Trotz Osterferien brauchen Autofahrer Geduld

Die Kasseler Baustellen und ihre Folgen: Wir geben einen Überblick

+
Autos dicht an dicht: Auf der Frankfurter Straße in Kassels Südstadt sind Staus am späten Nachmittag an der Tagesordnung.

Kassel. Auf den Straßen der Stadt ist es ferienbedingt ruhiger geworden. Trotzdem bleibt Kassel aus Autofahrersicht eine einzige Baustelle.

Bis zur documenta-Eröffnung am 10. Juni muss alles fertig sein. Deshalb wird überall weiter gebuddelt, bleiben wichtige Straßenverbindungen weiterhin gesperrt. Damit bleibt fast die ganze Stadt eine Staustelle.

Wer wie wir Journalisten häufig in Kassel unterwegs sein muss, kann davon ein Lied singen. Ellen Schwaab, Ulrike Pflüger-Scherb, Bastian Ludwig, José Pinto und Jörg Steinbach haben hier mal auf ihren ganz persönlichen und oft genutzten Fahrstrecken die besonders nervigen Staustellen aufgelistet und beschrieben.

Dazu gibt es Erklärungen, warum sich der Autoverkehr dort selbst in den Ferien staut und auch Tipps für Autofahrer, wie man sich an problematischen Ecken verhalten sollte und ob es Chancen gibt, den einen oder anderen Dauerstau geschickt zu umfahren.

Nicht verschweigen wollen wir, dass auch die Nutzer von Bussen und Straßenbahnen Umleitungen wegen der Baustellen in Kauf nehmen müssen. 

Eisenschmiede: Staus und Umwege 

Bitte einfädeln: Auf der Ihringshäuser Straße vor der Eisenschmiede staut es sich.

Wer in diesen Tagen aus der Innenstadt in Richtung Ihringshausen unterwegs ist, muss sich spätestens an der Weserspitze in eine lange Autoschlange einreihen. Geduld ist gefragt. Auslöser ist der Umbau der Straßenbahnhaltestelle an der Eisenschmiede. Deshalb werden Autofahrer, die eigentlich auf der Ihringshäuser Straße in Richtung Stadtgrenze fahren wollen, ab Weserspitze umgeleitet. In einem großen Bogen geht es durch den Stadtteil Wolfsanger wieder auf die Ihringshäuser Straße. Dabei lernt man als Autofahrer zwar Ecken kennen, die einem sonst verborgen geblieben werden, aber das kostet auch viel Zeit. Der einzige Trost ist, dass der Umbau der Haltestelle nicht so lange dauert. Bereits ab 14. April gehört der Umweg durch den Stadtteil Wolfsanger der Vergangenheit an. 

Weinberg: Schneckentempo 

Zum Glück sind die Arbeiten an der Stützmauer beendet. Wer im Feierabendverkehr den Stau auf der Frankfurter Straße endlich hinter sich hatte, den erwartete am Weinberg wegen der gesperrten rechten Fahrspur ein kleines Chaos. Das ist seit dieser Woche vorbei, das hohe Verkehrsaufkommen aber nicht. Seit die Ludwig-Mond-Straße wegen der Umbauarbeiten gesperrt ist, fährt alle Welt über die Frankfurter Straße. Wer von dort über Trompete und Wilhelmshöher Allee weiter will, hat gelitten. Die Wilhelmshöher Allee ist wegen der Gleisbauarbeiten in Höhe Brüder-Grimm-Platz ein Nadelöhr. Auf der Fünffensterstraße gibt’s deshalb nur einen Linksabbieger. Zu Stoßzeiten staut sich der Verkehr bereits auf dem Weinberg. Da kann man froh sein, wenn man heil über die verstopfte Trompete kommt.

Königstor: Dauer-Engpass

Dauer-Engpass Mehr Straßenbahnen auf der Friedrich-Ebert-Straße, die Wilhelmshöher Allee Baustelle – da wählt mancher Autofahrer den Weg übers Königstor. Doch schneller geht es dort auch nicht voran. Im Gegenteil. Die Dauerbaustelle bei den Städtischen Werken sorgt für einen Engpass, der es in sich hat. Weil dadurch auch etliche Parkplätze weggefallen sind, stellen manche Kunden ihre Autos („ist ja nur für kurz“) auf dem Bürgersteig oder in Einfahrten ab und tragen damit dazu bei, dass es noch unübersichtlicher wird. Nun wird auch noch an der Ecke Friedrichsstraße gebuddelt, mit entsprechenden Einschränkungen für den Verkehr. Gestern Morgen war die Einfahrt gesperrt. Am anderen Ende des Königstors, in Höhe Westendstraße, sorgen Arbeiten an einem Neubau in der Kurve stadteinwärts für brenzlige Situationen. Hier ist besondere Vorsicht gefragt, gleich hinter der Kurve und nur schlecht einzusehen gibt es einen provisorischen Zebrastreifen für Fußgänger. Also, Schritttempo!

Dauerbaustelle: Am Engpass vor dem Gebäude der Städtischen Werke am Königstor geht es nur schleppen vorwärts.

Tischbeinstraße: Geduldsprobe 

Jetzt in den Ferien ist der Stau auf der Tischbeinstraße in Richtung Kohlenstraße zumindest zeitweise nicht mehr so lang. Übers Wehlheider Kreuz geht es nur auf einer Spur und nur geradeaus. Zu den Hauptverkehrszeiten wird die Staustelle zur Geduldsprobe. Die Autos stauen sich zurück bis in Höhe der Pfannkuchstraße. Und vorn an der Ampel kommen in den kurzen Grünphasen nur wenige Wagen über die Kreuzung, die gar keine mehr ist. Denn die Schönfelder Straße ist durch Bauarbeiten weitgehend dicht. Deshalb ist die Ludwig-Mond-Straße nicht wirklich eine Alternative. Und weil es auf der Wilhelmshöher Allee auch nur im Schneckentempo vorangeht, versuchen viele Autofahrer auf dem Weg Richtung Westen ihr Glück eben auf der Tischbeinstraße – und stehen im Stau. 

Leipziger Straße: Staus und Umwege 

Zu Verkehrsbehinderungen kommt es rund um den Platz der Deutschen Einheit. Grund sind Kanalbauarbeiten bis Ende Mai. Wer vom Großen Kreisel stadtauswärts auf die Leipziger Straße will, muss einen knapp zweieinhalb Kilometer langen Umweg über die Dresdner und Sandershäuser fahren. Das kostet je nach Verkehrslage fünf bis zehn Minuten. Dasselbe gilt für stadteinwärts fahrende Autos, die oft in einem bis zur Ecke Sandershäuser Straße reichenden Rückstau stehen. Noch länger sind die Rückstaus – insbesondere in den Stoßzeiten – auf der B 83 in Richtung Autobahn und Messehallen. Rückstaus bilden sich ebenfalls aus Richtung Altmarkt/Innenstadt und aus Richtung Hafen. Wer kann, sollte den gesamten Bereich zumindest zu den Hauptverkehrszeiten meiden. 

Wilhelmshöher Allee: Linksabbieger 

Kann ich heute links von der Wilhelmshöher Allee auf die Schönfelder Straße abbiegen oder nicht? Diese Frage wird in diesen Tagen zum Glücksspiel. Manchmal funktioniert es, gestern war der Linksabbieger wieder von Baufahrzeugen blockiert. Das bedeutet Umwege über die Wittrockstraße oder einen Verstoß gegen die Verkehrsregeln, sich vorbei mogeln, wenn man zügig auf der Ludwig-Mond-Straße landen möchte. Viel Zeit muss man ohnehin derzeit aufbringen, wenn man von Mitte ein anderes Ziel in der Stadt erreichen will. Und jene Fahrer, die auf der Wilhelmshöher Alllee im Baustellenbereich schneller als Tempo 30 auf dem Tacho haben, werden auch noch geblitzt. Natürlich sind die Blitzer der Baustelle angepasst worden.

Baustellen rufen Ratten auf den Plan

Karsten Köhler

Die zahlreichen Baustellen auf Kassels Straßen haben einen unangenehmen Nebeneffekt: Plötzlich tauchen am helllichten Tag Ratten in Stadtgebieten auf, wo sie sonst eher weniger zu sehen sind. Ein HNA-Leser sichtete beispielsweise einige Exemplare an der Wilhelmshöher Allee 140 und hat dies auch dem Ordnungsamt gemeldet. Wir befragten Karsten Köhler von Kassel-Wasser. 

Steht das Auftauchen von Ratten im Zusammenhang mit den Straßenbauarbeiten? 

Karsten Köhler: Das ist so. Die Wanderratte, Rattus norvegicus, von manchen als Kanalratte bezeichnet, lebt in unterirdischen Bauten. Durch Erschütterungen, verursacht durch Erdarbeiten, wird sie aufgescheucht. Sie flieht dann aus ihren Erdbauten und kommt an die Oberfläche. Sie lebt aber nicht – wie oft behauptet – in Kanalrohren, sondern nutzt diese nur, um sich unterirdisch fortzubewegen.

Was tun Sie dagegen? 

Köhler: Wir bei Kassel-Wasser haben einen eigens ausgebildeten Fachmann für Nagetierbekämpfung. Er bekämpft die Schadnager im öffentlichen Abwassersystem. Das geschieht nach strengen Vorschriften. Für uns ist das aber unspektakulär, weil es zu unserem Arbeitsalltag gehört.

Kann der einzelne Bürger auch etwas beitragen? 

Köhler: Unbedingt. Um eine Rattenplage am effektivsten einzudämmen, sollte tunlichst vermieden werden, Essensreste in die Toilette zu schütten. Ratten sind stets da, wo sie menschliche Essensreste fressen können. Auch Komposthaufen können Ratten anziehen. Gelbe Säcke dürfen nicht zu lange an der Straße stehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.