Tochtergesellschaft soll Projekt im Sportareal Auepark verwirklichen

Stadt Kassel plant zweite Eisfläche ohne die Huskies

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Blick auf das Aueparkareal: Die Luftaufnahme entstand im vergangenen Jahr. Mittlerweile wird die Task-Halle (Punkt 7) bereits gebaut. Klicken Sie oben rechts für die gesamte Ansicht.

Kassel soll eine zweite Eishalle bekommen. Dies gaben am Montag Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) und Jörg Schaal bekannt.

Schaal ist Projektentwickler bei der städtischen Tochtergesellschaft „GWG pro“, die die Halle planen, bauen und betreiben soll. Zuvor bedarf es aber noch der Zustimmung der Stadtverordneten. Zudem müssen bau- und planungsrechtliche Details geklärt werden. Wenn alles glatt läuft, könnte die Halle 2022 fertiggestellt sein.

Wie viel das Vorhaben kosten wird, dazu gab es keine konkreten Angaben. Fest steht: Die Stadt wird einen von der Stadtverordnetenversammlung bereits bewilligten Betrag von einer Million Euro beisteuern und dann über Jahre hinweg der „GWG pro“ Miete garantieren.

Als Standort ist eine Fläche im Sportareal Auepark vorgesehen – an der Straße „Am Sportzentrum“. Ein Kunstrasenplatz soll dafür weichen. Ersatz für ihn könnte es dann an anderer Stelle geben.

Die zweite Eisfläche soll ausschließlich dem Amateursport dienen. Hauptsächlich profitieren von ihr würden die Nachwuchsteams der Eishockey-Jugend Kassel (EJK) sowie der Eiskunst- und Rollschuhlaufverein Kassel. Sie alle sollen die neue Sportstätte kostenfrei nutzen können. „Wir wollen damit den Nachwuchs gleichstellen mit dem Nachwuchs in anderen Sportarten“, sagte Oberbürgermeister Geselle. Aktuell steht den Eissportlern nur die privat betriebene Eissporthalle zur Verfügung. Ein Kooperationsvertrag regelt derzeit die Zusammenarbeit zwischen den Profis der Kassel Huskies und der EJK. Die EJK stellt den Huskies die Lizenz zur Verfügung, im Gegenzug erhält der Nachwuchs Eiszeit. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Öffentlichen Eislauf soll es in Zukunft weiterhin nur in der Eissporthalle geben.

Mit der Vorstellung der Pläne hat die Stadt zugleich die Idee aufgegeben, eine zweite Eisfläche direkt an die Eissporthalle zu bauen. Entsprechende Gespräche mit den Huskies und deren Chef Joe Gibbs führten nicht zum Ziel. „Irgendwann reicht es dann eben auch“, sagte Geselle.

Die Kassel Huskies zeigten sich gestern überrascht von der Entwicklung. „Wir waren über eine lange Zeit in sehr guten Gesprächen mit der Stadt“, sagte Gibbs. Er äußerte sich auch verwundert darüber, dass mögliche Synergie-Effekte wie der Gebrauch einer Eismaschine, die rund 150.000 Euro koste, seitens der Stadt nun nicht genutzt würden.

Das ist Kassels Sportviertel

Mit einer zweiten Eishalle soll das Aueparkareal eine weitere Sportstätte bekommen. Längst hat sich das Gebiet in der Südstadt zu Kassels Sportviertel entwickelt. Nur: Was ist wo? Und was entsteht noch? Eine Übersicht:

Das existiert bereits

1) Tennisplätze des TC 31: Der Tennisclub ist an der Menzelstraße zu Hause. Insgesamt gibt es hier neun Außenplätze und zwei Plätze in der Halle. Der Traditionsverein hat mehr als 350 Mitglieder.

2) Eissporthalle: Hier ist der Eishockey-Zweitligist Kassel Huskies beheimatet, der dort seine Heimspiele austrägt. 6100 Zuschauer haben dort dann Platz. Außerdem trainieren und spielen hier Nachwuchs- und Amateurteams. Auch öffentlicher Eislauf findet hier statt.

Die Halle wurde im Februar 1977 eröffnet und ist demnach in die Jahre gekommen. Langjähriger Halleneigner war der mittlerweile verstorbene Simon Kimm. Derzeit betreibt Huskies-Chef Joe Gibbs die Eishalle.

Mitunter dient sie auch als Austragungsstätte von Konzerten und anderen Veranstaltungen. Immer mal wieder gab es Pläne, die Eissporthalle zu renovieren und in eine Multifunktionsarena umzubauen, in der dann auch die Erstliga-Handballer der MT Melsungen aktiv sein könnten, die derzeit noch in der Rothenbachhalle der Messe auflaufen. Auch wenn derzeit keine konkreten Pläne bekannt sind: Ausgeschlossen ist eine solche Kooperation für die Zukunft nicht.

3) Das Auestadion: Neben der Eissporthalle ist das Auestadion das Herzstück des Sportareals Auepark. Auch wenn hier derzeit kaum mehr als 2000 Zuschauer die Heimspiele des Hessenligisten KSV Hessen Kassel besuchen, bietet es Platz für 18 737 Zuschauer. Zum Pokalspiel gegen Hannover 2015 war das Auestadion ausverkauft. Eine tolle Kulisse ist auch am 31. August zu erwarten, wenn das Frauen-Nationalteam ein Länderspiel gegen Montenegro austrägt.

Nach der 2010 abgeschlossenen Sanierung ist das 1953 errichtete Auestadion auch wieder attraktiv für große Leichtathletik-Wettkämpfe. Nach 2011 und 2016 wird Kassel auch 2021 Ausrichter der Deutschen Meisterschaften sein. Zudem ist die Sportstätte regelmäßig das Ziel der Läufer beim Kassel-Marathon.

Aber nicht nur Sport wird hier betrieben. Auch Konzerte finden im Auestadion statt; so war zum Beispiel Herbert Grönemeyer einst zu Gast. Dass die Stadt das Auestadion betreibt, lässt sich erahnen: Schließlich befindet sich im Innenbereich auch das Sportamt.

4) Nebenanlage des Auestadions: Sie dient vor allem den Leichtathleten zum Warmmachen; hier gibt es aber auch Wurfanlagen.

5) Institut für Sport- und Sportwissenschaften: Auch die Universität Kassel ist im Sportareal Auepark vertreten. Das Institut ist eine wissenschaftliche Einrichtung und wurde 2001 gegründet. In dem Gebäude an der Damaschkestraße gibt es neben Unterrichtsräumen unter anderem auch ein Fitnessstudio.

6) Großsporthalle Auepark: Die städtische Halle wurde 1983 eingeweiht und bietet 1700 Zuschauern Platz. Auf einem Großfeld oder auch drei Kleinfeldern lässt sich Basketball, Hallenfußball und Handball spielen. Auch für die Leichtathletik eignet sich die Halle, in der auch Tanzsportler aktiv sind. Interessant: Es gibt auch einen Boxraum, einen Kraftraum, einen Seminarraum und einen Werferraum.

8) Fitnessstudio Balance Fitness- und Wellnessclub und Tanz Zentrum Auepark: Das Fitnessstudio an der Damaschkestraße wird privat betrieben und bietet auch eine Saunalandschaft. Außerdem trainieren an diesem Standort die Standardtänzer vom Rot-Weiss- Klub Kassel.

9) KSV-Geschäftsstelle und Trainingsplatz: Hier ist der KSV Hessen präsent: Neben der Geschäftsstelle in „Eppo‘s Clubhaus“ gibt es auch ein Funktionsgebäude des Vereins. Der angegliederte B-Platz dient vornehmlich als Trainingsfläche. Er gehört aber der Stadt.

10) Tennisplätze TC Auepark: Auch hier wird Tennis gespielt. Die Plätze sind die Heimat vom TC Auepark.

11) Bolzplatz: Auf dem ebenfalls städtischen C-Platz trainieren vornehmlich Jugendmannschaften.

12) G-Platz: Auf dem Naturrasenplatz der Stadt trägt die zweite Fußball-Mannschaft des KSV Hessen ihre Spiele aus. Auch Freundschaftspartien des Hessenligateams finden hier mitunter statt.

13) Neuer Kunstrasenplatz: Die städtische Einrichtung ist vor annähernd eineinhalb Jahren fertiggestellt worden. Der Kunstrasenplatz wird bis nachmittags von der Universität genutzt, danach vornehmlich von Nachwuchsteams des KSV Hessen, aber auch von anderen Sportvereinen.

15) Der alte Kunstrasenplatz: Er ist annähernd zehn Jahre alt und der einzige Kunstrasenplatz, der mit Mikroplastik befüllt ist. Eine Umrüstung solcher Plätze – wie von der Europäischen Chemikalienagentur angestoßen – wäre mit erheblichen Kosten verbunden. Auch deshalb soll er nun weichen – zugunsten der zweiten Eisfläche. Leidtragende sind dann der KSV Hessen Kassel und die Lacrossespieler, die weniger Platz zur Verfügung hätten und ausweichen müssten.

16)  Hockeyplatz: Hier ist der Hockey Club Kassel zu Hause.

Das wird gebaut

7 ) Die Task-Halle: Task steht für Transfer- und Anwendungszentrum Sport in Kassel und ist auf eine Kooperation der Stadt mit der Universität zurückzuführen. Task beschäftigt sich mit sportbezogenen Projekten zum Wohle aller. Zu diesem Zweck wird derzeit eine Drei-Felder-Sporthalle neben die Großsporthalle Auepark gebaut. Zusätzlich wird es unter anderem ein Verwaltungsgebäude geben. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 6,9 Millionen Euro. Darin enthalten sind auch die Kosten für einen Kunstrasenplatz, der als Ersatz für den Wegfall des Sportplatzes entsteht, auf dessen Fläche die Halle gebaut wird. Finanzielle Träger sind die Stadt Kassel, die Universität Kassel und das Land Hessen. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2020 geplant.

Das ist in Planung

14) Die zweite Eishalle: Wird nun angegangen und soll dort entstehen, wo derzeit ein Kunstrasenplatz ist. Die Umkleidekabinen und sanitären Einrichtungen der Halle sollen schließlich auch von Sportlern genutzt werden, die auf den Plätzen in unmittelbarer Nähe aktiv sind.

Durch den Bau einer zweiten Eishalle erhofft sich die Stadt, dass sie vom Deutschen Eishockeybund als „Verbandsstützpunkt Nachwuchs“ offiziell anerkannt wird – und somit der Eishockey-Standort weiter aufgewertet wird. Das Prädikat hat laut Angaben der Stadt bisher nur Hamburg.

Umsetzen soll das Projekt mit der „GWG pro“ jene Tochtergesellschaft der Stadt, die sich auch um die Schulen kümmert. Bis 2022 könnte die Halle fertig sein.

Reaktionen

Joe Gibbs, Geschäftsführer der Kassel Huskies: „Wir waren bereit, eine zweite Eisfläche unmittelbar neben der Eissporthalle zu realisieren. Wir haben der Stadt einen Plan vorgelegt, auch stand unsere Finanzierung. Leider wurde das Angebot seitens der Stadt abgelehnt. Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden.“ Er betont aber auch: „So wird unser bereits entwickeltes Jugendkonzept vorangetrieben, junge Spieler aus der EJK zu fördern und in den Profibereich zu integrieren.“ Auch freue er sich, dass die Huskies-Idee, einen Nachwuchs-Leistungsstandort zu etablieren, von der Stadt aufgegriffen werde. Man sei offen für weitere Gespräche.

Matthias Kolodziejczak, Chef der Eishockey-Jugend: „Es ist ein Riesenschritt. Wir sind überwältigt, dass die zweite Eisfläche nach so vielen Jahren kommt. Für unsere Jugend wird ein Traum wahr. Wir können bessere Trainingszeiten anbieten, die Ausrüstung in der Halle lassen, Talenten eine andere Perspektive bieten, sie hier halten, und andere anlocken.“

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