Vegetarierbund gründet Regionalgruppe – Werben in Restaurants auch für vegane Kost

Der Tisch ist gedeckt: Stefan Sander und Natascha Hollstein haben ein Herz für Tiere. Vegetarier-Witze können sie nicht mehr hören. Foto: Ludwig

Kassel. Witze über Vegetarier machen sie müde. Zu oft haben sie Sprüche wie „Ey, du isst meinem Essen das Essen weg“ gehört. Beeindrucken lassen haben sich Natascha Hollstein (23) und Stefan Sander (23) davon nicht.

Ihre Jugend basiert auf rein pflanzlicher Basis – was bei einer Kindheit auf dem Dorf nicht immer leicht gewesen sei. Nun haben die Kaufungerin und der Kasseler die Regionalgruppe Kassel des Vegetarierbundes gegründet.

Sie suchen Kasseler ohne Fleisch: Die Mitglieder der Gruppe treffen sich regelmäßig, um Rezepte auszutauschen, Aktionen zu planen oder gemeinsam vegetarisch und vegan zu grillen. Im Sommer steht die Besichtigung einer Kasseler Tofu-Fabrik an. Neue Mitglieder sind willkommen. Entstanden ist die Gruppe aus Mitgliedern eines vegetarischen Stammtischs, der einmal monatlich zusammenkommt - das nächste Mal am 8. Mai, 19 Uhr, im La Tomate, Entenanger 2.

Oft Pommes ohne Schnitzel

Der Student und die Sachbearbeiterin beim Regierungspräsidium halten das Kasseler Angebot für Vegetarier und Veganer für ausbaufähig. Viele Restaurants seien noch zu einfallslos, wenn es um Gerichte für eine immer größer werdende Kundengruppe gehe. „Viele lassen bei Schnitzel mit Pommes einfach das Schnitzel weg“, sagt Sander. Deshalb wolle die Gruppe Küchenchefs ansprechen und Vorschläge machen, wie die Speisekarte erweitert werden könne.

Weitere Ideen sind ein vegetarischer Stadtplan, auf dem alle Angebote verzeichnet werden sollen und eine Initiative für die Uni-Mensa. „Mit der Grünen Hochschulgruppe wollen wir versuchen, das vegane Angebot auszuweiten.“ Mit einem Infostand waren Sander und Hollstein bereits mehrfach in der Stadt präsent: „Wir sagen den Leuten nicht, dass Fleisch bäh-bäh ist, sondern informieren“, sagt Sander. Vor allem mit Zahlen versucht er zu überzeugen: „Die tierische Landwirtschaft ist schon jetzt weltweit für 18 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, der gesamte Verkehr nur für 13,5 Prozent.“ Auch mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung sei ein Umdenken nötig.

6 Mio. Vegetarier

Die Gruppengründer freuen sich, dass dieses Umdenken bei immer mehr Menschen einsetze. Der Vegetarierbund spricht von sechs Mio. Deutschen, die fleischlos leben. Dass sie längst nicht alle überzeugen kann, weiß Hollstein. Ihr Opa versteht seine Enkelin jedenfalls nicht: „Er sagt zu mir: ,Das kann nicht gesund sein, Natascha, du brauchst das Eisen.‘“

Die 23-jährigen Veganer verzichten seit etwa drei Jahren auf tierische Produkte: Keine Milch, kein Honig, aber auch keine Lederschuhe. „Fleischtomaten und Kokosmilch sind okay“, sagt Sander und schmunzelt. Für ihn und Hollstein ist entscheidend, dass kein Tier für ihren Konsum leiden muss. Etwas Fleisch liegt im Kühlschrank der Kaufungerin aber doch: das Futter für ihre Katze.

www.kassel.vebu.de

Von Bastian Ludwig

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