Made in Kassel

Spezialist für Schwieriges: Kasseler Bauunternehmen Hermanns bundesweit aktiv

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Ein Betrieb, zwei Generationen: Dr. Anne Fenge (42) und ihr Ehemann Swen Haar (50) sitzen im Vorstand. Ihr Vater Gerhard Fenge (77) ist Aufsichtsratsvorsitzender.

Kassel. Erfolgreiches aus Kassel stellen wir in unserer Serie zum Stadtjubiläum vor. Es geht um Erfindungen, Entdeckungen, Forschung und Innovation, aber auch um herausragende Produkte und Dienstleistungen „Made in Kassel“. Hier: das Bauunternehmen Hermanns.

Die Hermanns AG ist bundesweit unterwegs. Der Spezialist für Deponie- und Rohrleitungsbau in den Bereichen Gas, Wärme, Wasser und Abwasser sowie im Sportstätten-Geschäft verdient mehr als zwei Drittel seines Geldes außerhalb der Region. Was aber nicht heißt, dass in Nordhessen nichts passierte. Das Traditionsunternehmen hat auch im Heimatmarkt eine Vielzahl von Vorzeige-Projekten.

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Insbesondere im Hochbau. Allen voran der Flughafen Kassel-Calden, den Hermanns gemeinsam mit der Kirchheimer Bickhardt Bau in Rekordzeit aus dem Boden gestampft hat. „Wir haben zwölf Monate vor Eröffnung des Flughafens versprochen, dass er am 4. April des nachfolgenden Jahres fertig sein würde, und wir haben Wort gehalten – trotz des schlimmsten und längsten Winters seit Jahrzehnten“, sagt Seniorchef Gerhard Fenge nicht ohne Stolz.

Dort oben haben seine Leute auch die neue, architektonisch anspruchsvolle Piper-Europa-Zentrale errichtet, ebenso das Parkhaus der Kasseler Bank, die Erweiterung des Kongress Palais in Kassel, Logistikgebäude für B.Braun in Melsungen, zahlreiche Geschäftshäuser, und, und, und. Derzeit bauen die Kasseler unter anderem das Wingas-Gebäude im Königstor und ein Einkaufszentrum in Bebra (Kreis Hersfeld-Rotenburg).

In Frankfurt erschließen sie einen komplett neuen Stadtteil, der später bis zu 15 000 Menschen ein neues Zuhause, 3000 einen Job und 8000 einen Studienplatz bieten soll. In der Druseltalstraße und in der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel arbeitet Hermanns zwei umfangreiche Kanalbauprojekte ab, bundesweit sind die Spezialisten auf acht Deponie-Baustellen im Einsatz.

Und wirklich nicht alltäglich: In Wiesbaden-Erbenheim, wo Hermanns an der neuen Europa-Zentrale der US-Streitkräfte für 40 000 Menschen mitwirkt, bauen die Kasseler derzeit ein Baseball-Stadion mit Tribüne, Fußballfeldern und Spielplätzen. „Wir haben gut zu tun“, sagt Vorstand Dr. Anne Fenge, auch bundesweit eine der wenigen Frauen an der Spitze eines Bauunternehmens.

Einen Grund für die gute Auftragslage sieht sie nicht nur in der hohen Spezialisierung des Unternehmens, sondern auch in den „guten Mitarbeitern“. 400 sind es in der Gruppe, davon 230 am Firmensitz, der Rest in Erfurt. Allein 50 Ingenieure beschäftigt Hermanns, was die Kompetenz der Kasseler bei anspruchsvollen Großprojekten unterstreicht. Anne Fenge: „Wir tun Dinge, die nicht jeder kann.“ Ihr Vater sieht aber einen weiteren Grund für die Tatsache, dass das Unternehmen Hermanns seit 64 Jahren existiert.

„Ein Familienbetrieb über Generationen erfolgreich zu führen, braucht Kraft, Leidenschaft und natürlich das Glück, dass ihn einer fortführt“, sagt er. Das Glück hat er in seiner Tochter und seinem Schwiegersohn gefunden. Sie führen das Unternehmen in seinem Sinn. „Man muss ständig für Neues offen sein, sonst scheitert man“, sagt der Seniorchef Gerhard Fenge.

Von José Pinto

Hintergrund

Familienbetrieb in dritter Generation – Fast 400 Mitarbeiter

Die Hermanns AG ist die größte Bauunternehmung in der Stadt Kassel. Das in dritter Generation familiengeführte Unternehmen besteht seit 1950. Damals übernahm der spätere Schwiegervater des heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Fenge, Karl Holzapfel, die Kasseler Niederlassung des Bauunternehmens Hermanns aus Oberbruch bei Eschweiler im Rheinland.

Der Elgershäuser war bis dahin Leiter der Filiale, die eigens für den Wiederaufbau des 1980 geschlossenen Enka-Spinnfaser-Werks gegründet worden war. Mitte der 50er-Jahre kam Fenge als Maurerlehrling in die Firma, lernte dort Holzapfels Tochter und seine spätere Frau Lieselotte kennen, absolvierte nach der Ausbildung das Baustudium an der Kasseler Ingenieurschule und kam 1959 als junger Bauingenieur zurück. Damals hatte der Betrieb 35 Leute. Spektakulärste Baustellen waren seinerzeit das heutige Wilhelmsgymnasium in der Kunoldstraße sowie die ehemalige Polizeizentrale am Altmarkt.

Auf jener Baustelle war der spätere hessische Ministerpräsident Holger Börner Polier. Vor zehn Jahren stieg mit Dr. Anne Fenge und deren Mann Swen Haar die dritte Generation ins Unternehmen ein. Die beiden Ökonomen führen den mittelständischen Betrieb seit 2009 gemeinsam mit Vorstandssprecher Hans-Ulrich Hujer. Die Aktien-Mehrheit liegt bei der Chefin, einen Teil des Kapitals halten Vater und Ehemann.

Seit Anfang 1992 firmiert die Gruppe als Aktiengesellschaft. Sie fungiert als Holding, unter deren Dach neun Einzelunternehmen agieren. Die jährliche Bauleistung (Umsatz) liegt bei 80 bis 85 Millionen Euro. Der Gewinnmargen seinen nach wie vor niedrig, sagt Anne Fenge, ohne konkrete Zahlen zu nennen. (jop)

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