1. Startseite
  2. Kassel

CDU-Politiker wirbt für Geselle (SPD) als Bürgermeister: „Klammheimliche Freude“ am Zwist in der SPD

Erstellt:

Von: Andreas Hermann

Kommentare

Unterstützt die Wahl des„unabhängigen Kandidaten Christian Geselle“: der ehemalige CDU-Stadtrat und CDU-Stadtverordnete Bernd Peter Doose. Das
Unterstützt die Wahl des „unabhängigen Kandidaten Christian Geselle“: der ehemalige CDU-Stadtrat und CDU-Stadtverordnete Bernd Peter Doose. Das © entstand 2021, als er sich aus der Stadtpolitik verabschiedete. archivFotoS: andreas fischer/Pia Malmus/Marcus Leitschuh

Christdemokrat Bernd Peter Doose empfiehlt Wahl des „unabhängigen Kandidaten Geselle“ – obwohl es eine CDU-Kandidatin gibt.

Kassel – „Wir wollen, dass Christian Geselle Oberbürgermeister der Stadt Kassel bleibt!“ Den Aufruf, der in der HNA-Samstagsausgabe erschien, haben auch einige Kasseler unterzeichnet, von denen man eine so deutliche und frühe Positionierung zur OB-Wahl 2023 nicht erwartet hätte. Unter den Geselle-Unterstützern finden sich zum Beispiel KSV-Hessen-Vorstandschef Jens Rose, Insolvenzverwalter Fritz Westhelle sowie Karnevalspräsident und IHK-Berater Lars Reiße.

Ein Name fällt bei den Unterzeichnern besonders auf, handelt es sich doch um einen stadtbekannten Christdemokraten: Zur Wahl des Sozialdemokraten Geselle ruft der ehemalige CDU-Stadtverordnete und CDU-Stadtrat Bernd Peter Doose auf. Er unterstützt Geselle, obwohl seine Partei in Kassel zur OB-Wahl mit einer eigenen Kandidatin, der ehemaligen Staatsministerin und Landtagsabgeordneten Eva Kühne-Hörmann, antritt.

Bürgermeisterwahl in Kassel: Doose hat immer gut mit Geselle zusammengearbeitet

„Ich habe ja kein Parteiamt mehr. Ich bin jetzt frei und kann machen, was ich will“, betont dazu Bernd Peter Doose. Geselle habe ihn um Hilfe gebeten, er habe daher die Anzeige mitunterzeichnet. Geselle sei für ihn bei dieser Wahl, bei der es mit Isabel Carqueville noch eine eigene SPD-Bewerberin geben soll, ein unabhängiger Kandidat. „Als SPD-Kandidaten würde ich ihn niemals unterstützen“, sagt Doose, der 2004 von den Liberalen zur CDU gewechselt war – nach 20 Jahren FDP-Mitgliedschaft.

Mit dem Amtsinhaber habe er gut zusammengearbeitet, berichtet der 78-Jährige. Zum einen habe Geselle es geschafft, die früher defizitären Haushalte der Stadt schon seit Jahren mit einem Überschuss zu versehen. „Er hat einen guten Finanzjob gemacht.“ Zum anderen habe der OB ihn, die CDU und die Anwohner des Karlsplatzes im Kampf gegen den Bau des documenta-Instituts unterstützt, in dem er den Protest der vielen Unterzeichner für ein Bürgerbegehren akzeptiert und für den Meinungsumschwung – vor allem in der SPD – gesorgt habe. Dagegen hätte Grünen-Stadtbaurat Christof Nolda den Protest „am liebsten unberücksichtigt gelassen“.

Bürgermeisterwahl in Kassel: Doose zeigt sich erfreut über Zwist in der SPD

Der CDU-Mann macht keinen Hehl daraus, dass er auch „klammheimliche Freude“ daran hat, „einen Keil in die SPD zu treiben“. Als Stadtverordneter und Stadtrat der CDU wäre auch er gerne bereit gewesen, mit der SPD zu kooperieren. Das sei aber nicht möglich gewesen, weil die SPD-Mehrheit in Kassel „stark links“ orientiert sei. „Die fürchtet die CDU wie der Teufel das Weihwasser.“

Ja, es habe Reaktionen aus der eigenen Partei auf die Anzeige zur Unterstützung Geselles gegeben, so Doose. Viele hätten sich verwundert gezeigt. Nachdem er ihnen aber seine Gründe erklärt habe, hätten einige den Schritt nachvollziehen können. Und nein, Eva Kühne-Hörmann habe sich bei ihm noch nicht gemeldet. Die CDU-Kandidatin habe ihn, anders als Geselle, auch noch nicht um Unterstützung gebeten.

Bürgermeisterwahl in Kassel: Doose selbst ist kaum noch politisch tätig

Das Ganze hat eine Vorgeschichte, die Doose als „meine Demission“ bezeichnet: Zur Kommunalwahl 2021 hatte Parteichefin Kühne-Hörmann ihn dazu aufgefordert, auf seinen Platz im ehrenamtlichen Magistrat zu verzichten und in die Stadtverordnetenfraktion zurückzukehren. Er habe das nicht gewollt und gesagt, dass er dann mit der Politik aufhöre.

„Ich mache jetzt nur noch meine Innung“, sagt der Obermeister der Maler und Lackierer. Und manchmal eben doch noch etwas Politik – mit einer Unterschrift. Mehr komme aber für ihn aber nicht in Frage, unterstreicht Doose. Plakate werde er für den Kandidaten Geselle nicht noch kleben. (Andreas Hermann)

Auch interessant

Kommentare