Beschicker wollen flexible Öffnungszeiten

Zukunft der Markthalle Kassel: Händler bieten Gespräche an 

Noch keine Entscheidung über eine neue Konzeption: Die Kasseler Markthalle ist derzeit weihnachtlich geschmückt. Die Stimmung bei vielen Händlern und Kunden ist allerdings wenig festlich.
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Noch keine Entscheidung über eine neue Konzeption: Die Kasseler Markthalle ist derzeit weihnachtlich geschmückt. Die Stimmung bei vielen Händlern und Kunden ist allerdings wenig festlich.

Wie geht es mit der Markthalle Kassel weiter? Die Entscheidung darüber ist verschoben - die Beschicker sind darüber erleichtert.

Kassel –  Es sind turbulente Tage in der Kasseler Kommunalpolitik. Weil die rot-grüne Koalition nach dem Ausscheren des parteilosen Stadtverordneten Andreas Ernst keine Mehrheit mehr hat, gab es in der jüngsten Sitzung auch keine Abstimmung über die Zukunft der Markthalle. 

„Zum Glück nicht“, sagt Fleischermeister Kurt Hain, bei dem sich der Protest der Marktbeschicker gegen die Pläne der Stadt bündelt. Deren favorisiertes Betreiberkonzept sei für ihn und viele Kollegen nicht praktikabel und deshalb existenzbedrohend, sagt Hain. Er versucht, die Verantwortlichen von SPD und Grünen umzustimmen. 

Marktbeschicker fordern flexible Öffnungszeiten

„Dem Stadtverordneten Andreas Ernst sind wir zutiefst dankbar, dass er auf unsere Bedenken gehört hat“, sagt Hain. Jetzt bestehe die Chance, endlich einmal über zentrale Eckpunkte zu reden. Gegen längere Öffnungszeiten der Markthalle habe man nichts. Die müssten aber so flexibel geregelt werden, dass die Beschicker damit auch leben könnten. 

Neues Konzept zur Markthalle: Beschicker haben bedenken wegen Kühlmöglichkeiten

Große Bedenken gebe es auch hinsichtlich der Kühlmöglichkeiten, wenn alle Stände unter Glasdächern im Obergeschoss ihre Waren anbieten sollen. „Mit uns hat bisher niemand gesprochen, das verstehe ich nicht“, sagt Hain. Auch andere Kollegen aus der Markthalle bestätigen, dass sie Informationen lediglich aus der Zeitung hätten. 

Neues Konzept will Gastronomie, Handel und kulturelle Veranstaltungen verbinden

Oberbürgermeister Christian Geselle erinnert daran, dass die Stadtverordnetenversammlung im März die Verwaltung mit einem nicht-öffentlichen Bieterverfahren beauftragt habe. Als bestes Konzept hätten sich die Ideen der Firma „Sprengwerk – Architektur und Gestaltung“ durchgesetzt. Deren Konzept sieht ein Zusammenspiel von Gastronomie, Handel, kulturellen Veranstaltungen und Gewerbe vor. Andere Bieter – wie eben die Beschicker um den Markthallen-Geschäftsführer Andreas Mansbarth – dürften per Gesetz nicht über Angebote von Konkurrenten informiert werden. 

Als Rot-Grün in der letzten Stadtverordnetenversammlung die Mehrheit verlor, ließ Geselle die Abstimmung verschieben. Es bestehe nun die Gelegenheit, noch einmal in Ruhe über die Markthalle zu diskutieren.

Markthalle Kassel seit 1965 im historischen Marstall

Seit 54 Jahren ist der landgräfliche Marstall an der Tränkepforte Sitz der Kasseler Markthalle. Über 60 Markthändler aus der Region bieten dort jeden Donnerstag bis Samstag ihre Produkte an, die meisten sind Selbsterzeuger. Das Gebäude der Markthalle wurde im Zweiten Weltkrieg total zerstört und Anfang der 1960er-Jahre nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Zuvor hatten die Händler auf dem Königsplatz gestanden. 1994 wurde die Markthalle umfassend umgebaut.

Markthalle: Aufschub sorgt für Erleichterung

Durch die geplatzte Abstimmung der Stadtverordneten zur Zukunft der Markthalle ist jetzt erst einmal Zeit für Gespräche gewonnen. Auch darüber, was viele der bisherigen Marktbeschicker an Vorschlägen mit einbringen können. Hier einige Kernpunkte.

  • Die Öffnungszeiten: Derzeit ist die Markthalle an drei Tagen von donnerstags bis samstags geöffnet. In der Diskussion ist eine Ausweitung auf fünf Tage. „Für mich und viele andere Kollegen ist das nicht zu machen“, sagt Metzgermeister Kurt Hain. Er brauche den Vorlauf zu Beginn der Woche in seiner Mosheimer Metzgerei, damit er immer frische Produkte in der Markthalle anbieten könne.
  • Flexible Regelung: Längere Öffnungszeiten seien trotzdem möglich, müssten aber flexibel gestaltet werden. Dafür biete das Konzept der Markthallen GmbH vernünftige Vorschläge. Zum Beispiel mit Ständen, die von mehreren kleineren Anbietern gemeinsam genutzt werden könnten und mit Ausnahmeregelungen. „Wir und viele andere auch wollen hier gerne weitermachen“, sagt Kurt Hain.
  • Die Standmieten: Dass es eine Modernisierung der Markthalle nicht zum Nulltarif gibt, ist allen Beteiligten klar. Bei den Marktbeschickern ist die Sorge groß, dass sie die Standmieten nicht mehr bezahlen könnten.

Die bislang propagierte Umbauvariante mit einem gläsernen Vorbau im Obergeschoss und Veranstaltungsräumen auf der bisherigen Metzgeretage im Untergeschoss sieht Kurt Hain skeptisch. „Ich befürchte, dass das ein teurer Schickimicki-Umbau wird“, sagt er.

  • Die Perspektiven: Bis zum vergangenen Montag, an dem die Stadtverordnetenversammlung tagte, schien alles klar. Sowohl bei der Markthalle als auch bei den ebenfalls umstrittenen Plänen für ein documenta-Institut auf dem Karlsplatz. Der Magistrat mit Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und Baurat Christof Nolda (Grüne) wollten mit Unterstützung des fraktionslosen Andreas Ernst ihre Vorstellungen durchbringen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Bei der Markthalle gibt es keinen größeren Zeitdruck. „Für uns ist das jetzt eine Chance, an die kaum noch jemand geglaubt hat“, sagt Kurt Hain. Bereits vor der unerwarteten Wendung hatte es ein Gesprächsangebot für Ende Januar gegeben. Ursprünglich sollte da bereits ein neuer Betreiber mit am Tisch sitzen. Jetzt könnte man sich unter geänderten Voraussetzungen zusammensetzen. „Von uns aus gerne“, sagt Kurt Hain.

Die Standbetreiber der Kasseler Markthalle haben sich die neuen Zukunftspläne für den Marstall angehört. Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus.

In Kassel ist der Streit um die Zukunft der Markthalle eskaliert: Geschäftsführer Andreas Mannsbarth wirft einem Beschicker Bespitzelung vor.

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