Zahlungsverkehr

Kasseler bezahlen in Corona-Zeiten häufiger mit Karte

ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht von Katja Fischer vom 29. Juli 2020: Einfach die EC-Karte an den Bezahl-Terminal halten - bei kleinen Beträgen ist kontaktloses Bezahlen sogar ohne PIN-Eingabe möglich. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++ | Verwendung weltweit
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Einstecken ist häufig überflüssig: Bei einem Großteil der Zahlungsvorgänge im Einzelhandel muss die Karte nur noch an den Kontaktpunkt des Lesegeräts gehalten werden – die Eingabe einer Geheimzahl ist nicht nötig.

Das Hantieren mit Münzen und Scheinen ist momentan vielen unangenehm: Auch in Kassel verzeichnen Geldinstitute einen starken Zuwachs beim Karten-Einsatz an den Kassen.

Kassel – Auch in Kassel lassen immer mehr Kunden wegen Corona die Geldbörse stecken und zahlen statt dessen lieber bargeldlos mit Karte oder auch mit Smartphone. Örtliche Geldinstitute bestätigen diesen Trend, der sich neuerdings auch vermehrt bei kleineren Zahlungsbeträgen bemerkbar macht.

In den vier Filialen von Bäcker Becker etwa haben sich die Bezahlvorgänge mit Karte „vervielfacht“, berichtet Inhaber Andreas Becker: Wurde vor der Pandemie vielleicht jeder zwanzigste Brot- und Brötchenkauf per Kartenzahlung beglichen, sei es inzwischen fast ein Drittel des Bäckerei-Umsatzes.

Obwohl nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nichts dafür spricht, dass das Hantieren mit Bargeld das Risiko einer Covid-19-Infektion erhöht, seien die Kunden „auf jeden Fall vorsichtiger“ geworden, hat Becker bemerkt. Darauf habe sich seine Bäckerei sehr bald eingestellt und den Mindestbetrag für Kartenzahlungen von vormals fünf auf einen Euro abgesenkt.

Der kleinen Provision, die für jede Karten-Transaktion vom Zahlungsdienstleister einbehalten wird, stehen nach Angaben Beckers zwei Vorteile gegenüber: zum einen „der Schutz unserer Verkäuferinnen“, zum anderen der Wegfall von Fehlerquellen beim Kassieren: Wenn automatisch gebucht wird, sei es wahrscheinlicher, dass am Ende die Kasse stimmt.

Viele Geschäfte in Kassel bitten ihre Kundschaft per Aushang ausdrücklich darum, vor dem Corona-Hintergrund kontaktlos – sprich: bargeldlos – zu bezahlen. Immer seltener ist noch das Eintippen einer Geheimzahl (PIN) erforderlich: Bei Beträgen bis 50 Euro genügt es in der Regel, die Bankkarte oder das Smartphone mit Zahlungsfunktion nah an das Lesegerät zu halten.

Die Ermunterungen zeigen Wirkung. Im Jahr 2020 habe der Einsatz von Zahlungskarten bei der Kasseler Sparkasse um 20 Prozent zugenommen, teilte das Geldinstitut auf HNA-Anfrage mit. Die Volksbank Kassel Göttingen verzeichnete im Vorjahr zehn Prozent Zuwachs bei allen Kartenzahlungen – bei deren kontaktloser Variante waren es gar 33 Prozent mehr, sagte Banksprecher Peter Mühlhaus.

Nach seinen Angaben werden drei von vier Zahlungen mit Girocards der Volksbank inzwischen kontaktlos ausgeführt – im Januar 2020 habe dieser Anteil noch bei 60 Prozent gelegen. Auch das für viele noch exotisch anmutende Zahlen per Smartphone oder Smartwatch verzeichne steigende Nutzerzahlen – dabei sind die Kartendaten auf dem Gerät gespeichert, das nach Freigabe durch den Besitzer an den Kontaktpunkt des Kartenlesers gehalten wird und per Nahfeld-Technologie die Zahlung auslöst.

Eine zunehmende Nachfrage verzeichnet die Volksbank laut Mühlhaus nach mobilen Kartenzahlungs-Terminals, die zum Beispiel von Lieferdiensten eingesetzt würden. Auch bei der Kasseler Sparkasse sind solche Geräte gefragt: 8,3 Prozent mehr von ihnen als im Vorjahr habe das Institut 2020 an seine Kunden vermittelt, teilte Vorstandssprecherin Nicola Mütterthies mit.

Die Pandemie habe dem Thema Digitales Bezahlen einen gewaltigen Schub verpasst, meint Volksbank-Sprecher Peter Mühlhaus. Es sei zu beobachten, „dass die Verbraucher sehr stark Vertrauen gefasst haben“ in vorher vielleicht ungewohnte Zahlungsmethoden und die dahinter stehende Sicherheitstechnologie.

Auch Bäckermeister Andreas Becker glaubt, dass die jetzt durch den Corona-Anlass veränderten Zahlungsgewohnheiten der Kundschaft auch für die Zukunft Bestand haben werden: „Das wird mit Sicherheit so bleiben“, ist er überzeugt. Die Menschen hätten sich – wie auch bei der Arbeit im Homeoffice – an manche Neuerung gewöhnt.

Mehr Karteneinsätze als Barzahlungen im Einzelhandel

Die Pandemie scheint viele bisherige Kartenzahl-Muffel zum Umdenken zu bewegen: Das Handelsforschungsinstitut EHI prognostiziert, dass 2020 das wachstumsstärkste Jahr für elektronisches Bezahlen in Deutschland seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1994 gewesen sein wird.

Laut EHI ist die Bargeldnutzung im Vorjahr um eine Million Zahlungsvorgänge im Gesamtwert von rund 28 Milliarden Euro zurückgegangen. Der Nutzungsanteil der Girocard (früher EC-Karte genannt) stieg der Prognose nach von 33,6 auf 40,2 Prozent. Zuzüglich anderer bargeldloser Zahlungsformen – etwa das Lastschriftverfahren mit Unterschrift – werden inzwischen fast 56 Prozent aller Umsätze im deutschen Einzelhandel ohne Bargeld beglichen. (Axel Schwarz)

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