Aufautmen bei Lokbauern 

Kasseler Bombardier-Werk muss nur wenige Stellen abbauen

+
Hochzeitsvorbereitung: Carlos Martin richtet ein Drehgestell für das Aufsetzen des Wagenkastens her.

Kassel. Das Kasseler Bombardier-Lokwerk kommt beim geplanten Stellenabbau des deutsch-kanadischen Bahntechnik-Herstellers mit einem blauen Auge davon.

Wie Betriebsratsvorsitzender Markus Hohmann auf HNA-Anfrage bestätigte, muss Kassel über alle Abteilungen lediglich Stellen im unteren zweistelligen Bereich streichen.

Ein Abzug kompletter Bereiche wie etwa Einkauf und die mechanische Konstruktion ins Schwesterwerk Mannheim ist damit vom Tisch. Bombardier beschäftigt in Kassel 570 feste Mitarbeiter sowie 200 Leihkräfte. Die Auftragslage ist sehr gut. Wie berichtet, war zeitweise die Abwicklung des gesamten Standorts, später „nur noch“ der Abzug einiger Abteilungen geplant.

Management und Arbeitnehmervertretung von Bombardier haben sich am Mittwoch auf ein weitreichendes Umstrukturierungsprogramm geeinigt, das im Ergebnis zum Abbau von gut 1500 festen sowie fast 700 Zeitarbeiterstellen im Inland führt. Die Streichung der festen Stellen soll auf Freiwilligkeitsbasis erfolgen. Das heißt: Die Betroffenen werden abgefunden – in Abhängigkeit von Alter, Betriebszugehörigkeit und Eingruppierung.

Gleichzeitig werden die einzelnen Standorte noch stärker auf ihre Kernkompetenzen ausgerichtet. Kassel bleibt somit das weltweite Leitwerk für Lokomotiven. Bautzen wird Hauptwerk für U- und Straßenbahnen. Görlitz ist Kompetenzzentrum für Wagenkästen und soll aber nach Möglichkeit verkauft werden. Das Hauptwerk Hennigsdorf bei Berlin bleibt Entwicklungszentrum, muss aber einen Teil der Produktion abgeben.

Für Kassel hätte es weit schlimmer kommen können. Nach dem Willen des damaligen Managements sollte der Standort vor zwei Jahren zugunsten des italienischen Schwesterwerks in Vado Ligure abgewickelt werden, wogegen sich breiter Widerstand in der Region formierte. Als die Schließung schließlich abgewendet war, stand unter anderem die Verlagerung von mechanischer Konstruktion und Einkauf mit insgesamt etwa 140 Stellen nach Mannheim zur Debatte. Auch diese Option ist jetzt vom Tisch.

Die Auftragsbücher der Kasseler Bahntechnik-Profis sind voll. Wurden im vergangenen Jahr 100 Loks ausgeliefert, sollen 2018 mehr als 160 und in den Folgejahren 130 beziehungsweise 170 Zugmaschinen aus den großen Hallen im Industriegebiet Werk Mittelfeld in der Nordstadt rollen.

Neuestes Produkt der Kasseler: die dritte Generation der Multisystemlok (MS3). Sie tritt die Nachfolge der MS2, einer der wichtigsten Loks der vergangenen Jahre an. Die Zugmaschine kann mit unterschiedlichen Länderpaketen grenzüberschreitend in Netzen mit variierenden Stromarten, -stärken- und -abnehmern sowie mit differierenden Zugsicherungssystemen verkehren. Das erspart zeitraubende und damit teure Lokwechsel innerhalb Europas. So kann eine sogenannte DACHI-Lok entsprechend den Länderkennungen ohne lästige Wechsel zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien fahren. Grundsätzlich sind noch mehr Länder möglich.

Lesen Sie hier unseren Kommentar zum Thema.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.