die Bodenfliesen im Trocknungsraum. Gabriel schwärmt vom „Charme der Zwanziger Jahre“ im Wohnquartier.

Kassel: GWG legt Wert auf eine Zusammenarbeit mit regionalen Baufirmen

Dieser Charme ist an den drei fertig sanierten Wohnblöcken sichtbar. „Mit den großen Bossensteinen im unteren Bereich kommen sie kraftvoll und herrschaftlich her – das ist die Formsprache der Zwanziger Jahre“, erklärt Gabriel, „nach oben hin werden die Häuser immer filigraner.“ Das zeigt sich etwa an den Holzfenstern mit den glasteilenden Sprossen, die nach und nach in allen fünf Wohnblöcken gegen die Kunststofffenster ausgetauscht werden.

Das teilsanierte Wohnquartier der GWG in Wehlheiden
In Teilen saniert: Die Gebäudeteile links und rechts sind bereits fertig saniert, der Mittelteil steht noch aus. © Claudia Feser

Außerdem kommt eine neue Eindeckung aufs Dach: Statt der grauen Tondachziegel gibt es wieder rote Bieberschwanzschindeln. Auch die Treppenhäuser sollen erneuert werden. Die GWG legt bei ihren Bauprojekten Wert auf eine Zusammenarbeit mit regionalen Baufirmen, betont Geschäftsführer Gabriel. „Wir wollen investieren, auch in diesen Zeiten, und wir sind verlässlich für die Handwerker.“

Kassel: Miete in saniertem Wohnquartier wird erhöht

Die denkmalgerechte Sanierung des Quartiers gilt nur für die Hülle: Fassade, Fenster, Türen, Dach. „Die Wohnungen werden nur bei Bedarf saniert“, teilt Gabriel mit.

Die Miete wird sich erhöhen, denn ein Teil der Baukosten wird auf die Mieter umgelegt: Pro Quadratmeter müssen die Mieter maximal 80 Cent mehr zahlen, „gesetzlich möglich wäre eine deutlich höhere Umlage“, sagt Gabriel. Mit einer aktuell durchschnittlichen Kaltmiete von 7,76 Euro sei das Quartier ein „preisgedämpfter Wohnraum“. Die 135 Wohnungen sind zwischen 23 und 78 Quadratmeter groß. Das Heizungskonzept in der Anlage wurde bereits 2018 von einer Gaszentralheizung auf Fernwärme umgestellt. Leerstand gebe es nicht, sagt Gabriel. Das liege an der Lage und der guten Anbindung an Bus, Straßenbahn und Zug.

Kassel: Was passiert mit Innenhof der Anlage?

Die fünf Wohnblöcke sind in U-Form angelegt und umschließen einen Innenhof mit Rasenfläche, Wäscheseilen und Garagen. Rundherum führt ein Zaun, der ebenfalls aus den 1920er-Jahren stammt. Zwei Treppen führen links und rechts in den Garten, der früher in Teilen möglicherweise als Nutzgarten diente.

Über die Gestaltung des Innenhofs gibt es noch keine Entscheidung, teilt Gabriel auf Anfrage mit. Ein Ziel ist, die Aufenthaltsqualität auf der Anlage zu verbessern. Die Anregung von Mietern, einen abschließbaren Raum oder Schuppen für Fahrräder einzuplanen, wird in die Überlegungen aufgenommen. Damit könnten die vielen am Gartenzaun angeschlossenen Fahrräder sicher verstaut werden.

Ein neues Zuhause haben auch Mauersegler und Sperlinge bekommen: An den Hausfassaden wurden im Traufbereich Nisthilfen für die Vögel angebracht, nach Vorgaben der unteren Naturschutzbehörde. (Claudia Feser)

Derweil erhalten Anwohner in Kassel in den letzten Tagen gefälschte Post vom „Bürgermeister“. Inhalt: Angeblich wolle die Stadt die Heizperioden ändern.

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