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Kasseler Corona-Testzentren sind verunsichert: Bürger zahlen ab Juli drei Euro

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Von: Anna-Laura Weyh

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Coronavirus - Coronatest
Coronatests kosten ab Juli drei Euro. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Corona-Bürgertests werden ab Juli kostenpflichtig. Das verunsichert zahlreiche Betreiber der Testzentren in Kassel. Viele Fragen bleiben offen.

Kassel – Corona-Bürgertests werden ab Juli kostenpflichtig. Das teilt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit. Mit drei Euro sollen sich die Testpersonen an den Kosten beteiligen. Nur für vulnerable Gruppen wie Schwangere, aber auch für Krankenhausbesucher seien die Schnelltests weiterhin umsonst. „Ich halte das für inkonsequent und kann die Entscheidung nicht nachvollziehen“, sagt Dr. Marcus Thomé, Virologe am Kasseler Klinikum. Die kostenlosen Bürgertests seien ein hilfreiches Mittel gewesen, um Infektionen frühzeitig zu erkennen und sensible Bevölkerungsgruppen zu schützen, so der Chefarzt.

Als Grund für die Einschränkung der Bürgertests nannte Lauterbach die hohen Kosten für den Bund. Angesichts der angespannten Haushaltslage könne sich die Regierung diese nicht mehr leisten. Geplant sei deshalb auch, dass der Betrag reduziert werde, der pro Test an die Testzentren geht – von aktuell 11,50 auf 9,50 Euro. Davon werden dann drei Euro von den Bürgern getragen und der Staat übernimmt 6,50 Euro.

Die Betreiber der Testzentren in Kassel fühlen sich von dieser Entscheidung überrumpelt und stehen vor vielen Fragen. Bünyamin Kaplan vom Drive-In-Parkhaus Garde du Corps sagt: „Wie soll ich unterscheiden, ob jemand berechtigt ist, einen kostenlosen Test zu bekommen oder nicht.“ Zwar kündigt Lauterbach an, dass etwa Kinder und Schwangere eine Bescheinigung vorlegen müssen, um einen kostenlosen Test zu bekommen. Dennoch fragt sich Kaplan, wie das etwa bei Krankenhausbesuchern funktioniere. Er kritisiert das herrschende Chaos, das durch die kurzfristige Änderung entsteht.

Ebenso wie Chiara Röhl, Betreiberin des Testzentrums Wilhelmsstraße 8. „Ein Online-Zahlungssystem in wenigen Tagen einzurichten und auch vor Ort Bar- oder Kartenzahlung zu ermöglichen, wird schwierig“, sagt sie. Vor allem aber fürchtet sie, dass viele Infektionen unentdeckt bleiben könnten. Gerade zum jetzigen Zeitpunkt, wo die Zahl der Corona-Fälle wieder ansteige.

„Viele Leute kommen spontan zu uns. Darunter gibt es einige Positive, die keine Symptome haben“, sagt Röhl. Sie glaube nicht, dass sich alle noch regelmäßig testen lassen, wenn sie Geld dafür zahlen müssen. Nur die Menschen zu testen, die besonders gefährdet sind oder bereits Symptome haben, sei zu spät, sagt auch Virologe Marcus Thomé.

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