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Kasseler Demokratie-Impuls für HNA-Lokalredaktion

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Von: Florian Hagemann

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Wurde 2006 Opfer des rechtsextremen NSU: Halit Yozgat.
Wurde 2006 Opfer des rechtsextremen NSU: Halit Yozgat. © Privat/Uwe Zucchi/dpa

Die HNA-Lokalredaktion erhält in diesem Jahr den Sonderpreis des Kasseler Demokratie-Impulses für die Berichterstattung über die rechtsextremen Morde an Halit Yozgat und Walter Lübcke sowie über die Folgen.

Kassel – Die Kasseler Lokalredaktion der HNA gehört in diesem Jahr zu den Preisträgern des Kasseler Demokratie-Impulses. Damit zeichnet die Stadt Kassel herausragende wissenschaftliche und journalistische Arbeiten aus, die sich vor allem mit den Themen Rechtsextremismus, Rassismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzen.

Die Jury entschied, der HNA-Lokalredaktion einen Sonderpreis für ihre kontinuierliche Berichterstattung zu den NSU-Verbrechen insbesondere an dem Kasseler Halit Yozgat sowie über den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und deren Folgen zu verleihen.

Ausgezeichnet werden zudem Johannes Hillje für seine Doktorarbeit über die soziale Identitätspolitik der AfD sowie Denise Dismer und John Amoateng-Kantara für die Spiegel-TV-Dokumentation auf 3 Sat mit dem Titel „Die Macht der Vorurteile. Rassismus bewusst verlernen!“. Eingereicht wurden diesmal fast 50 Arbeiten.

Jury-Mitglied Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer, würdigte in einer Stellungnahme die Arbeit der HNA-Lokalredaktion: „Es ist auffällig, dass die Lokalredaktion der HNA ihre Berichterstattung zu rechtsextremistischen Verbrechen in Kassel und Nordhessen verstärkt hat, sowohl im zeitlichen Einsatz wie auch in der inhaltlichen Sensibilität. Davon zeugen die ausführlichen Reportagen und Artikel über den Prozess um den Mord an Walter Lübcke 2019 und der Wille zur stetigen Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit über die Ermordung von Halit Yozgat im Jahr 2006“, schreibt John. Und weiter: „Die Jury sieht darin ein nachahmenswertes Beispiel, wie Lokalredaktionen in der offenen Gesellschaft, die oft geprägt ist von gesellschaftlicher Gleichgültigkeit und Vagheit, für Orientierung und persönliche Verantwortung einstehen können.“

Neben John zählten deren Mitarbeiter Taha Kahya, der ehemalige hessische Ministerpräsident Hans Eichel, Steffen Kailitz, Politikwissenschaftler und Extremismusforscher am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden, und der Kasseler Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder zur Jury.

In der Pressemitteilung der Stadt zum Kasseler Demokratie-Impuls heißt es mit Bezug auf die Jury: „Mit ihrer über Jahre kontinuierlichen und ausführlichen Berichterstattung über die rechtsextremistisch motivierten Verbrechen durch den Nationalsozialistischen Untergrund NSU, den Mord an Regierungspräsidenten Walter Lübcke und das Attentat in Hanau ermögliche es die HNA-Redaktion den Leserinnen und Lesern, sich ein Bild zu machen und sich eine Meinung zu bilden. An diesem Beispiel werde deutlich, wie wichtig insbesondere regionale Zeitungen als verlässliche Informationsquelle für die Menschen und die Demokratie sind.“

Für HNA-Chefredakteur Axel Grysczyk ist die Auszeichnung eine Bestätigung der hohen Qualität, mit der die Kasseler Lokalredaktion seit Jahren das Geschehen in und um Kassel journalistisch begleitet. Für die Zeitungs- und Online-Leser der HNA sei es der Beweis, auf welchem hohen Niveau die Redaktion täglich arbeite. „Natürlich macht uns eine solche Auszeichnung auch ein wenig stolz“, sagt Grysczyk, um gleich hinzuzufügen: „Es wäre schöner, wenn es gar nicht nötig wäre, über solche schrecklichen Taten berichten zu müssen.“

Die Auszeichnung Kasseler Demokratie-Impuls ist verbunden mit dem Gedenken an die NSU-Opfer und wurde im Jahr 2019 von der Stadt Kassel erstmals bundesweit ausgeschrieben. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehörte unter anderem das Autorenteam der Süddeutschen Zeitung, das die NSU-Protokolle veröffentlicht hat. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert. Die Verleihung findet am 18. November statt. (Florian Hagemann)

Wurde 2019 Opfer des Rechtsextremen Stephan Ernst: Walter Lübcke.
Wurde 2019 Opfer des Rechtsextremen Stephan Ernst: Walter Lübcke. © Uwe Zucchi

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