Millionenprofit mit Flüchtlingen: Kasseler Arzt sorgt in Berlin für Aufregung

Kassel. Der Fall eines Arztes aus Kassel sorgt weiter für Aufregung. Der Mann soll für Behörden in den vergangenen 35 Jahren 50.000 Atteste über die Reisetauglichkeit für die Abschiebung von Ausländern ausgestellt haben.

Und sich so Folgeaufträge verschafft haben.

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Aufklärung zu dem Fall hatte sich die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus am Montag von Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erhofft, der allerdings kaum etwas zu den 20 Fragen der Fraktion der Linken sagte. „Leider haben wir darauf nur wenige Antworten bekommen“, so der Linken-Abgeordnete Hakan Tas. Aber es sei versprochen worden, dass die Fragen schriftlich bis zum Ende der Woche beantwortet werden sollen.

Wie kürzlich im Fall einer rechtswidrig abgeschobenen Türkin herauskam, soll der Kasseler Arzt offenbar gezielt für die schnelle Abwicklungen von Abschiebungen eingesetzt worden sein. Bestätigt wurde im Ausschuss, dass der Mediziner seine Zulassung bei der Ärztekammer in Niedersachsen 2012 abgemeldet habe. Dennoch habe der in Kassel gemeldete Mann auf Honorarbasis bis 2014 im Auftrag der Berliner Polizei gearbeitet.

Seit 2009 soll er zwei Atteste zur Reisefähigkeit ausgestellt haben und 30 Mal Ausländer auf den Flügen in ihre Abschiebungsländer begleitet haben. „Wir fordern jetzt, dass nicht nur die 30 Fälle aus den vergangenen sechs Jahren aufgeklärt, sondern alle 50.000 Gutachten des Arztes seit 1980 geprüft werden“, so Tas. Für die Berliner Polizei würden noch weitere 79 Gutachter auf Honorarbasis arbeiten, auch hier sei zu prüfen, ob eine Spezialausbildung für die Prüfung von Reise- und Flugtauglichkeit vorliegt. (kme)

Rubriklistenbild: © dpa

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