Zunehmende Mobilität hat Folgen fürs Klima

Pendlerzahlen in Kassel auf Rekordhöhe - Das sind die Gründe

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Viele Menschen pendeln täglich aus der Region nach Kassel zur Arbeit. 

Noch nie gab es in Kassel so viele Pendler. Etwa 64 000 Menschen fuhren im vorigen Jahr regelmäßig zum Arbeiten in die Stadt. Das hat Folgen für das Klima.

Gegenüber dem Jahr 2000, als 54 000 Pendler gezählt wurden, ist dies ein Anstieg von 18 Prozent, wie aus den Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung (BBSR) hervorgeht.

Damit liegt Kassel im bundesweiten Trend. Insgesamt stieg die Zahl der Pendler in Deutschland von 14,9 Millionen im Jahr 2000 auf 19,3 Millionen. Für seine Untersuchung wertete das BBSR Daten zum Pendlerverhalten der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit der Jahrtausendwende aus.

Zunehmende Mobilität hat Folgen fürs Klima

Die zunehmende Mobilität hat Folgen für Klima und Umwelt. Laut dem Umweltbundesamt ist der Verkehr für knapp ein Fünftel aller CO2-Emissionen verantwortlich. Gewerkschafter Klaus Michalek von der IG Bau warnt jedoch auch vor den Auswirkungen auf den Alltag der Berufspendler. Es gehe „wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren“.

Er nennt die neuen Zahlen einen „alarmierenden Trend“ und macht dafür vor allem den Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Städten verantwortlich: „Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die Mieten und Immobilienpreise gerade dort nicht mehr leisten, wo in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden sind.“ 

Laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung gibt es jedoch einen anderen Hauptgrund für den Pendel-Boom: Immer mehr Paare sind berufstätig. Gerade für gut ausgebildete Menschen sei es schwierig, an einem Ort zwei passende Jobs zu finden. Da Job-Verträge zunehmend befristet seien, verzichteten viele darauf, umzuziehen.

Wie die Stadt Kassel auf die aktuellen Zahlen reagieren will, konnte sie am Freitag nicht beantworten. Vor zwei Jahren, als die Pendlerzahl bereits auf 61 000 gestiegen war, sagte ein Sprecher, dass man die Radinfrastruktur und den öffentlichen Nahverkehr ausbauen wolle. Und er prophezeite, dass Pendlerströme nicht mehr lange wachsen würden: „Sobald der Bevölkerungsrückgang etwa ab 2026 zu greifen beginnt, wird auch die Verkehrsbelastung weniger.“

Pendler-Boom in Berlin am Stärksten

Die meisten Pendler gibt es in München: Mehr als 390 000 Menschen fuhren 2018 regelmäßig zum Arbeiten in die bayerische Landeshauptstadt. Gegenüber dem Jahr 2000 ist das ein Plus von 32 Prozent. Den größten Anstieg in diesem Zeitraum verzeichnet Berlin mit 76 Prozent auf 314 000 Pendler. In Nordhessen pendeln die meisten Menschen aus Vellmar und Baunatal nach Kassel ein, wie Zahlen aus dem Jahr 2017 belegen.

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