Krankenhäuser

Kasseler Diakonie-Kliniken erwarten Minus - Alle Häuser haben zu kämpfen

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Kasseler Diakonie-Kliniken

Kassel. Die Nachricht ging in diesen Tagen wie ein Lauffeuer durch die Medien: Jede zweite Klinik in Deutschland schrieb 2012 Verluste. Und bei fast 60 Prozent der Krankenhäuser war das Geschäftsergebnis laut Krankenhaus-Barometer rückläufig. Wir haben uns in Kassel umgehört:

Kasseler Krankenhäuser stehen im bundesweiten Vergleich noch verhältnismäßig gut da, wie eine HNA-Umfrage bei den Kliniken ergab. Lediglich ein Krankenhaus, die Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel, schreiben derzeit rote Zahlen. Rückläufige Betriebsergebnisse erwarten aber alle Kasseler Krankenhäuser.

Über die Situation der einzelnen Häuser lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe (13. Dezember 2013) der Hessischen Allgemeinen.

Und auch die Zukunftsaussichten schätzen die Häuser als schwierig ein. Dass die Agaplesion Diakonie Kliniken derzeit Verluste machen, habe vor allem damit zu tun, „dass wir seit zehn Jahren bei laufendem Betrieb bauen“, sagt Geschäftsführer Jens Wehmeyer. Mit diesem Schritt und auch dem Neubau sorgten die Diakonie Kliniken nicht nur dafür, dass der Kasseler Krankenhausmarkt bereinigt werde. Man werde dann mit rund 350 Betten auch eine optimale Betriebsgröße haben.

„Wir haben das Ziel, mittelfristig die benötigten Überschüsse wieder zu erzielen“, sagt Wehmeyer. Die Situation für Krankenhäuser sei grundsätzlich schwierig, sagt der Klinikchef: „Wir müssten die Leistung jedes Jahr um mindestens drei Prozent erhöhen, um allein die Tariferhöhungen mitnehmen zu können.“

Seit 2006 wird auch am Klinikum Kassel gebaut, das zur Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) gehört. Deren Chef Dr. Gerhard M. Sontheimer bezeichnet die wirtschaftliche Lage der GNH im laufenden Jahr als angespannt. Wegen der seit Jahren bestehenden chronischen Unterfinanzierung der Krankenhäuser werde es selbst für Kliniken, die frühzeitig ihre Prozesse optimiert hätten, immer schwieriger, ein positives Ergebnis zu erzielen.

Derzeit gehe die GNH für 2013 noch von einem geringen Gewinn aus, der im Wesentlichen vom Klinikum Kassel eingefahren werde. Wahrscheinlich könne den GNH-Beschäftigten zumindest ein Teil des 2013 als Beitrag zur Zukunftssicherung einbehaltenen Gehaltes zurückgezahlt werden. „Die Kosten steigen stärker als die Erlöse“, sagt auch der Geschäftsführer des Rotes Kreuz Krankenhauses Michael Gribner.

So hätten sich die Prämien für die Haftpflichtversicherungen teilweise verdoppelt. „Allein das hat die Steigerungsrate bei den Patientenzahlen aufgefressen“, sagt Gribner. Das Krankenhaus werde auch im Geschäftsjahr 2013 eine „gute schwarze Null“ halten können. Doch weil immer weniger Geld zur Verfügung stehe, müsse man die Erneuerung des Krankenhauses zwangsläufig verlangsamen. „Das Geld müssen wir selbst aufbringen. Wir sind darauf angewiesen, Überschüsse zu machen“, sagt Gribner.

Durch steigende Patientenzahlen könne man die Situation abmildern, sagt der Geschäftsführer des Marien-Krankenhauses Michael Schmidt. So erwarte man auch 2013 ein positives Ergebnis. Doch durch Tarifsteigerungen, höhere Kosten für Energie und Versicherungen gehe die Schere seit Jahren auseinander. Die zwei Prozent, die die Krankenkassen jährlich als Vergütungsplus zahlten, reichten bei Weitem nicht aus, Schmidt: „Ich schätze die Lage insgesamt als dramatisch ein.“

Von Martina Heise-Thonicke

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