Menschen 2021

Kasseler Architekt weltweit beachtet: Jens Richter hat mit Neubau des Munch Museums in Oslo für Furore gesorgt

Spektakulärer Neubau in Oslo: Entwurf und Bauphase des Munch Museums hat der Kasseler Architekt mit dem Büro Estudio Herreros verantwortet.
+
Spektakulärer Neubau in Oslo: Entwurf und Bauphase des Munch Museums hat der Kasseler Architekt mit dem Büro Estudio Herreros verantwortet.

Wenn Architekt Jens Richter in diesen Tagen in Kassel ist und seine Familie und alte Freunde trifft, wird er vor allem auf ein Thema angesprochen: das neue Munch Museum in Oslo.

Der 44-Jährige, der Mitinhaber des Architekturbüros „Estudio Herreros“ in Madrid ist, hat das monumentale 13-geschossige Gebäude am Fjord der norwegischen Hauptstadt entworfen und die Bauarbeiten begleitet.

Wegen des markanten Knicks in der Fassade hat sich das sprachliche Bild eingeprägt, dass der Neubau sich vor der Stadt und ihrem weltbekannten Maler Edvard Munch verneige.

13 Jahre hat das Projekt, das international für Furore sorgte, den aus Kassel stammenden Architekten beschäftigt – von der ersten Idee bis zur Fertigstellung.

Und so muss er nicht lange überlegen, was für ihn das Highlight des zu Ende gehenden Jahres war: der 22. Oktober, an dem das Museum eröffnet wurde. „Das ist ein Moment, der sich einschreibt“, sagt der 44-Jährige, für den der Tag auch den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere markiert.

Und dabei ist die Privataudienz beim norwegischen Königspaar noch nicht einmal das erste, an das er denkt – auch wenn Staatsoberhaupt Harald V. und seine Frau Sonja äußerst freundlich und interessiert gewesen seien.

Zu sehen, wie die Menschen das Museum mit Leben füllen und der Bau seinen Zweck erfülle, habe ihn am meisten beglückt, sagt der Architekt, der in Harleshausen aufgewachsen ist. Das sei ein bisschen, als wenn ein Kind das Haus verlässt und auf eigenen Beinen stehe.

Auch er selbst habe das Gebäude noch mal mit anderen Augen gesehen, das neben Ausstellungs- und weiteren Publikumsräumen auch ein Café, ein Restaurant und eine Cocktailbar nebst Dachterrasse mit spektakulären Ausblicken über Oslo beherbergt.

Zu Besuch in der Heimat: Jens Richter vor dem Fridericianum, für ihn „Kassels kulturelles Epizentrum“. Dort besuchte er als Schüler seine ersten Ausstellungen.

„Es hat alles Sinn gemacht zusammen,“ sagt Richter, dem sein selbst geplantes Gebäude plötzlich noch besser gefiel, als er es sich vorgestellt hatte. Mehr als 160 000 Besucher hat das Museum seither gezählt – was angesichts Corona-Einschränkungen die Erwartungen weit übertreffe, wie eine Sprecherin mitteilt.

Dass die Eröffnung in der Pandemie überhaupt noch gebührend gefeiert werden konnte, sei ein Glücksfall gewesen, sagt Jens Richter: „Es war, als hätte sich kurz ein Fenster im Nebel geöffnet.“

Die Leute seien regelrecht euphorisch gewesen – wozu sicher auch der Seltenheitswert eines solchen Events in Corona-Zeiten beigetragen habe. Er und sein spanischer Geschäftspartner Juan Herreros gaben Interviews am laufenden Band.

Auch das Interesse deutscher Medien sei enorm gewesen, sagt der Kasseler, dessen Name in der Architekturszene jetzt ein Begriff ist.

Bedeutet „Munch“, wie sich das Museum in Kurzform nennt, also auch einen Karriere-Booster? „Das wird man sehen“, sagt Richter, der trotz seiner beruflichen Erfolge auf dem Boden geblieben ist.

„Man muss sich das nach wie vor alles erarbeiten“, betont er. „Aber ich hätte schon Interesse, die Bekanntheit in ein schönes Projekt umzuwerten – speziell in Deutschland.“

Denn nach vielen Jahren, die er mit seiner ebenfalls aus Kassel stammenden Lebensgefährtin in China, den Niederlanden und nun in Spanien verbracht hat, freut er sich über jede zusätzliche Gelegenheit, die ihn in seine Heimat zurückbringt – über die jährliche Sommerreise nach Nordhessen und den Weihnachtsbesuch hinaus. (Katja Rudolph)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.